Wer sein Depot wechselt macht einen der häufigsten Fehler den es gibt: Er verkauft alles, zahlt Steuern auf alle Gewinne, und kauft beim neuen Broker neu. Dabei gibt es einen besseren Weg. Den Depotübertrag. Deine Wertpapiere ziehen einfach um, ohne Verkauf, ohne unnötige Steuer.

Ich zeige dir wie das funktioniert, am Beispiel von Trade Republic, denn der Prozess läuft bei den meisten deutschen Brokern sehr ähnlich ab.

Was ist ein Depotübertrag überhaupt?

Ein Depotübertrag bedeutet: Deine Wertpapiere wechseln die Bank, nicht den Eigentümer. Kein Verkauf findet statt. Die Aktien, ETFs oder Anleihen werden aus deinem alten Depot ausgebucht und beim neuen Broker eingebucht. Die steuerlichen Anschaffungspreise, also zu welchem Kurs du die Papiere ursprünglich gekauft hast, werden dabei automatisch mitübertragen.

Das ist der entscheidende Unterschied zum Verkauf. Wer verkauft, realisiert seine Gewinne und zahlt sofort 25% Abgeltungssteuer darauf. Beim Übertrag passiert das nicht. Die Steuer fällt erst an wenn du irgendwann wirklich verkaufst.

Ein weiterer Punkt der oft vergessen wird: Wer Wertpapiere hat die vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden, profitiert vom sogenannten Altbestandsschutz. Kursgewinne die bis Ende 2017 entstanden sind bleiben dauerhaft steuerfrei. Ab 2018 entstandene Gewinne sind zwar steuerpflichtig, aber es gibt einen zusätzlichen Freibetrag von 100.000 Euro pro Person speziell für diese Altbestände. Dieser Schutz bleibt bei einem Depotübertrag auf das eigene Depot vollständig erhalten.

Vollständiger oder teilweiser Übertrag?

Du hast die Wahl. Du kannst dein gesamtes Depot übertragen oder nur einzelne Positionen.

Beim vollständigen Übertrag zieht alles um was übertragbar ist. Beim Teilübertrag gibst du konkret an welche Wertpapiere du übertragen willst, inklusive Stückzahl, ISIN und Wertpapierbezeichnung. Das macht Sinn wenn du zum Beispiel einen Teil bei der alten Bank behalten willst oder verschiedene Positionen auf verschiedene Broker aufteilst. Wer viele Positionen hat wird merken: Ein vollständiger Übertrag ist meist deutlich bequemer als jede Position einzeln einzutragen.

Was mit Bruchstücken passiert

Wer per Sparplan investiert hat fast immer Bruchstücke im Depot. Beispiel: Du sparst 200 Euro monatlich in einen ETF der 85 Euro kostet. Nach drei Monaten hast du 7 ganze Anteile und 0,06 Bruchstücke.

Diese Bruchstücke können nicht übertragen werden. Kein einziger deutscher Broker akzeptiert sie im Übertrag. Was passiert damit?

Beim vollständigen Übertrag bleiben die Bruchstücke zunächst im alten Depot. Bei Trade Republic konkret: Die ganzen Stücke werden übertragen, die Bruchstücke verbleiben im TR-Depot zurück. Bruchstücke aus Sparplänen lassen sich dort in der Regel gebührenfrei verkaufen. Bei Bruchstücken die aus dem Fractional-Shares-Handel entstanden sind kann eine Gebühr von 1 Euro anfallen, je nach Position auch eine Fremdkostenpauschale. Wenn der Wert des Bruchstücks darunter liegt lohnt sich der Verkauf schlicht nicht. In dem Fall kannst du die Bank anweisen die Position wertlos auszubuchen.

Während der Übertrag läuft hast du keinen Zugriff auf die betroffenen Positionen. Bei Trade Republic werden Verkäufe ab dem Moment der Antragstellung gesperrt, Käufe bleiben weiter möglich.

Trade Republic Depotübertrag: Wie der Übertrag bei Trade Republic konkret läuft

Der Prozess läuft in der App, Stand 2026 funktioniert es so:

Oben rechts auf dein Profilbild tippen, dann Einstellungen, dann Weitere Services, dann Wertpapierdepot transferieren. Dort hast du zwei Optionen: eingehend oder ausgehend.

Beim eingehenden Übertrag willst du Wertpapiere von einem anderen Broker zu Trade Republic holen. Du lädst dort ein Formular herunter, füllst es aus und reichst es beim abgebenden Broker ein. Der kümmert sich dann um den Rest.

Beim ausgehenden Übertrag willst du Wertpapiere von Trade Republic wegschicken. Du wählst in der App die Wertpapiere aus die übertragen werden sollen, gibst die Anzahl an und trägst die Depotnummer des Zielbrokers ein. Alles läuft direkt in der App, kein Brief, kein Formular. Bei vielen Positionen ist das etwas lästig, weshalb ein vollständiger Übertrag meist der einfachere Weg ist.

Aus meiner eigenen Erfahrung: Ich habe mehrfach zwischen meinen Depots hin und her übertragen, das lief in der Regel sehr schnell, oft innerhalb weniger Werktage. Bei Trade Republic hatte ich einmal einen Fall wo der Übertrag monatelang feststeckte, offenbar war technisch etwas schiefgelaufen. Beim zweiten Anlauf war alles in wenigen Tagen erledigt. Wenn es hakt hilft es den Übertrag parallel beim neuen Broker als eingehend zu beantragen und beide Seiten zu kontaktieren.

Nach dem Übertrag bekommst du bei manchen Brokern Post über jede einzeln eingegangene Position. Das klingt bürokratisch ist aber normal.

📱 So läuft der Depotübertrag in der Trade Republic App (Stand 2026)

  • 1
    Profilbild oben rechts antippen Öffnet deine persönlichen Einstellungen.
  • 2
    Einstellungen → Weitere Services Im Menü nach unten scrollen.
  • 3
    Wertpapierdepot transferieren Hier wählst du zwischen eingehendem und ausgehendem Übertrag.
  • 4a
    Eingehend: Depot zu Trade Republic holen Formular herunterladen, ausfüllen und beim abgebenden Broker einreichen. Der Rest läuft automatisch. Formular per Post oder Upload
  • 4b
    Ausgehend: Depot von Trade Republic wegschicken Wertpapiere und Stückzahlen direkt in der App auswählen, Depotnummer des Zielbrokers eintragen, fertig. Kein Brief, kein Formular. Bei vielen Positionen ist ein vollständiger Übertrag bequemer. Alles in der App

Was alles übertragen wird und was nicht

Übertragen werden Aktien, ETFs, Anleihen und andere gängige Wertpapiere, inklusive der steuerlichen Anschaffungspreise und des Kaufdatums. Prüfe vorher ob deine Wertpapiere beim neuen Broker handelbar sind. Was dort nicht gelistet ist wird abgelehnt und zurückgebucht.

Was ebenfalls nicht übertragen wird: Sparpläne. Die musst du beim neuen Broker neu einrichten.

Was du zusätzlich übertragen kannst: den Verlustverrechnungssaldo. Das macht Sinn wenn du das alte Depot komplett auflöst. Du gibst beim Übertrag an dass du auch die Verlustverrechnungstöpfe mitnehmen willst, dann werden steuerliche Verluste die du beim alten Broker angesammelt hast beim neuen angerechnet.

Was kostet ein Depotübertrag?

Meist nichts. Viele Broker wickeln eingehende Überträge kostenlos ab. Du hast außerdem ein gesetzliches Recht auf die Übertragung deiner Wertpapiere. Manche Broker erheben trotzdem Gebühren für ausgehende Überträge. Schau vorher kurz ins Preisverzeichnis des abgebenden Brokers.

Depotübertrag statt verkaufen: Warum das fast immer besser ist

Der Unterschied klingt technisch, ist aber real. Wer ein Depot mit 50.000 Euro Gewinn auflöst und neu kauft zahlt 12.500 Euro Abgeltungssteuer sofort. Wer überträgt zahlt nichts, der Gewinn wird erst beim tatsächlichen Verkauf versteuert. Dieses Geld kann in der Zwischenzeit weiter arbeiten.

Dazu kommen Transaktionskosten für den Neuaufbau des Depots. Und bei bestimmten Produkten wie Euwax Gold 2 gibt es steuerliche Haltefristen. Wer dort verkauft und neu kauft verliert unter Umständen die Steuerfreiheit die nach einem Jahr Haltedauer greift. Beim Übertrag bleibt die ursprüngliche Haltedauer erhalten.

Wertpapiere verschenken oder vererben: Was passiert steuerlich?

Ja, das geht. Aber es gibt Unterschiede je nachdem wie die Übertragung läuft.

Bei einer Schenkung oder Erbschaft gilt: Der Empfänger übernimmt die vollständige steuerliche Vorgeschichte der Wertpapiere. Kein neuer Kaufzeitpunkt entsteht. Das bedeutet konkret: Altbestände die vor 2009 gekauft wurden behalten ihren Bestandsschutz auch beim Beschenkten oder Erben. Gewinne bis Ende 2017 bleiben steuerfrei, und jeder Empfänger hat seinen eigenen 100.000 Euro Freibetrag für ab 2018 entstandene Gewinne, unabhängig davon ob der ursprüngliche Eigentümer seinen bereits genutzt hat.

Was bei Schenkungen zusätzlich anfallen kann ist Schenkungssteuer, wenn die Freibeträge überschritten werden. Die liegen bei Ehepartnern bei 500.000 Euro, bei Kindern bei 400.000 Euro, alle zehn Jahre neu.

Nicht möglich bei Trade Republic: Ein eingehender Übertrag funktioniert dort nur zwischen identischen Depotinhabern. Wer sein TR-Depot direkt auf das Depot eines Familienmitglieds übertragen will muss das über einen ausgehenden Übertrag von TR weg abwickeln, das ist dort erlaubt.

Mehr dazu im Artikel Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer.

Bei größeren Beträgen oder komplexeren Konstellationen lohnt sich ein kurzes Gespräch mit einem Steuerberater, die steuerliche Behandlung von Altbeständen hat im Detail einige Fallstricke.

Depotübertrag bei Auswanderung: Was du wissen musst

Das ist der Teil wo es komplizierter wird, und den die meisten Ratgeber weglassen.

Wer auswandert oder längere Zeit ins Nicht-EU-Ausland geht steht vor einem Problem: Viele deutsche Broker, insbesondere Neobroker wie Trade Republic oder Scalable, kündigen das Depot sobald du keinen deutschen Wohnsitz mehr hast. Das gilt oft auch für temporäre Abwesenheit wenn du deine Wohnung in Deutschland aufgibst. Aus Sicht der Bank bist du dann ein Nicht-Resident, egal ob du ein Jahr oder für immer weg bist.

Ein Depotübertrag ins Ausland ist grundsätzlich möglich, aber deutlich aufwändiger als ein innerdeutscher Übertrag. Der Übertrag selbst ist steuerneutral, solange keine Veräußerung stattfindet. Was sich ändert ist deine steuerliche Situation: Deutschland gibt das Besteuerungsrecht für laufende Kapitalerträge in der Regel an deinen neuen Wohnsitzstaat ab, wenn ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht.

Seit Januar 2025 gibt es eine neue Regelung die viele kalt erwischt: ETFs und Fonds können unter die Wegzugsbesteuerung fallen wenn die Anschaffungskosten für Anteile an einem einzelnen Fonds mindestens 500.000 Euro betragen. Der Staat behandelt das dann wie einen fiktiven Verkauf am Tag der Auswanderung. Für die meisten Privatanleger mit normalen Depotgrößen ist das noch kein Thema, aber wer größere Positionen hat sollte das vorher prüfen.

Praktischer Tipp: Wer weiß dass er auswandern will sollte spätestens sechs Monate vorher klären welcher Broker Kunden mit ausländischem Wohnsitz akzeptiert und ob ein Übertrag ins Ausland möglich ist. Manche Anbieter sind hier deutlich flexibler als klassische deutsche Direktbanken.

Wer Depots und Konten sucht die auch nach einem Wegzug erhalten bleiben wird bei meinen Empfehlungen* fündig.

Philipp Schilke
Philipp Schilke
Mechaniker · Finanzanlagefachmann (IHK) · Gründer Bullish TV

Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.


Hinweis: Dieser Artikel enthält keine Anlage- oder Steuerberatung und stellt keine Handlungsempfehlung dar. Alle Angaben nach bestem Wissen, aber ohne Gewähr. Das ist meine persönliche Meinung und Erfahrung. Einige Links auf dieser Seite sind Affiliate-Links (*). Wenn du darüber ein Konto oder Depot eröffnest erhalte ich eine kleine Provision.

Kostet ein Depotübertrag zu Trade Republic etwas?

Eingehende Überträge zu Trade Republic sind kostenlos. Ob der abgebende Broker Gebühren für ausgehende Überträge berechnet hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Ein Blick ins Preisverzeichnis lohnt sich vorher.

Werden steuerliche Anschaffungspreise beim Depotübertrag übertragen?

Ja. Die Anschaffungspreise und das Kaufdatum werden automatisch mitübertragen. Es entsteht kein neuer Kaufzeitpunkt, keine Steuer wird fällig.

Kann ich nur einen Teil meines Depots übertragen?

Ja. Du kannst einzelne Positionen mit ISIN und Stückzahl angeben oder das gesamte Depot auf einmal übertragen. Ein vollständiger Übertrag ist bei vielen Positionen deutlich bequemer.

Wie lange dauert ein Depotübertrag zu Trade Republic?

In der Regel wenige Werktage. In Ausnahmefällen kann es länger dauern.