
Deutsches Konto nach Auswanderung behalten, geht das? Wer auswandert denkt oft zuletzt an sein Bankkonto. Und dann kommt die Kündigung – manchmal schon im nächsten Quartal nach der Adressänderung, manchmal Jahre später. Oder man erzählt der Bank offen von seinem Wegzug und erhält wenige Wochen später Post mit einer ordentlichen Kündigung ohne Angabe von Gründen.
Das ist ärgerlich aber keine Überraschung. Und wer vorbereitet ist kann damit umgehen.
Deutsches Konto nach Auswanderung behalten? Warum sinnvoll?
Die Frage ist nicht ob es praktisch ist – die Antwort ist fast immer ja. Die Frage ist wie man es möglichst lange und möglichst reibungslos behält.
Gründe die für ein deutsches Konto nach Auswanderung sprechen:
Laufende finanzielle Verbindungen – Deutsche Rente, Mieteinnahmen aus einer Immobilie, Erstattungen vom Finanzamt, Zahlungen von deutschen Kunden oder Auftraggebern. Wer kein deutsches Konto hat steht hier vor unnötigen Problemen.
Rückkehroption – Sehr viele Auswanderer kehren irgendwann zurück. Wer dann kein Konto mehr hat steht bei der Neueröffnung unter Umständen vor echten Hürden – Schufa-Check, Wartezeiten, eingeschränkte Optionen.
Einlagensicherung – Deutschland gehört zu den wirtschaftsstärksten Ländern der Welt. Die gesetzliche Einlagensicherung schützt 100.000 Euro pro Anleger und Bank. Auswandern Handbuch Das ist in vielen Auswanderungszielen nicht selbstverständlich.
Inflationsschutz – Wer in einem Land mit hoher Inflation lebt verliert auf dem lokalen Konto Kaufkraft. Ein Euro-Konto in Deutschland schützt vor diesem Risiko für den Teil des Vermögens der in Euro gehalten wird.
Authentifizierung im Ausland – Das klingt banal ist aber ein echter praktischer Punkt: SMS-TANs kommen im Nicht-EU-Ausland zuverlässig nicht an. Wer eine App-basierte Authentifizierung hat – wie die photoTAN bei Comdirect – ist hier klar im Vorteil.
Warum Banken kündigen – und was dahintersteckt
Banken haben mehrere Gründe ein Konto bei Auslandswohnsitz zu kündigen oder einzuschränken.
Rechtliche Unsicherheit – Bei Auslandswohnsitz ist unklar welches Verbraucherrecht gilt. Viele Banken wollen dieses Risiko nicht tragen.
Geldwäscheprävention – Banken müssen ihre Kunden kennen und die Identität verlässlich prüfen können. Bei Auslandswohnsitz – besonders in Ländern die als Hochrisikoländer eingestuft sind – steigen die Anforderungen erheblich.
Steuerstatus – Sobald du Steuerausländer wirst ändert sich die steuerliche Behandlung deiner Erträge. Banken müssen das dokumentieren und melden. Für manche Banken ist der administrative Aufwand schlicht zu groß.
Complianceprüfungen – Viele Banken überprüfen ihre Kundendaten regelmäßig. Wer dann eine Auslandsadresse hinterlegt hat oder bei dem die Bank aus Kontobewegungen schließt dass der Lebensmittelpunkt im Ausland liegt riskiert eine automatische Kündigung.
Die entscheidende Frage: Transparent kommunizieren oder nicht?
Das ist die schwierigste Frage bei diesem Thema – und die ehrliche Antwort ist unbequem.
Viele Auswanderer informieren ihre Bank nicht über den Wegzug und führen das Konto einfach weiter. Das funktioniert oft jahrelang. Wenn die Bank es herausfindet – durch Adressänderung, durch Kontobewegungen oder durch behördliche Meldungen – kann das Konto sofort und fristlos gekündigt werden.
Wer die Bank offen informiert riskiert ebenfalls eine Kündigung – manchmal sogar schneller. Kunden berichten davon, dass sie den Banken ehrlich und proaktiv noch vor ihrer Abreise den geplanten Wohnsitzwechsel mitgeteilt haben – und kurz darauf die Kündigung erhielten. Immogration
Es gibt keine perfekte Lösung. Was hilft: eine langjährige gute Kundenbeziehung, transparente Kommunikation und im besten Fall Konten bei Banken die explizit mit Steuerausländern umgehen können.
Welche Banken funktionieren am besten
DKB – Deutsche Kreditbank* Die DKB ist der am häufigsten genannte Name in der Auswanderer-Community. Die Bank kommuniziert auf ihrer eigenen Website relativ offen dass Konto und Karten nach Wegzug weitergenutzt werden können und man als Steuerausländer geführt wird. In der Praxis berichten trotzdem einige Kunden von Kündigungen – insbesondere bei Wohnsitz in bestimmten Ländern außerhalb der EU. Kein Freifahrtschein – aber erfahrungsgemäß eine der tolerantesten deutschen Banken.
Comdirect* ist unter Auswanderern ebenfalls bekannt für die Bereitschaft Bestandskunden als Steuerausländer weiterzuführen. Ein echter praktischer Vorteil: die photoTAN App funktioniert weltweit zuverlässig – im Gegensatz zu SMS-TANs die im Nicht-EU-Ausland oft schlicht nicht ankommen. Auch hier gilt: Einzelfall, kein Versprechen, Kündigung möglich.
Was bei beiden gilt: Die Konditionen können sich jederzeit ändern. Die AGBs sollten vor dem Wegzug geprüft werden. Und: Wer ein Konto behalten will sollte es aktiv nutzen – regelmäßige Kontobewegungen signalisieren der Bank dass das Konto lebt.
Kontodiversifikation – der unterschätzte Schutz
Wer sein Portfolio über verschiedene Länder, Sektoren und Anlageklassen diversifiziert denkt bereits richtig. Aber kaum jemand wendet denselben Gedanken auf seine Konten an.
Ich halte das persönlich für genauso wichtig. Ähnlich wie bei der sogenannten Flaggentheorie – dem Ansatz verschiedene Lebensbereiche bewusst auf verschiedene Länder zu verteilen – diversifiziere ich auch meine Bankverbindungen über verschiedene Jurisdiktionen. Ein deutsches Girokonto, ein Depot in der Schweiz, und ein internationales Multiwährungskonto für Transaktionen weltweit.
Der praktische Grund ist simpel: Wenn ein Konto eingefroren wird, die Bank kündigt oder ein System ausfällt – und das passiert häufiger als man denkt – ist man nicht handlungsunfähig. Wer alles auf eine Bank konzentriert hat beim nächsten Quartalsbericht möglicherweise ein Problem.
Für internationale Transaktionen – Geld zwischen Ländern bewegen, in Fremdwährungen bezahlen, Zahlungen von ausländischen Kunden empfangen – empfehle ich Wise*. Echte Wechselkurse statt Bankaufschläge, Multiwährungskonto, und das Beste: kein fester Wohnsitz in Deutschland nötig. Wise funktioniert auch wenn man bereits weg ist.
Für Business-Kunden bietet Wise zusätzlich lokale Kontonummern in mehreren Währungen – wer internationale Kunden hat kann Rechnungen in deren Landeswährung stellen ohne einen ausländischen Firmensitz zu brauchen.
Das Basiskonto – dein Recht, aber mit Einschränkungen
In Deutschland gibt es seit 2016 ein gesetzliches Recht auf ein sogenanntes Basiskonto – geregelt im Zahlungskontengesetz (ZKG). Jede Bank die Girokonten anbietet muss dieses Konto ermöglichen und darf nur in engen Ausnahmefällen ablehnen.
Die wichtige Einschränkung: Dieses Recht gilt für Personen die sich rechtmäßig in der EU aufhalten. Bei Wohnsitz außerhalb der EU ist der Anspruch auf ein Basiskonto deutlich schwieriger durchzusetzen – die gesetzliche Grundlage greift dann nicht automatisch. Wer in Paraguay, Vietnam oder Dubai lebt kann sich nicht einfach auf das ZKG berufen.
Das Basiskonto ist außerdem kein kostenloses Konto. Entgelte müssen „angemessen“ sein – in der Praxis können das je nach Bank zwischen 5 und knapp 30 Euro pro Monat sein.
Was ist mit dem Depot?
Ein Depot in Deutschland darf man grundsätzlich behalten – auch als Steuerausländer. Aber es gibt steuerliche Zusammenhänge die kaum jemand kennt.
Deutsche Aktien: Dividenden von deutschen Unternehmen unterliegen als Steuerausländer weiterhin der deutschen Kapitalertragsteuer – egal wo dein Depot liegt. Wer Aktien von Siemens, BASF oder der Deutschen Telekom hält zahlt darauf in Deutschland Steuern. Bei Wohnsitz in einem Niedrigsteuerland kann über §2 AStG sogar die erweiterte beschränkte Steuerpflicht greifen – dann behält sich Deutschland für bestimmte Erträge bis zu zehn Jahre nach dem Wegzug das Besteuerungsrecht vor.
ETFs: Hier kommt es auf das Fondsdomizil an – nicht auf den Ort des Depots. Ein ETF mit Domizil Irland oder Luxemburg gilt als ausländisches Wertpapier – keine deutschen Einkünfte, keine beschränkte Steuerpflicht in Deutschland. Das ist einer der Gründe warum die meisten gängigen ETFs ohnehin in Irland oder Luxemburg aufgelegt sind.
Einschränkungen durch den Broker: Viele deutsche Broker schränken Bestandskunden nach dem Wegzug ein – kein Neukauf bestimmter Produkte, kein Handel auf deutschen Börsen. Was man bereits hält kann man oft behalten. Ob man neu kaufen kann hängt vom Broker und vom Wohnsitzland ab.
Die 154.000 Euro Grenze – §2 AStG
Eine gesetzliche Obergrenze für das Guthaben auf einem deutschen Konto gibt es nicht. Was viele aber im Kopf haben ist die Schwelle aus §2 AStG.
Diese erweiterte beschränkte Steuerpflicht greift bei Wegzug in ein sogenanntes Niedrigsteuerland wenn das inländische Vermögen mehr als 154.000 Euro beträgt oder mehr als 30% des Gesamtvermögens ausmacht – oder wenn die deutschen Einkünfte mehr als 62.000 Euro pro Jahr betragen.
Das bedeutet: Deutschland behält sich dann bis zu zehn Jahre nach dem Wegzug das Besteuerungsrecht für bestimmte Erträge vor. Das ist keine Kontogrenze sondern eine Steuerfalle die bei größeren Vermögen und Wegzug in Niedrigsteuerländer wie Paraguay, die VAE oder bestimmte Karibikstaaten relevant wird.
Wer in ein normales Steuerland zieht – also eines das eine vergleichbare Einkommensteuer hat – ist von §2 AStG in der Regel nicht betroffen.
Praktische Empfehlungen
Vor dem Wegzug:
- Konto aktiv halten und gute Kundenbeziehung pflegen
- AGBs der Bank prüfen – suche nach Regelungen zu Auslandswohnsitz und Steuerstatus
- Zwei verschiedene Konten bei zwei verschiedenen Banken – wenn eines gekündigt wird ist das andere noch da
- App-basierte Authentifizierung einrichten – SMS-TANs funktionieren im Ausland nicht
Nach dem Wegzug:
- Auf Anfragen der Bank umgehend reagieren – viele Banken geben nur 30 Tage Frist
- Konto aktiv nutzen – regelmäßige Bewegungen signalisieren dass das Konto lebt
- Auf Auslandsabhebungsgebühren der lokalen Automatenbetreiber achten – diese fallen unabhängig von deiner Karte an
- Plan B haben – Wise oder ähnliche internationale Konten als Backup
Steuerlich: Vor der Auswanderung unbedingt einen Steuerberater mit Erfahrung im internationalen Steuerrecht konsultieren. Die steuerliche Behandlung von Kapitalerträgen nach dem Wegzug ist komplex und individuell.
Alle Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr – Gesetze, Bankbedingungen und die Praxis der Banken können sich jederzeit ändern. *Affiliate-Link – wenn du über diesen Link ein Konto eröffnest / etwas kaufst erhalte ich eine Provision ohne dass du mehr bezahlst. Alles hier geschriebene ist nur meine Meinung. Vor einer Auswanderung unbedingt qualifizierten Rat einholen.
Kann ich mein deutsches Konto nach der Auswanderung behalten?
Das hängt von der Bank ab. DKB und Comdirect sind bekannt dafür Bestandskunden als Steuerausländer weiterzuführen. Eine Garantie gibt es nicht – Banken können nach ihren AGB kündigen, insbesondere bei Wegzug in Nicht-EU-Länder. Transparente Kommunikation und eine langjährige Kundenbeziehung helfen.
Welche deutschen Banken eignen sich am besten für Auswanderer?
DKB und Comdirect haben unter Auswanderern den besten Ruf wenn es darum geht Konten nach dem Wegzug weiterzuführen. Beide führen Kunden als Steuerausländer und bieten App-basierte Authentifizierung die im Ausland funktioniert – SMS-TANs kommen im Nicht-EU-Ausland oft nicht an.
Was passiert mit meinem Depot wenn ich auswandere?
Ein bestehendes Depot darf man grundsätzlich behalten. Als Steuerausländer gelten aber besondere Regeln – Dividenden deutscher Unternehmen unterliegen weiterhin der deutschen Kapitalertragsteuer. ETFs mit Domizil Irland oder Luxemburg sind davon nicht betroffen. Viele Broker schränken Neukäufe nach Wegzug ein.
Was ist die 154.000 Euro Grenze bei Auswanderung?
Diese Schwelle kommt aus §2 AStG – der erweiterten beschränkten Steuerpflicht. Wer in ein Niedrigsteuerland zieht und inländisches Vermögen über 154.000 Euro oder mehr als 30% des Gesamtvermögens hat bleibt bis zu zehn Jahre nach dem Wegzug für bestimmte Erträge in Deutschland steuerpflichtig.
Was bedeutet Kontodiversifikation und warum ist sie wichtig?
Wer nur ein Konto bei einer Bank hat ist angreifbar – durch Kündigung, technische Ausfälle oder eingeschränkten Zugriff nach Wegzug. Ähnlich wie bei der Portfoliodiversifikation macht es Sinn Konten über verschiedene Banken und Länder zu verteilen. Das ist auch ein Kerngedanke der Flaggentheorie.
Kann ich ein deutsches Basiskonto ohne Wohnsitz in Deutschland eröffnen?
Das Recht auf ein Basiskonto gilt laut Zahlungskontengesetz für Personen die sich rechtmäßig in der EU aufhalten. Bei Wohnsitz außerhalb der EU ist der Anspruch deutlich schwieriger durchzusetzen. Wer bereits im Ausland lebt ist auf Bestandskonten oder internationale Anbieter wie Wise angewiesen.