
Calamos Autocallable Income UCITS ETF, so nennt sich ein Produkt, das es in dieser Form vorher schlicht nicht gab. Der laut eigenen Angaben weltweit erste UCITS-ETF auf Autocallable Notes, aufgelegt am 23. April 2026 in Irland. Ein Coupon von aktuell rund 14% klingt erstmal beeindruckend. Ich hab mir die Original-Fondsdokumente und die aktuellen Holdings angeschaut, und was dabei auffällt, sollte jeder kennen, der über dieses Produkt nachdenkt.
Was ist eine Autocallable Note?
Eine Autocallable Note ist ein strukturiertes Produkt, das an die Entwicklung eines Basiswerts gekoppelt ist, hier US-Large-Cap-Aktien in Form von E-Mini-S&P-500-Futures. Die Note zahlt einen festen, hohen Coupon, solange der Basiswert an bestimmten Beobachtungstagen über einer festgelegten Schwelle bleibt, der sogenannten Coupon-Barriere. Erreicht oder überschreitet der Basiswert eine weitere, höhere Schwelle, die Autocallable-Barriere, wird die Note automatisch vorzeitig zurückgerufen. Anleger bekommen Kapital plus aufgelaufene Coupons zurück, fertig. Fällt der Kurs dagegen unter eine untere Schutzschwelle, die Maturity-Barriere, am Ende der Laufzeit, trägt der Anleger den vollen negativen Effekt seit dem ursprünglichen Einstiegsniveau dieser Note.
Der hohe Coupon ist im Kern eine Optionsprämie. Man kassiert einen planbaren, hohen laufenden Ertrag dafür, dass man bereit ist, bei einem stärkeren, anhaltenden Kursrückgang das Verlustrisiko zu tragen.
Wie der ETF das umsetzt
Statt eine einzelne Note zu halten, was ein enormes Timing- und Konzentrationsrisiko wäre, bildet der Fonds über den MerQube US Large-Cap Vol Advantage Autocallable Index ein leiterartiges („laddered“) Portfolio aus 52 bis 260 einzelnen Autocallables mit gestaffelten Einstiegspunkten ab. Läuft eine Note aus oder wird vorzeitig zurückgerufen, wird sie automatisch durch eine neue ersetzt, wöchentlich neu gerollt. Das soll das Risiko eines einzelnen, ungünstigen Einstiegszeitpunkts abfedern.
Wo die eigentliche Konstruktion steckt
Ich hab mir die aktuellen Fondsbestände direkt angeschaut, und hier wird die Struktur erst richtig greifbar. Der Fonds hält faktisch keine Aktien. Rund 99,94% des Nettovermögens laufen über einen einzigen Total Return Swap mit J.P. Morgan als Gegenpartei. Der Fonds bekommt darüber die Rendite des MerQube-Index, zahlt im Gegenzug einen Zinssatz auf Basis von SOFR plus 10 Basispunkte an J.P. Morgan. Der Rest des Fondsvermögens, gut 80%, steckt in ganz normalen kurzlaufenden US-Staatsanleihen (T-Bills), die als Sicherheiten für dieses Swap-Geschäft dienen.
Im Klartext: Der ETF selbst hält im Kern Staatsanleihen und Cash. Das komplette Marktrisiko, also die Chance auf den hohen Coupon genauso wie das Verlustrisiko, kommt zu fast 100% synthetisch über den Swap mit einer einzigen Bank als Gegenpartei. Das bringt neben dem Marktrisiko auch ein gewisses Kontrahentenrisiko mit ins Spiel, auch wenn Swap-Geschäfte bei UCITS-Fonds regulatorisch auf maximal 10% des Fondsvermögens begrenzt sind.
Eckdaten – Calamos Autocallable Income UCITS ETF
| ISIN (USD Dist) | IE000ZDPZL69 |
| WKN | A42720 |
| Auflegung | 23. April 2026 |
| Domizil | Irland |
| Fondsstruktur | Waystone ETF ICAV |
| Investment Advisor | Calamos Advisors LLC |
| Replikation | Synthetisch (Unfunded Swap) |
| Swap-Gegenpartei | J.P. Morgan |
| TER | 0,74 % p.a. |
| Ausschüttung | Monatlich |
| Index | MerQube US Large-Cap Vol Advantage Autocallable |
| Anzahl Autocallables | 52 – 260 (laddered) |
| Rebalancing | Wöchentlich |
| Risikoindikator (SRI) | 6 von 7 |
| SFDR-Einstufung | Artikel 6 (kein ESG-Fokus) |
| Empfohlener Anlagehorizont | Mind. 5 Jahre |
Quelle: Calamos KIID & Factsheet, Stand April 2026. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.
Die Risikoklasse, die aufhorchen lässt
Der Fonds ist offiziell in Risikoklasse 6 von 7 eingestuft. Zur Einordnung: Selbst die meisten Emerging-Markets-ETFs, die ja schon als vergleichsweise riskant gelten, liegen üblicherweise bei Risikoklasse 4 bis 5. Ein normaler MSCI-World-ETF bewegt sich meist bei 4. Klasse 6 erreichen sonst vor allem Hebelprodukte wie der Amumbo. Das ist also ein sehr deutliches Warnsignal, das man ernst nehmen sollte, bevor man sich vom hohen Coupon blenden lässt.
Das Basisinformationsblatt selbst benennt zusätzlich drei Risiken, die durch die reine Kennzahl nicht vollständig erfasst werden. Erstens das Contingent Income Risk, der Coupon ist nicht garantiert und fällt komplett aus, wenn der Index unter die Coupon-Barriere fällt. Zweitens das Early Redemption Risk, Notes können vorzeitig zurückgerufen werden, was bei gesunkenen Zinsen zur Reinvestition zu schlechteren Konditionen zwingt. Drittens das Barrier Risk, fällt der Index bei Fälligkeit einer einzelnen Note unter deren Maturity-Barriere, trägt der Anleger den vollen Verlust seit dem ursprünglichen Einstiegsniveau dieser konkreten Note, nicht nur seit dem eigenen Kaufzeitpunkt im ETF.
Eine wichtige Randnotiz
Im offiziellen Factsheet steht ausdrücklich, dass sich das Produkt an professionelle und sachkundige Anleger richtet, nicht an den klassischen Privatanleger als primäre Zielgruppe, auch wenn die UCITS-Struktur grundsätzlich jedem europäischen Privatanleger den Zugang ermöglicht. Das würde ich als weiteres Signal werten, hier genau hinzuschauen, bevor man investiert.
Meine Einschätzung
Ein Coupon von 14% klingt verlockend, keine Frage. Aber wer sich nur diese Zahl anschaut und die Struktur dahinter ignoriert, unterschätzt, was er sich damit ins Depot holt. Das ist im Kern eine hochkomplexe, synthetisch abgebildete Wette auf moderate bis leicht positive Seitwärtsbewegungen am US-Aktienmarkt, verpackt in einem einzigen Ticker, mit Risikoklasse 6 von 7 und mehreren Risikoarten, die eine einfache Kennzahl gar nicht vollständig abbilden kann.
Ich selbst nutze Covered-Call-ETFs und verstehe den Trade-off dahinter gut, man tauscht Aufwärtspotenzial gegen einen laufenden, hohen Ertrag, und trägt bei fallenden Kursen im Kern das Verlustrisiko der Aktien abzüglich der vereinnahmten Prämie. Der Autocallable-Ansatz hier ist aber nochmal eine ganz andere Hausnummer. Statt eines relativ linearen, gut nachvollziehbaren Auszahlungsprofils bekommst du ein sprunghaftes, pfadabhängiges Risiko über eine synthetische Swap-Konstruktion mit nur einer Gegenpartei. Deutlich komplexer, deutlich riskanter, und mit einer Historie von gerade mal ein paar Monaten schlicht noch nicht erprobt.
Für mich persönlich ist das kein Produkt, mit dem ich mich näher beschäftigen würde. Nicht weil die Konstruktion unseriös wäre, Calamos, J.P. Morgan und MerQube sind alles etablierte Namen, sondern weil mir die zusätzliche Komplexität und Intransparenz gegenüber meinen Covered-Call-Positionen einfach zu weit geht. Wer sich für strukturierte Produkte und aktives Risikomanagement interessiert und genau versteht, was Contingent Income und Barrier Risk in der Praxis bedeuten, für den mag das ein spannender Baustein sein. Für alle anderen würde ich sagen: Finger weg von der reinen 14%-Schlagzeile, und erst die Struktur verstehen, bevor überhaupt über eine Position nachgedacht wird.
Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.
Keine Anlage- oder Steuerberatung. Keine Handlungsempfehlung. Alle Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr. Das ist meine persönliche Meinung. Du triffst deine eigenen Entscheidungen. Kapitalanlagen bergen Risiken.
Quellen:
calamosglobal.com
justetf.com
calamos.com
Ist der Calamos Autocallable Income UCITS ETF sicher?
Nein, im Vergleich zu klassischen ETFs ist dieses Produkt als riskant einzustufen. Der Fonds ist offiziell in Risikoklasse 6 von 7 eingestuft, ein Wert, den selbst die meisten Emerging-Markets-ETFs nicht erreichen. Zusätzlich läuft die komplette Marktrisiko-Komponente synthetisch über einen Total Return Swap mit einer einzigen Gegenpartei, J.P. Morgan, statt über direkten Aktienbesitz. Das bringt neben dem Marktrisiko auch Kontrahenten-, Early-Redemption- und Barrier-Risiken mit sich, die eine einfache Risikokennzahl nicht vollständig abbildet.
Woher kommt die hohe Dividende beim Calamos Autocallable Income ETF?
Die hohe monatliche Ausschüttung stammt nicht aus klassischen Unternehmensdividenden, sondern aus Coupon-Zahlungen synthetischer Autocallable Notes. Diese Coupons sind im Kern eine Optionsprämie, der Anleger verzichtet auf einen Teil des Aufwärtspotenzials der zugrunde liegenden US-Aktien und trägt im Gegenzug ein erhöhtes Verlustrisiko bei stärkeren Kursrückgängen. Die Coupons werden nur gezahlt, solange der zugrunde liegende Index über einer festgelegten Schwelle bleibt, fällt er darunter, kann die Ausschüttung ganz ausfallen.