
Bester Covered Call ETF 2026: Das ist die Frage die ich am häufigsten bekomme seitdem ich das Thema auf dem Kanal behandle. Die ehrliche Antwort: Es kommt drauf an. Aber schauen wir uns die Fakten an.
Vier UCITS Covered Call ETFs haben inzwischen mindestens zwei Jahre Track Record. Das ist wenig, wirklich wenig. Kein einziger dieser ETFs hat einen echten Bärenmarkt gesehen. Was 2008 oder selbst 2020 mit diesen Strategien passiert wäre haben wir in einem eigenen Artikel untersucht. Wer sich für CC-ETFs interessiert sollte das gelesen haben bevor er investiert.
Trotzdem: Zwei Jahre sind besser als nichts. Und die Unterschiede zwischen den vier Produkten sind aufschlussreich.
Die vier Kandidaten kurz vorgestellt
iShares World Equity High Income ETF (WINC, A40121)
Der jüngste im Feld, aufgelegt März 2024. Kein klassischer CC-ETF im eigentlichen Sinne. BlackRock kombiniert hier aktives Stockpicking mit einem Derivate-Overlay aus Futures und Index-Optionen. Das Ziel: Hohe Ausschüttungen bei niedrigerer Volatilität als ein klassischer Aktien-ETF. Mit 386 Positionen aus Industrieländern weltweit und quartalsweiser Ausschüttung ist er der defensivste und zugleich vielseitigste der vier.
JPMorgan Global Equity Premium Income Active UCITS ETF (JEPG, A3EHRE)
Aufgelegt November 2023. Aktiv gemanagt von JPMorgan Asset Management, einem der größten Asset Manager der Welt. Der ETF folgt einem Value-Ansatz, sucht gezielt unterbewertete Unternehmen und legt einen Covered-Call-Overlay obendrauf. 245 Positionen, monatliche Ausschüttung. Mit 1,2 Milliarden Euro Fondsvolumen das schwergewichtigste Produkt im Vergleich.
Global X S&P 500 Covered Call UCITS ETF (XYLU, A3DC8Q)
Aufgelegt Juli 2023. Passiv, regelbasiert, ohne aktives Management. Der ETF bildet den S&P 500 ab und verkauft monatlich at-the-money Call-Optionen auf 100% des Portfolios. Das bedeutet: maximale Prämie, aber kein Upside wenn der Markt steigt. Synthetische Replikation via Swap. 504 Positionen.
Global X Nasdaq 100 Covered Call UCITS ETF (QYLD, A2QR39)
Der Älteste im Vergleich, UCITS-Version aufgelegt November 2022. Gleiche Strategie wie XYLU aber auf dem Nasdaq 100 als Basis. Technologie dominiert mit rund 60% Sektoranteil. Das macht ihn zur einzigen einfachen Möglichkeit für Dividendeninvestoren nennenswerten Cashflow aus dem Tech-Sektor zu generieren. Monatliche Ausschüttung, ebenfalls ATM und synthetisch.
← Tabelle scrollbar →
| ETF | TER | Verwaltung | Underlying | Optionsstil | Ausschüttung | Domizil |
|---|---|---|---|---|---|---|
| WINC | 0,35% | Aktiv | Global (Industrieländer) | Index Call-Overlay + Futures * | Quartalsweise | Irland |
| JEPG | 0,35% | Aktiv | Global (Industrieländer) | OTM | Monatlich | Irland |
| XYLU | 0,45% | Passiv / regelbasiert | S&P 500 (USA) | ATM, 100% | Monatlich | Irland |
| QYLD | 0,45% | Passiv / regelbasiert | Nasdaq 100 (Tech) | ATM, 100% | Monatlich | Irland |
← Tabelle scrollbar →
| ETF | Kurs seit Auflage | Div-Rendite aktuell | Div-Wachstum | CAGR (Total Return) |
|---|---|---|---|---|
| WINC | +10,99% | ~9,3–10% | +53% (1J)** | 14,48% |
| JEPG | -5,14% | ~8,2% | +27% (1J)** | 5,38% |
| XYLU | +0,07% | ~10–11% | +32,78% (2J)** | 10,35% |
| QYLD | +1,30% | ~11,6–12% | +2,88% (2J) | 12,24% |
* Die genaue Options-Strategie des WINC wird von BlackRock nicht öffentlich spezifiziert. Der ETF nutzt einen Index Call-Overlay kombiniert mit Futures, kein klassischer ATM oder OTM Ansatz.
** Wachstumsraten über kurze Zeiträume verzerren das Bild stark und haben wenig Aussagekraft. Quelle: Divvydiary. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was die Zahlen bedeuten und was sie nicht bedeuten
Bevor wir den Gewinner küren ein wichtiger Hinweis zu den Dividendenwachstumsraten. WINC zeigt 53% Wachstum in einem Jahr. Das klingt beeindruckend, ist aber zu einem großen Teil ein Artefakt des kurzen Betrachtungszeitraums. Ein ETF der im ersten Jahr niedrige Ausschüttungen zahlt und im zweiten Jahr etwas höhere kommt schnell auf solche Wachstumsraten. Das wird sich normalisieren. Diese Zahl sagt wenig über die Zukunft aus.
Ähnliches gilt für JEPG mit 27%. Auch hier: Nicht zu viel hineinlesen.
Was hingegen aussagekräftiger ist: der CAGR, also die jährliche Gesamtrendite wenn alle Ausschüttungen reinvestiert werden. Das ist die ehrlichste Zahl im Vergleich.
ATM vs. OTM: Der entscheidende Strategieunterschied
XYLU und QYLD verkaufen ihre Call-Optionen at-the-money, also direkt am aktuellen Kursniveau. Das maximiert die Prämie, bedeutet aber auch: Steigt der Markt, nimmt der ETF diesen Anstieg nicht mit. Das Upside ist zu 100% gekappt. Deshalb zeigen beide ETFs seit Auflage praktisch kein Kurswachstum.
JEPG und WINC arbeiten mit out-of-the-money Optionen, der Markt darf also noch etwas steigen bevor die Options ausgeübt werden. Das erklärt warum beide Kurswachstum zeigen, WINC sogar deutlich. Der Preis: etwas niedrigere Prämien und damit etwas niedrigere Ausschüttungsrenditen als bei ATM-Strategien.
S&P 500 und Nasdaq: Sektorwette oder globale Diversifikation?
XYLU und QYLD setzen auf US-Indizes. Das klingt nach Klumpenrisiko, ist aber differenzierter als es wirkt. Die Unternehmen im S&P 500 und Nasdaq 100 erzielen einen Großteil ihrer Umsätze global. Apple verkauft weltweit, Microsoft auch, Amazon ebenfalls. Trotzdem: Eine Konzentration auf US-Unternehmen und damit auf US-regulatorische und wirtschaftliche Risiken bleibt. JEPG und WINC sind breiter aufgestellt mit echten globalen Portfolios.
Der Gewinner und warum
Nach zwei Jahren ist der WINC der klare Outperformer. Kurswachstum von fast 11%, CAGR von über 14%, steigendes Dividendenwachstum. Kein anderer CC-ETF kommt auch nur annähernd an diese Zahlen heran.
Aber hier kommt das ehrliche Aber: WINC ist kein klassischer CC-ETF. Er ist ein aktiv gemanagtes Produkt mit einer komplexen Derivatestrategie die man verstanden haben sollte bevor man investiert. Und zwei Jahre sind kein Beweis für eine überlegene Strategie. Sie sind ein Indiz.
Ich halte WINC selbst in meinem Portfolio und bin nach zwei Jahren vorsichtig optimistisch. Den JEPG halte ich ebenfalls, im Community Depot, und gebe ihm mehr Zeit. Der Value-Bias hat in einem von Growth und KI dominierten Markt strukturell schlechter abgeschnitten. Das kann sich drehen.
Die Global X Produkte XYLU und QYLD sind transparenter, einfacher zu verstehen und liefern verlässlichen monatlichen Cashflow. Wer weiß was er kauft und Cashflow über Kurswachstum stellt findet dort solide Produkte. Wer langfristig Vermögen aufbauen will ist mit einem klassischen Welt-ETF besser bedient.
Zu all diesen ETFs und vielen weiteren findest du hier ausführliche Analysen.
Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.
Keine Anlageberatung. Keine Handlungsempfehlung. Alle Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr. Das ist meine persönliche Meinung.
Welcher ist der beste Covered Call ETF für europäische Anleger?
Nach zwei Jahren Track Record ist der iShares World Equity High Income ETF (WINC) der stärkste Performer mit einem CAGR von 14,48% und knapp 11% Kurswachstum seit Auflage. Wichtig: Zwei Jahre sind kein ausreichender Zeitraum für eine abschließende Bewertung. Kein einziger UCITS CC-ETF hat bisher einen echten Bärenmarkt durchlebt.
Was ist der Unterschied zwischen ATM und OTM Covered Call ETFs?
ATM bedeutet at-the-money: Die Call-Optionen werden direkt am aktuellen Kursniveau verkauft. Das maximiert die Prämie, kappt aber das gesamte Upside. OTM bedeutet out-of-the-money: Der Markt darf noch etwas steigen bevor die Optionen greifen. Das lässt etwas Kurswachstum zu, liefert aber etwas niedrigere Prämien. XYLU und QYLD arbeiten ATM, WINC und JEPG OTM.
Sind Covered Call ETFs für den Vermögensaufbau geeignet?
Nur bedingt. CC-ETFs tauschen Kurspotenzial gegen laufenden Cashflow. Wer langfristig Vermögen aufbauen will ist mit einem klassischen thesaurierenden Welt-ETF in der Regel besser bedient. CC-ETFs machen am meisten Sinn wenn bereits ein Vermögen vorhanden ist das in regelmäßigen Cashflow umgewandelt werden soll.
Warum hat der JEPG trotz Kursverlust noch eine Chance?
Der JEPG verfolgt einen Value-Ansatz und gewichtet unterbewertete Unternehmen stärker. In einem Markt der von Wachstums- und KI-Titeln dominiert wurde hat das strukturell schlechter abgeschnitten. Marktphasen drehen sich. Dazu kommt der starke Euro gegenüber dem Dollar der die Performance für europäische Anleger zusätzlich gedrückt hat. Zwei Jahre sind zu wenig um eine aktive Strategie abschließend zu beurteilen.