Weekly World Equity Income UCITS ETF, Ticker WEEK, gerade mal seit dem 15. September 2026 am Markt und schon jetzt einer der meistdiskutierten neuen ETFs. Der erste ETF in Europa, der wöchentlich ausschüttet, 52 Mal im Jahr statt der üblichen vier oder zwölf. Ich hab mir Factsheet und Basisinformationsblatt genau angeschaut, und bevor wir zu den Details kommen, gleich vorweg meine wichtigste Botschaft: Wöchentlich ist nicht automatisch besser, das solltest du auf keinen Fall als alleiniges Kaufargument nehmen.

Was steckt dahinter

Der ETF investiert mindestens 80% seines Vermögens in ein Portfolio aus Aktien und aktienbezogenen Wertpapieren entwickelter globaler Märkte. Zusätzliche Erträge erzielt er über eine aktiv gemanagte Optionsstrategie, konkret Covered Calls und Covered Call Spreads, eingesetzt sowohl auf Einzeltitel im Portfolio als auch auf Aktienindizes entwickelter Märkte, wenn diese repräsentativ für die zugrunde liegenden Werte sind. Das Fondsmanagement hat dabei Ermessensspielraum, wie die Strategie je nach Marktlage gefahren wird, kein starres, automatisiertes Regelwerk.

Emittent ist HANetf II ICAV, aufgelegt in Irland, Portfoliomanager ist Tidal Investments LLC. HANetf selbst ist, wie du ja schon von den REX-ETFs kennst, eine White-Label-Plattform, HANetf entwickelt die Strategie nicht selbst, sondern verpackt sie UCITS-konform für den europäischen Markt.

Eckdaten – Weekly World Equity Income UCITS ETF


ISINIE000I50V6C7
WKNA42H8G
TickerWEEK
Auflegung15. September 2026
Börsenlisting16. September 2026 (Xetra, LSE)
DomizilIrland
EmittentHANetf II ICAV
PortfoliomanagerTidal Investments LLC
TER0,50 % p.a.
Gesamtkostenwirkung0,57 % p.a.
StrategieAktien + Covered Calls/Spreads
AusschüttungWöchentlich
Zielrenditeca. 8 % p.a. (nicht garantiert)
Risikoindikator (SRI)4 von 7
SFDR-EinstufungArtikel 6 (kein ESG-Fokus)
VerwahrstelleU.S. Bank Europe DAC

Quelle: HANetf Basisinformationsblatt & Factsheet, Stand September 2026. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.

Covered Call Spreads: Die kleine, aber wichtige Weiterentwicklung

Wie normale Covered-Call-ETFs grundsätzlich funktionieren, hab ich bereits in Covered-Call-ETFs einfach erklärt ausführlich beschrieben. Kurz zur Erinnerung: Der Fonds verkauft eine Kaufoption auf eine gehaltene Aktie, kassiert dafür sofort eine Prämie, verpflichtet sich im Gegenzug aber, die Aktie zu einem festgelegten Preis abzugeben, falls sie stark steigt. Man tauscht also einen Teil des Aufwärtspotenzials gegen laufende Prämieneinnahmen.

WEEK setzt zusätzlich auf sogenannte Covered Call Spreads, und der Unterschied lohnt sich zu verstehen. Dabei kauft der Fonds neben dem Verkauf des einen Calls noch eine zweite Kaufoption auf dieselbe Aktie, mit einem noch höheren Basispreis. Diese zweite Option kostet etwas von der eingenommenen Prämie, gibt dem Fonds dafür aber mehr Luft nach oben. Steigt die Aktie kräftig, darf der Fonds bis zu diesem zweiten, höheren Basispreis noch am Kursgewinn teilhaben, bevor die Deckelung endgültig greift.

Kurz gesagt: weniger sofortige Prämie als beim reinen Covered Call, dafür mehr Spielraum nach oben bei starken Kursanstiegen. Genau diese Flexibilität, situativ zwischen beiden Varianten zu wechseln, ist das, was WEEK laut eigenen Angaben aktiv steuert, je nachdem, wie das Fondsmanagement die aktuelle Marktlage einschätzt.

Zusammensetzung

Der ETF hält aktuell 187 Einzelpositionen, deutlich breiter gestreut, als man bei einem reinen „Tech-Wette“-Produkt vermuten würde. Bei den Ländern dominiert erwartbar die USA mit 78,09%, danach folgen Japan mit 6,84%, Großbritannien mit 3,48% und Frankreich mit 2,77%, insgesamt sind 13 Länder vertreten. Bei den Sektoren führt Informationstechnologie mit 34,24%, vor Finanzdienstleistungen mit 14,12% und Kommunikationsdienstleistungen mit 10,30%, verteilt über 11 Sektoren insgesamt.

Bei den größten Einzelpositionen fällt sofort auf, dass an erster Stelle gar keine Aktie steht, sondern der bereits erwähnte iShares Core Nikkei 225 ETF mit 6,78%, das ist der Baustein, der dem Fonds sein Japan-Exposure verschafft. Danach folgen die erwartbaren US-Tech-Schwergewichte, NVIDIA mit 5,98%, Apple mit 5,70%, Microsoft mit 4,46%, Amazon mit 2,98%, Alphabet in beiden Aktiengattungen zusammen rund 4,66%, Broadcom mit 2,10% und Meta mit 1,92%.

187 Positionen klingen erstmal nach solider Streuung, aber über ein Drittel des Portfolios steckt allein im Technologiesektor, und die Top-Werte sind praktisch deckungsgleich mit den aktuell am stärksten gehypten KI-Titeln am Markt. Die reine Positionsanzahl täuscht hier also ein Stück weit über die tatsächliche Konzentration hinweg.

ETF mit wöchentlicher Dividende

Das Ziel liegt laut Angaben bei rund 8% p.a., aktuell zeigt DivvyDiary eine indikative Forward-Rendite von etwa 7,86%. Rechnen wir das mal konkret durch, damit klar wird, worüber wir hier eigentlich sprechen. Bei einer Investition von 1.000€ und einer Zielrendite von 7,86% wären das rund 78,60€ pro Jahr, aufgeteilt auf 52 Wochen macht das etwa 1,51€ pro Woche, vor Kosten und Steuern. Bei einem typischen Sparplan von 200€ landest du bei etwa 30 Cent pro Woche. Das ist rechnerisch exakt dieselbe jährliche Ausschüttung, die du auch mit einem monatlich zahlenden Covered-Call-ETF bekommen würdest, nur eben in kleinere Häppchen zerlegt. Der psychologische Reiz von „jede Woche Geld“ ist verständlich, ändert aber nichts an der Gesamtsumme, die am Ende bei dir ankommt. Das mittlerweile üppige Angebot an monatlich ausschüttenden ETFs bietet dir dieselbe Grundidee, teils mit deutlich längerer Historie.

Die Kostenseite

TER 0,50%, zuzüglich geschätzter Transaktionskosten von 0,07%, macht laut KID eine jährliche Gesamtkostenwirkung von 0,57%. Keine Erfolgsgebühr, keine Ein- oder Ausstiegskosten.

Das Risiko, das man kennen sollte

Risikoklasse 4 von 7, damit im mittleren Bereich, deutlich niedriger als etwa der Calamos Autocallable ETF, den wir uns vor Kurzem angeschaut haben. Trotzdem ein wichtiger Warnhinweis direkt aus dem Basisinformationsblatt: Reichen die Erträge in einem Zeitraum nicht aus, um die angekündigten Ausschüttungen zu decken, können die Fondsverantwortlichen nach eigenem Ermessen entscheiden, die Zahlung aus dem Kapital selbst zu leisten. Das kann zu einem unmittelbaren Rückgang des Anteilspreises führen. Klassisches Return-of-Capital-Risiko, das du auch von den REX-ETFs und den US-amerikanischen YieldMax-artigen Produkten kennst.

Die im KID gezeigten Performance-Szenarien basieren übrigens nicht auf der eigenen, praktisch nicht existenten Historie des Fonds, sondern auf einem regulatorisch vorgeschriebenen Vergleichsmaßstab über die letzten 10 Jahre. Stressszenario minus 47,1% im ersten Jahr, optimistisches Szenario plus 53,8%. Diese Bandbreite zeigt vor allem eines: Die Schwankungsbreite ist erheblich, ganz unabhängig vom Marketing-Versprechen der verlässlichen Erträge.

Meine Einschätzung

Auf den ersten Blick ist das Konzept tatsächlich clever gebaut. Die Kombination aus breitem Aktien-Exposure, aktiv gemanagter Optionsstrategie und zusätzlichem Japan-Baustein wirkt durchdachter als ein reines Copy-Paste eines US-Produkts. Für Dividendeninvestoren, die wie ich eher auf klassische Ausschütter setzen, könnte das theoretisch ein Baustein sein, um gezielt Technologie-Exposure ins Depot zu holen, ähnlich wie wir das bei den REX-ETFs besprochen hatten.

Vorsicht ist trotzdem angebracht. Warren Buffett hat in diesem Jahr mehrfach vor übertriebener Risikobereitschaft gewarnt und Parallelen zur Dotcom-Blase gezogen, andere bekannte Investoren wie Howard Marks und Seth Klarman haben noch direkter vor einer KI-Blase gewarnt. Ein ETF, dessen Top-Holdings praktisch identisch mit den am stärksten gehypten KI-Werten sind, trägt dieses Konzentrationsrisiko in vollem Umfang mit, Optionsstrategie hin oder her.

Insgesamt bleibe ich hier bewusst neutral und beobachte erstmal. Das Produkt ist innovativ und auf den ersten Blick sauber konstruiert. Aber nur weil jetzt ein Produkt auf dem Markt ist, das wöchentlich ausschüttet, werde ich hier nichts überstürzen.

Philipp Schilke
Philipp Schilke
Mechaniker · Finanzanlagefachmann (IHK) · Gründer Bullish TV

Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.


Keine Anlage- oder Steuerberatung. Keine Handlungsempfehlung. Alle Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr. Das ist meine persönliche Meinung. Du triffst deine eigenen Entscheidungen. Kapitalanlagen bergen Risiken. Datenstand: 19.09.26

Quellen:
hanetf.com
divvydiary.com
boerse-online.de

Gibt es einen wöchentlich ausschüttenden ETF in Europa?

Ja, der Weekly World Equity Income UCITS ETF (WKN A42H8G, Ticker WEEK) ist seit September 2026 der erste und aktuell einzige ETF in Europa, der wöchentlich ausschüttet. Er kombiniert ein global gestreutes Aktienportfolio mit einer aktiv gemanagten Covered-Call-Strategie, um die häufigen Ausschüttungen zu ermöglichen.

Welcher ETF schüttet am häufigsten aus?

Aktuell ist WEEK der ETF mit der höchsten Ausschüttungsfrequenz am europäischen Markt, mit 52 Ausschüttungen pro Jahr statt der bei den meisten Dividenden- und Covered-Call-ETFs üblichen vier (quartalsweise) oder zwölf (monatlich). In den USA gibt es bereits eine größere Auswahl an wöchentlich zahlenden Produkten, für europäische Anleger ohne US-Broker war das bislang aber nicht zugänglich.

Sind wöchentliche Ausschüttungen bei ETFs überhaupt sinnvoll?

Die Ausschüttungshäufigkeit allein sollte kein Kaufkriterium sein. Rechnerisch macht es keinen Unterschied, ob dieselbe Jahresrendite in 52 kleinen oder 12 etwas größeren Portionen ausgezahlt wird, am Ende landet derselbe Betrag bei dir. Wer auf regelmäßige Erträge aus Covered-Call-Strategien setzen möchte, findet mittlerweile eine breite Auswahl an monatlich ausschüttenden ETFs mit deutlich längerer Historie, aus denen sich theoretisch auch ein eigenes, gestaffeltes Portfolio mit mehreren Zahlungsterminen zusammenstellen lässt. Wichtiger als der Rhythmus sind Faktoren wie die zugrunde liegende Strategie, die Kostenstruktur und wie der Fonds mit Marktphasen umgeht, in denen die Optionsprämien nicht ausreichen.