
Der S&P 500 gehört zu den bekanntesten Indizes der Welt – 500 der größten US-Unternehmen, über Jahrzehnte eine der besten Renditen die ein Investor erzielen konnte. Was wenn man diesen Index als Basis nimmt und zusätzlich jeden Monat Cashflow generiert? Genau das ist die Idee hinter dem Global X S&P 500 Covered Call UCITS ETF. Was dabei auf der Strecke bleibt schauen wir uns ehrlich an.
Alles Folgende ist keine Anlageberatung sondern nur meine persönliche Meinung. Alle Angaben ohne Gewähr.
Global X S&P 500 Covered Call ETF – Was macht dieser ETF?
Der Global X S&P 500 Covered Call UCITS ETF bildet den Cboe S&P 500 BuyWrite 15% WHT Index nach. Das ist ein Buy-Write-Index der den S&P 500 als Basiswert nutzt und gleichzeitig monatlich Call-Optionen auf diesen Index verkauft. Die eingenommenen Optionsprämien werden monatlich ausgeschüttet.
Im Gegensatz zum zuvor besprochenen JEPG trifft hier kein Fondsmanager aktive Entscheidungen. Der ETF folgt stur einem regelbasierten Index – automatisch, ohne Ermessensspielraum.
→ So funktionieren CC ETFs – Covered Call ETFs erklärt
Die Eckdaten (Stand: April 2026)
- ISIN: IE0002L5QB31 | WKN: A3DC8Q | Ticker: XYLU
- Auflage: 11. Juli 2023 (UCITS-Version)
- Anbieter: Global X / Mirae Asset
- Domizil: Irland
- TER: 0,45%
- Replikation: Synthetisch via Swap
- Ausschüttung: Monatlich
- Ausschüttungsrendite: rund 8–11% (je nach Marktvolatilität)
- Fondsvermögen: rund 130–135 Millionen Euro
- Positionen: 504 (alle S&P 500 Aktien plus Indexoptionen)
- Volatilität (1 Jahr): rund 12%
- Maximum Drawdown (1 Jahr): rund -6%
Synthetische Replikation – was bedeutet das?
Der ETF kauft nicht direkt alle S&P 500 Aktien. Er schließt einen Swap-Vertrag mit einer Gegenpartei ab die sich verpflichtet die Indexrendite zu liefern. Das bringt ein Kontrahentenrisiko mit sich – in der Praxis durch UCITS-Regulierung und Sicherheitenhinterlegung begrenzt, aber real vorhanden.
Wichtig für die Transparenz: Manche Datenanbieter zeigen nur den Sicherheitenkorb des Swaps als Holdings an – das sind dann zum Beispiel nur 48 Positionen. Die echten 504 Indexbestandteile sind das was der ETF wirtschaftlich abbildet.
Zusammensetzung – nah am originalen S&P 500
Mit 504 Positionen und nahezu 100% USA-Anteil ist die Zusammensetzung dem echten S&P 500 sehr ähnlich. Die Top-Holdings sind Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Broadcom, Meta, Tesla und Berkshire Hathaway – exakt die bekannten Namen die man auch in einem normalen S&P-500-ETF findet.
Sektoren: Informationstechnologie 28%, Finanzen 17%, Gesundheit 14%, defensive Konsumgüter 13% – eine breite Streuung über alle wichtigen Branchen.
Die Ausschüttungen – real aber variabel
Die monatlichen Ausschüttungen sind das Herzstück dieses ETFs. Die Höhe schwankt erheblich weil sie direkt von der impliziten Marktvolatilität abhängt:
- 2024 wurden rund 1,36 USD je Anteil ausgeschüttet
- 2025 rund 1,63 USD – deutlich mehr durch höhere Volatilität
- Aktuelle Ausschüttungsrendite: rund 10–11%
Die Ausschüttungen sind real und verlässlich. Wer monatlichen Cashflow aus seinem Portfolio braucht bekommt ihn hier.
Der Trade-off – und warum man die Zahlen kennen muss
Hier wird es wichtig und ich will völlig transparent sein. Der US-amerikanische XYLD existiert seit Juni 2013 – über zwölf Jahre Track Record. Die Zahlen sind eindeutig:
XYLD reiner Kurs über 10 Jahre: -8,10% XYLD Total Return über 10 Jahre (inkl. Dividenden): +109%
S&P 500 Total Return gleicher Zeitraum: rund +220–250%
Das bedeutet: Selbst wer alle Dividenden des XYLD vollständig reinvestiert hat liegt nach zehn Jahren um rund 100-140 Prozentpunkte hinter einem normalen S&P 500 ETF. Die hohen monatlichen Ausschüttungen haben den strukturellen Kursverlust nicht kompensiert.
Was noch schwerer wiegt: Der reine Kurs hat über zehn Jahre ein Minus gemacht. Das Geld das monatlich ausgeschüttet wird kommt also nicht „zusätzlich“ – es ist zu einem erheblichen Teil eine kontinuierliche Rückgabe des eingesetzten Kapitals.
Das ist der ehrlichste Satz den man über diesen ETF sagen kann: Wer langfristig Vermögen aufbauen will ist mit einem normalen S&P 500 ETF klar besser bedient.
Auch die UCITS-Version seit Oktober 2023 zeigt dieses Bild bereits. Ein normaler S&P 500 ETF hat in diesem Zeitraum über 30% mehr Total Return erzielt.
Wann macht dieser ETF trotzdem Sinn?
Trotz dieser klaren Zahlen gibt es Situationen in denen der ETF seinen Platz hat – wenn man die Konsequenzen versteht.
Wer bereits ein ausreichend großes Vermögen aufgebaut hat und jetzt laufenden Cashflow braucht – zum Beispiel im Ruhestand oder als Ergänzung zu anderen Einkommensquellen – bekommt hier verlässliche monatliche Zahlungen. Der Kursverfall ist dann weniger relevant wenn das Ziel nicht mehr Wachstum sondern Einkommensgenerierung ist.
Wer den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro ausreizen will kommt durch die hohen monatlichen Ausschüttungen schnell ans Ziel.
Wer eine Seitwärtsphase am Markt erwartet kann mit diesem ETF stabiler durch diese Phase kommen als mit einem normalen Index-ETF.
Für alle anderen – und das ist die ehrliche Empfehlung – gilt: Ein normaler thesaurierender S&P 500 ETF ist langfristig die bessere Wahl.
Fazit
Der Global X S&P 500 Covered Call UCITS ETF ist kein schlechtes Produkt – aber man muss wissen was man kauft. Die monatlichen Ausschüttungen sind real, die Strategie ist transparent und der zugrundeliegende Index ist einer der solidesten der Welt.
Das Problem ist der Preis den man dafür zahlt. Über zehn Jahre hat das US-Original XYLD selbst mit reinvestierten Dividenden rund 100-140 Prozentpunkte weniger Gesamtrendite erzielt als ein normaler S&P 500 ETF. Der reine Kurs hat über diesen Zeitraum sogar ein Minus gemacht. Die hohen Ausschüttungen kompensieren das nicht – sie sind zu einem erheblichen Teil eine Rückgabe des eigenen Kapitals in kleinen monatlichen Scheiben.
Wer Vermögen aufbauen will kauft einen normalen S&P 500 ETF. Wer ein bestehendes Vermögen in laufenden Cashflow umwandeln will und die Konsequenzen kennt kann hier eine kleine Position in Betracht ziehen.
Ein Hinweis auf eine aktive Alternative
Wer einen S&P-500-fokussierten CC-ETF möchte aber aktives Management bevorzugt findet mit dem JPMorgan US Equity Premium Income Active UCITS ETF (ISIN: IE000U5MJOZ6, WKN: A40FFH) – dem „EU-JEPI“ – eine interessante Alternative. Er verfolgt einen ähnlichen Ansatz aber mit aktivem Fondsmanagement und gezielt ausgewählten Positionen statt dem starren Index-Folgen. Die ausführliche Analyse findest du hier.
Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageberatung. Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Entwicklungen. Kapitalanlagen bergen Risiken.
Quellen:
Global X S&P 500 Covered Call ETF (XYLD) Stock Price, News, Quote & History – Yahoo Finance
globalxetfs.eu „XYLU“ S&P 500 Covered Call UCITS ETF – Global X ETFs