
Der US-amerikanische ETF-Markt ist der größte und liquideste der Welt. Produkte wie JEPI, SCHD, QYLD oder hunderte von Covered-Call-ETFs, BDC-ETFs und Closed-End-Funds existieren dort in einer Vielfalt die Europa schlicht nicht kennt. Und für Dividendenjäger ist genau dieser Markt besonders spannend – weil die interessantesten High-Yield-Strategien fast ausschließlich dort zu finden sind.
Das Problem: Seit 2018 können Privatanleger in der EU diese Produkte nicht mehr einfach kaufen. Eine EU-Richtlinie hat den Zugang faktisch versperrt.
Dieser Artikel erklärt warum das so ist – und welche Wege es trotzdem gibt.
Alles Folgende ist keine Anlageberatung sondern nur meine persönliche Meinung. Alle Angaben ohne Gewähr.
Warum überhaupt US-ETFs – was haben die die europäische Produkte nicht haben?
Bevor wir zu den Wegen kommen lohnt sich die Frage: Warum der Aufwand? Was kann ein US-ETF was ein europäischer UCITS-ETF nicht kann?
Günstigere Kostenstrukturen. US-ETFs sind oft günstiger als ihre europäischen Pendants. Der Vanguard Total World Stock ETF (VT) hat eine TER von 0,07% – das UCITS-Äquivalent VWRL kostet 0,22%. Über Jahrzehnte und große Summen ist das ein realer Renditeunterschied.
Höhere Liquidität. Der US-ETF-Markt hat ein vielfach höheres Handelsvolumen. Das bedeutet geringere Spreads und bessere Ausführungspreise besonders bei größeren Orders.
Transparenz bei Kosten. Ironischerweise sind US-ETFs in der Kostentransparenz oft besser als europäische – die SEC-Regulierung erzwingt eine sehr klare Offenlegung aller Kosten und Portfoliobestandteile.
Produktvielfalt die Europa schlicht nicht hat. Das ist der entscheidende Punkt für viele Anleger. In den USA gibt es Produktkategorien die in Europa gar nicht oder kaum existieren:
Covered-Call-ETFs – JEPI, JEPQ, QYLD, XYLD und viele weitere. Monatliche Ausschüttungen von 7-12% durch systematisches Schreiben von Call-Optionen. In Europa gibt es inzwischen erste Pendants – aber die Originale sind liquider, günstiger und haben eine längere Track-Record.
BDC-ETFs – Business Development Companies sind US-amerikanische Investmentvehikel die in mittelständische Unternehmen investieren und gesetzlich verpflichtet sind 90% ihrer Erträge auszuschütten. Dividendenrenditen von 8-12% sind keine Seltenheit. In Europa nicht verfügbar.
Closed-End-Funds (CEFs) – im Gegensatz zu offenen Fonds haben CEFs eine feste Anzahl Anteile und werden an der Börse gehandelt – oft mit Abschlag zum Nettoinventarwert. Das erzeugt Opportunitäten die offene Fonds nicht bieten. Besonders für Income-Investoren interessant.
High-Yield Anleihen-ETFs und Spezialstrategien – Senior Secured Loans, CLOs, Preferred Shares ETFs oder MLP-ETFs sind in Europa kaum verfügbar. Wer eine Anleihen- oder Einkommensstrategie mit echtem Ertragsfokus aufbauen will kommt am US-Markt kaum vorbei.
Das sind keine akademischen Überlegungen – das sind reale Produkte mit echtem monatlichem Cashflow die Dividendenjäger in Europa schlicht nicht kaufen können. Zumindest nicht ohne Umwege.
Es gibt vereinzelte Ausnahmen. Der iShares Listed Private Equity UCITS ETF ist in Europa regulär handelbar und enthält mit Ares Capital eine der bekanntesten BDCs überhaupt. Streng genommen ist es aber kein reiner BDC-ETF – er investiert breiter in börsennotierte Private-Equity-Gesellschaften. Einen echten UCITS-konformen BDC-ETF gibt es in Europa nicht. Auch einzelne Closed-End-Funds sind je nach Broker über eine deutsche WKN handelbar – aber das bleibt Flickwerk. Der US-Markt bietet in diesen Kategorien dutzende spezialisierte Produkte mit jahrelangem Track Record die in Europa schlicht keine Entsprechung haben.
Warum ist das so – MiFID II in zwei Minuten erklärt
Seit dem 3. Januar 2018 gilt in der EU die Richtlinie MiFID II. Sie verpflichtet Broker und Banken dazu vor jeder Transaktion ein sogenanntes Basisinformationsblatt – kurz KID – bereitzustellen. Dieses Dokument muss Risiken, Kosten und Eignung des Produkts erklären.
Das klingt vernünftig. Das Problem: US-amerikanische ETF-Anbieter erstellen diese Dokumente nicht. Warum auch – ihr Heimatmarkt ist der größte der Welt und sie sind nicht auf europäische Retailanleger angewiesen. Und es wird sich nichts ändern – der Aufwand für einen deutschen KID lohnt sich aus Sicht von Vanguard, BlackRock oder JPMorgan für den europäischen Privatkundenmarkt schlicht nicht.
Das Ergebnis: Jeder Broker der MiFID II unterliegt – also alle in der EU zugelassenen Broker – darf diese Produkte an Privatanleger nicht verkaufen. Nicht weil die Produkte schlechter wären. Sondern weil das Papier fehlt.
Manche nennen das Anlegerschutz. Andere nennen es Bevormundung. Die Meinung kann sich jeder selbst bilden.
US-ETFs in Deutschland kaufen: Weg 1: Depot außerhalb der EU
Der direkteste und transparenteste Weg. Broker außerhalb der EU unterliegen MiFID II nicht – und dürfen US-ETFs ohne Einschränkung handeln.
Swissquote ist für deutsche Anleger ohne Schweizer Wohnsitz aktuell die einzige realistische Option unter den Schweizer Online-Brokern. Die Plattform bietet uneingeschränkten Zugang zum US-Markt – JEPI, SCHD, CEFs, BDCs, alles handelbar.
Was es kostet: Mindestens rund 180 Schweizer Franken Fixkosten pro Jahr – Depotgebühren plus optionales Steuerdokument. Kein Sparplan für kleine Beträge. Für größere Depots vertretbar, für kleine Depots schwierig zu rechtfertigen.
Wichtig: Unbedingt auf swissquote.ch achten – nicht auf EU-Partnerseiten wie swissquote.de oder swissquote.eu. Diese unterliegen MiFID II und der gesamte Vorteil entfällt.
Eine ausführliche Erklärung zur Depoteröffnung, Kosten und steuerlichen Behandlung gibt es im Artikel Depot in der Schweiz eröffnen.
Weg 2: Professioneller Anlegerstatus
MiFID II gilt nur für Privatanleger – nicht für professionelle Kunden. Wer als professioneller Anleger eingestuft ist fällt nicht mehr unter den Privatkundenschutz und kann US-ETFs und andere nicht-UCITS-konforme Produkte handeln.
Die formalen Voraussetzungen laut MiFID II: Zwei von drei der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein.
Erstens mindestens 10 Transaktionen pro Quartal in den letzten vier Quartalen in signifikanter Größenordnung. Zweitens ein Wertpapierportfolio über 500.000 Euro. Drittens berufliche Erfahrung im Finanzsektor in einer Position die Kenntnisse über Finanzinstrumente voraussetzt.
In der Community ist es ein offenes Geheimnis dass viele Anleger diesen Status beantragen ohne alle Voraussetzungen formal zu erfüllen – weil die Prüfung durch den Broker oft sehr oberflächlich ist und es keine zentrale Kontrollstelle gibt. Das mag stimmen. Trotzdem rate ich klar davon ab falsche Angaben zu machen. Nicht weil die Konsequenzen wahrscheinlich sind – sondern weil die Verantwortung beim Anleger liegt. Wer als professioneller Anleger eingestuft ist verliert den gesetzlichen Anlegerschutz. Im Streitfall mit dem Broker steht man deutlich schlechter da. Jeder muss das für sich selbst abwägen.
Wer die Voraussetzungen ehrlich erfüllt kann den Antrag direkt beim Broker stellen. Dazu erscheint ein separater Artikel.
Weg 3: Optionen – der kreative Umweg
Technisch interessant aber für die meisten kein realistischer Alltags-Weg.
MiFID II verbietet den Kauf von US-ETFs ohne KID. Es verbietet aber nicht den Handel mit Optionen auf diese ETFs. Wer einen Short Put auf JEPI schreibt – also eine Verkaufsoption verkauft – kann sich den ETF bei Ausübung ins Depot einbuchen lassen. Das ist kein Kauf im klassischen Sinne sondern ein Erwerb durch ein Derivat.
Diese Methode funktioniert technisch. Sie setzt aber Optionskenntnisse, entsprechende Broker-Freischaltungen und ein Verständnis von Optionsstrategien voraus. Für aktive Trader mit Optionserfahrung eine interessante Möglichkeit – für den durchschnittlichen Dividendeninvestor kein praktikabler Einstieg.
Weg 4: Regionalbörsen Berlin und Düsseldorf
Ein wenig bekannter Weg der manchmal funktioniert. Einige US-ETFs haben von deutschen Börsenmaklen eine eigene WKN erhalten und werden an den Regionalbörsen Berlin oder Düsseldorf gehandelt. Die ISIN beginnt weiterhin mit US – aber es gibt eine deutsche WKN.
Das Problem: Nicht jeder Broker akzeptiert das. Und die Liquidität sowie Spreads an diesen Plätzen sind oft deutlich schlechter als am US-Heimatmarkt. Für einen einzelnen Kauf möglich – als Strategie für regelmäßige Investments nicht empfehlenswert.
Weg 5: Drittstaaten-Broker
Einzelne Broker außerhalb der EU nehmen deutsche Kunden an und ermöglichen den Kauf von US-ETFs. Freedom24 mit Sitz auf Zypern ist einer der bekanntesten dieser Anbieter.
Hier gilt: Regulatorische Situation genau prüfen, Gebührenstruktur verstehen und insbesondere auf Auszahlungsgebühren achten – diese können je nach Anbieter erheblich sein.
Die steuerliche Seite
US-ETFs unterliegen in Deutschland grundsätzlich der Abgeltungsteuer wie jede andere Kapitalanlage auch. Was sich unterscheidet ist die automatische Abwicklung.
Bei deutschen Brokern wird die Steuer automatisch abgeführt. Bei einem Schweizer Depot oder einem ausländischen Broker muss man die Erträge selbst in der Steuererklärung angeben – über Anlage KAP oder Anlage AUS.
Dazu kommt die US-Quellensteuer auf Dividenden. Ohne W-8BEN-Formular werden 30% einbehalten – mit ausgefülltem Formular reduziert sich das auf 15% dank des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und den USA. Swissquote als Qualified Intermediary vereinfacht diesen Prozess erheblich.
Ein weiterer Punkt: Die deutschen Teilfreistellungsregeln für Aktienfonds gelten nur wenn der Fonds die entsprechenden Daten beim WM Datenservice registriert hat. US-ETFs tun das in der Regel nicht – was die steuerliche Behandlung komplizierter macht. Im Zweifel einen Steuerberater mit Erfahrung im internationalen Bereich hinzuziehen.
Fazit
Das Schweizer Depot ist für die meisten der sauberste und transparenteste Weg – vorausgesetzt das Depot ist groß genug um die Fixkosten zu rechtfertigen. Wer die formalen Voraussetzungen für den professionellen Anlegerstatus ehrlich erfüllt hat eine einfachere Option. Optionen und Regionalbörsen sind Nischenlösungen für spezifische Situationen.
Was bleibt ist die grundlegende Frustration: Europäische Anleger sind von Produkten ausgesperrt die in den USA für jeden Retailinvestor zugänglich sind. Während wir über KID-Dokumente diskutieren investiert der amerikanische Rentensparer monatlich in JEPI.
Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageberatung. Die steuerliche Behandlung ist individuell – im Zweifel Steuerberater hinzuziehen. Regulatorische Anforderungen können sich ändern. Nur meine Meinung keine Empfehlung o.ä!
Warum kann ich JEPI, SCHD oder QYLD in Deutschland nicht kaufen?
Diese ETFs sind in den USA aufgelegt und haben keine EU-konforme Basisinformationsblätter (KID). Seit MiFID II 2018 dürfen EU-regulierte Broker solche Produkte an Privatanleger nicht verkaufen – unabhängig davon ob die Produkte gut oder schlecht sind. Das KID fehlt schlicht weil US-Anbieter es nicht erstellen.
Ist es legal als Deutscher US-ETFs zu kaufen?
Ja – das Halten und der Kauf von US-ETFs ist für deutsche Privatanleger nicht verboten. Das Verbot richtet sich an die Broker die keine KID-losen Produkte an Privatkunden verkaufen dürfen. Wer über ein Schweizer Depot oder als professioneller Anleger kauft bewegt sich im legalen Bereich.
Was ist der einfachste Weg für Deutsche an US-ETFs zu kommen?
Das Schweizer Depot bei Swissquote ist für die meisten der direkteste Weg. Swissquote unterliegt nicht MiFID II und ermöglicht uneingeschränkten Zugang zum US-Markt. Wichtig: Auf swissquote.ch gehen – nicht auf die EU-Partnerseiten.
Was sind Closed-End-Funds und was macht sie für Dividendenjäger interessant?
CEFs haben im Gegensatz zu offenen Fonds eine feste Anzahl Anteile und werden an der Börse gehandelt – oft mit Abschlag zum tatsächlichen Nettoinventarwert. Dieser Abschlag kann eine zusätzliche Renditequelle sein. Viele CEFs schütten monatlich aus und erzielen Renditen die klassische ETFs nicht bieten. In Europa nur teilweise verfügbar.
Kann ich als professioneller Anleger US-ETFs in Deutschland kaufen?
Ja – MiFID II gilt nur für Privatanleger. Professionelle Anleger sind von der KID-Pflicht ausgenommen. Die formalen Voraussetzungen sind ein Portfolio über 500.000 Euro, mindestens 10 Transaktionen pro Quartal über vier Quartale oder berufliche Erfahrung im Finanzbereich – zwei von drei müssen erfüllt sein.
Sind US-ETFs wirklich günstiger als europäische UCITS-ETFs?
Oft ja. Der Vanguard Total World Stock ETF (VT) hat eine TER von 0,07% – das europäische Pendant VWRL kostet 0,22%. Bei großen Depots und langen Anlagehorizonten ist das ein realer Renditeunterschied. Dazu kommt dass US-ETFs durch höheres Handelsvolumen in der Regel engere Spreads haben.
Wie werden US-ETFs in Deutschland steuerlich behandelt?
Grundsätzlich fällt Abgeltungsteuer an wie bei jedem anderen Wertpapier. Bei ausländischen Depots muss man die Erträge selbst in der Steuererklärung angeben. Auf US-Dividenden fällt Quellensteuer an – mit W-8BEN-Formular reduziert sich diese von 30% auf 15%. Die deutschen Teilfreistellungsregeln für Aktienfonds gelten bei US-ETFs oft nicht da diese nicht beim WM Datenservice registriert sind. Steuerberater empfehlenswert.
Was ist der Unterschied zwischen einem Covered-Call-ETF aus den USA und einem europäischen Pendant?
US-Originale wie JEPI oder QYLD haben deutlich länger Track Record, höheres Fondsvolumen und oft günstigere Kostenstrukturen. Europäische Pendants wie JEPE sind jünger und noch nicht durch verschiedene Marktphasen getestet. Beide Strategien funktionieren ähnlich – aber das Original hat mehr Daten die man analysieren kann.
Warum erstellen US-ETF-Anbieter keine europäischen KID-Dokumente?
Weil es sich für sie schlicht nicht lohnt. Der europäische Retailmarkt ist für Anbieter wie Vanguard, BlackRock oder JPMorgan im Verhältnis klein. Der Aufwand für mehrsprachige KIDs in allen EU-Sprachen steht in keinem Verhältnis zum möglichen Mehrumsatz aus Europa. Das wird sich voraussichtlich nicht ändern.