Gerade in unsicheren Zeiten wird mir immer wieder bewusst wie wichtig ein gut diversifiziertes Portfolio ist. Aber was bedeutet das eigentlich? Reicht ein ETF aus? Lohnen sich Schwellenländer? Und was hat es mit Faktorinvesting auf sich?

Harry Markowitz brachte es einmal auf den Punkt: „Diversification is the only free lunch.“ Durch das Halten unterschiedlicher Anlagen kann man das Gesamtrisiko verringern ohne zwingend auf Rendite verzichten zu müssen. Steckt man alles in eine einzige Aktie ist das Totalverlustrisiko deutlich höher als bei einem ETF mit hunderten Positionen.

Welt-ETFs – verdienen sie den Namen?

Der MSCI World ist der bekannteste Welt-ETF – aber er enthält nur Unternehmen aus 23 Industrieländern. Ein Großteil der Welt fehlt. Wer wirklich global investieren will kombiniert ihn mit einem Emerging Markets ETF oder greift direkt zu echten Welt-ETFs wie dem FTSE All World oder dem MSCI ACWI IMI der auch Small und Mid Caps enthält.

Lohnen sich Schwellenländer?

Der MSCI World hat über die letzten 10 Jahre eine annualisierte Rendite von rund 12% erzielt, der MSCI Emerging Markets IMI kam im selben Zeitraum auf etwa 7,8% pro Jahr. Industrieländer haben klar gewonnen – zumindest in der letzten Dekade. Trotzdem: In den BRICS-Staaten leben 3,6 Milliarden Menschen, ihr BIP übersteigt bereits heute das der G7. Wer prognosefrei in die gesamte Welt investieren will sollte Schwellenländer nicht ignorieren.

Faktorinvesting

Small Caps oder Schwellenländer übergewichten – das ist Faktorinvesting. Wissenschaftlich belegte Faktoren wie Value, Momentum, Size oder Quality können langfristig eine Überrendite liefern. Ein oder zwei Faktoren können sinnvoll sein – aber weniger ist hier mehr.

Diversifikation – Anlageklassen im Überblick

Aktien allein sind nicht die ganze Welt. Cash und Geldmarktfonds bieten aktuell immerhin noch 2-3% Zinsen und eignen sich gut als Puffer oder Dry Powder – langfristig verliert man damit aber real an Kaufkraft.

Bei Anleihen bin ich ehrlich gesagt kein großer Fan. Staatsanleihen mit Triple-A Rating sind sicher aber die Renditen sind überschaubar. Unternehmensanleihen bieten etwas mehr – und dann gibt es noch High Yield, also Junk Bonds, die wir im Community Depot haben. Die schütten gut aus tragen aber ein echtes Ausfallrisiko. Ich halte einen kleinen Teil über den ARERO – nicht weil ich Anleihen liebe, sondern wegen der Diversifikation. Als Hauptbaustein würde ich sie aber nicht nehmen.

Immobilien und REITs bieten Diversifikation und für deutsche Anleger massive Steuervorteile bei eigengenutzten Immobilien. REITs leiden aktuell unter dem Zinsumfeld – wer langfristig denkt findet dort aber durchaus interessante Einstiegspunkte.

Gold ist mein Favorit unter den Sachwerten – kein Emittentenrisiko, weltweit akzeptiert, krisenfest. Als Nomade kommt für mich zunehmend auch Bitcoin als digitales Gold in Frage – aber das ist ein eigenes Thema. Rohstoffe als kleiner Beimischungsanteil können sinnvoll sein, als Hauptposition würde ich sie nicht nehmen. Einzelaktien können hohe Renditen bringen – brauchen aber Zeit, Wissen und starke Nerven.

Der ARERO Weltfonds

Eine einfache Lösung um mehrere Anlageklassen auf einen Schlag abzudecken. 60% Aktien, 25% Anleihen, 15% Rohstoffe bei einer TER von 0,50% pro Jahr. Für ein aktiv verwaltetes Produkt mit automatischem Rebalancing ist das fair. Der Nachteil liegt auf der Hand: In den letzten 5 Jahren hat der ARERO rund 39% erzielt während ein reiner MSCI World ETF rund 75% schaffte. Der Unterschied liegt an den Anleihen und Rohstoffen die als Bremsklotz gewirkt haben. Ich halte einen kleinen Anteil – hauptsächlich für die Diversifikation in andere Anlageklassen.

Fazit

Diversifikation ist kein Selbstzweck – sie soll helfen ruhig zu schlafen und langfristig Vermögen aufzubauen. Dabei gilt: Übertreib es nicht. Zu viele Positionen machen ein Portfolio unnötig komplex ohne echten Mehrwert. Unterschiedliche Anlagen reagieren unterschiedlich auf wirtschaftliche Ereignisse – genau das schützt vor großen Verlusten und erhöht die Chance auf stabile Renditen.