iShares World Equity High Income ETF: Der WINC ETF ist jetzt zwei Jahre am Markt – und das ist bereits das dritte Mal dass ich ihn mir genauer anschaue. Beim ersten Video war er gerade frisch aufgelegt, kaum ein halbes Jahr alt. Beim Ein-Jahres-Update war ich ehrlich gesagt etwas ernüchtert – der Kurs hatte kurz zuvor etwas einstecken müssen und wir standen fast genau auf Einstiegsniveau. Heute – nach zwei Jahren – schauen wir uns an was seitdem passiert ist. Und ich muss etwas korrigieren.

Was ist der WINC ETF – kurze Auffrischung

Der iShares World Equity High Income ETF – kurz WINC – investiert in Unternehmen aus Industrieländern weltweit. Auf den ersten Blick klingt das nach einem gewöhnlichen MSCI World. Ist es aber nicht.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Titelauswahl und der Ertragsstrategie. Die Aktienauswahl erfolgt anhand mathematischer und statistischer Prognosemodelle – kein passives Index-Tracking sondern aktives Management mit quantitativem Ansatz. Dazu kommen zusätzliche Erträge durch den Einsatz von Call-Optionen und Futures auf große und mittlere Aktienindizes.

Das Anlageziel lautet offiziell: Erträge und Kapitalwachstum bei geringerer Volatilität als klassische Aktien aus Industrieländern. Nach zwei Jahren können wir erstmals beginnen zu beurteilen ob das aufgeht – aber auch hier gilt: der Zeitraum ist noch immer jung. Dazu später mehr.

Die Eckdaten:

Das Wachstum des Fondsvermögens von 20 auf über 270 Millionen Euro in zwei Jahren zeigt das Interesse der Anleger an diesem Produkt. Das ist kein schlechtes Zeichen.

Die Zusammensetzung – was steckt wirklich drin?

Schauen wir uns die aktuelle Zusammensetzung an. Alle Daten stammen von JustETF, Stand April 2026.

Länderverteilung: USA dominieren mit 64,29% – gefolgt von Japan mit 6,55%, Frankreich mit 3,16% und Deutschland mit 2,04%. Der Rest verteilt sich auf weitere Länder.

Wer einen Dividenden-ETF mit geringerer USA-Gewichtung erwartet wird hier überrascht. Die USA-Lastigkeit ähnelt dem klassischen MSCI World – das ist kein Zufall sondern Ergebnis der modellbasierten Auswahl.

Sektoren: Technologie führt mit 22,93% – für einen Dividenden-ETF ungewöhnlich aber durch die quantitative Titelauswahl erklärbar. Dahinter Finanzen mit 14,19%, Telekommunikation mit 10,21% und Gesundheitswesen mit 10,19%.

Top 10 Holdings – Stand April 2026: NVIDIA ist mit 4,67% die größte Einzelposition. Dann folgt eine Cash-Position – INSL CASH – mit 4,06%. Apple mit 3,99%, Microsoft mit 3,15%, Alphabet A mit 2,02%, Amazon mit 1,98%, Alphabet C mit 1,80%, Broadcom mit 1,28%, Procter & Gamble mit 1,23% und Costco mit 1,21%.

Die Top 10 machen zusammen 25,39% des ETFs aus – bei 386 Positionen insgesamt.

Was sofort auffällt: NVIDIA als größte Position in einem Dividenden-ETF. NVIDIA zahlt zwar eine Dividende – aber klassisch ist das nicht. Die modellbasierte Auswahl folgt eben eigenen Kriterien und nicht dem was wir als typische Dividendenwerte kennen. Das Portfolio kann sich jederzeit ändern – das ist bei einem aktiv gemanagten Produkt ausdrücklich so vorgesehen.

Die Cash-Position – was steckt dahinter?

Die knapp vier Prozent Cash sind keine brachliegenden Mittel. Das sind sogenannte Cash Collaterals und Margins – Sicherheitsleistungen die für die Derivategeschäfte hinterlegt werden müssen. Wer Call-Optionen schreibt und Futures einsetzt muss Sicherheiten vorhalten. Diese Gelder selbst generieren keine direkte Rendite sondern ermöglichen erst die Optionsstrategie die die hohen Ausschüttungen produziert. Im ersten Video bin ich darauf ausführlicher eingegangen – Link in der Bio.

Call-Optionen und Futures – das Herzstück der Strategie:

Der ETF nutzt Call-Optionen auf Large- und Midcap-Indizes sowie Futures. Call-Optionen werden verkauft um Prämien einzunehmen – das ist die Covered-Call-Komponente. Futures werden genutzt um zusätzliche Erträge zu erzielen und das Risiko zu steuern.

Wer hier investiert sollte diese Mechanismen verstanden haben. Das ist kein einfacher ETF der einen Index abbildet. Das ist ein aktiv gemanagtes Produkt mit einer komplexen Strategie – und das spiegelt sich auch im Kursprofil wider. Neben Aktien enthält der ETF auch verschiedene Währungen – Euro, Britische Pfund, Japanische Yen, Australische Dollar, Singapur Dollar und weitere – sowie Optionen, Futures und Geldmarktinstrumente. Eine Kombination verschiedener Werkzeuge um Cashflow zu generieren und Volatilität zu reduzieren.

Die Performance – was hat der ETF tatsächlich geliefert?

Kommen wir zum entscheidenden Teil. Was hat der ETF nach zwei Jahren geliefert?

Beim Ein-Jahres-Update – Video Nummer zwei – stand der Kurs fast genau auf Einstiegsniveau und die Dividendenrendite lag bei 5,8%. Mein Fazit damals war nüchtern. Was ich damals nicht ausreichend betont hatte: Ein Jahr ist für eine Beurteilung dieser Strategie schlicht zu wenig. Das sage ich auch heute über zwei Jahre – der Zeitraum ist noch immer jung. Kein Bärenmarkt, keine längere Seitwärtsphase, keine Zinswende in voller Konsequenz. Aber die Richtung stimmt.

Kursentwicklung: Seit Auflage rund 6% Kurswachstum. Kein spektakulärer Anstieg – aber das ist auch nicht das primäre Ziel des ETFs.

Dividendenentwicklung: Hier liegt die eigentliche Stärke. Die Dividende ist seit Auflage um rund 61% gewachsen – von anfänglich knapp 6% auf heute rund 9,3 bis 10% Rendite je nach Börsenplatz und Berechnungsmethode. Das Dividendenwachstum im letzten Jahr allein lag bei rund 24 bis 28%.

Gesamtrendite: Wer bei Auflage 10.000 Euro investiert und alle Dividenden reinvestiert hätte erzielt heute einen Kursgewinn von über 600 Euro und hätte dabei Dividenden von mehr als 1.900 Euro erhalten – Gesamtwachstum rund 11,6%. In US-Dollar war die Gesamtrendite aufgrund der Währungsentwicklung noch etwas höher – für Euro-Anleger aber weniger relevant.

Volatilität und Drawdown: Das Anlageziel einer geringeren Volatilität scheint bisher aufzugehen – Drawdown und Schwankungsbreite lagen unter vergleichbaren All-World-Indizes. Aber zwei Jahre sind kein aussagekräftiger Zeitraum. Die Strategie muss sich noch durch verschiedene Marktphasen beweisen. Daran halte ich fest.

Für wen ist der WINC ETF geeignet – und für wen nicht?

Das sollte man klar sagen.

Wer einen einfachen ETF-Sparplan aufsetzen will greift besser zu einem klassischen MSCI World oder FTSE All World. Keine Komplexität, niedrige Kosten, breite Diversifikation – fertig.

Der WINC richtet sich an Anleger die aktiv Cashflow aus ihrem Portfolio wollen und verstehen womit sie es zu tun haben. Die Optionsstrategie ermöglicht die hohen Ausschüttungen – aber sie macht den ETF auch zu einem anderen Tier als ein klassischer Dividenden-ETF. Wer blind auf die fast 10% Rendite schaut ohne die Mechanismen zu kennen macht einen Fehler.

Ich halte den ETF weiterhin in meinem privaten Portfolio und überlege bei passender Gelegenheit aufzustocken. Nach zwei Jahren bin ich nicht mehr ernüchtert – ich bin vorsichtig optimistisch. Mein Blick Richtung Horizont bleibt Bullish.

Wie ist deine Meinung? Bist du investiert und zufrieden? Schreib es in die Kommentare.


Keine Anlageberatung, keine Handlungsempfehlung. Alle Inhalte spiegeln meine persönliche Meinung wider. Du triffst Anlageentscheidungen eigenständig und eigenverantwortlich. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden.

Quellen (Stand: 17. April 2026)

Ausschüttend: iShares World Equity High Income Active UCITS ETF USD (Dist) ISIN: IE000KJPDY61 | WKN: A40121

Thesaurierend: iShares World Equity High Income Active UCITS ETF USD (Acc) ISIN: IE0000P0RPE6 | WKN: A40122

iShares – Offizielle Produktseite WINC ishares.com – Suche: WINC

JustETF – Zusammensetzung, Kennzahlen, Sektoren (Zugriff: 17.04.2026) justetf.com/de/etf-profile.html?isin=IE000KJPDY61

ExtraETF – Zusammensetzung und Länderverteilung extraetf.com/de/etf-profile/IE000KJPDY61

DivvyDiary – Dividendenhistorie und Rendite (Zugriff: 17.04.2026) divvydiary.com/de/ishares-world-equity-high-income-active-ucits-usd-etf-IE000KJPDY61

StockAnalysis – Performance und Dividendenwachstum stockanalysis.com/quote/etr/WINC