Wer in Deutschland investiert stößt früher oder später auf eine unsichtbare Wand. ETFs wie JEPI, SCHD oder QYLD – in den USA die beliebtesten Income-Produkte überhaupt – sind für Privatanleger in der EU faktisch nicht handelbar. Schuld ist MiFID II, eine EU-Richtlinie die seit 2018 vorschreibt dass für jedes Finanzprodukt ein sogenanntes Basisinformationsblatt – kurz KID – vorliegen muss. US-amerikanische ETF-Anbieter erstellen diese Dokumente nicht. Warum auch – ihr Heimatmarkt ist groß genug.

Das Ergebnis: Millionen europäischer Anleger sind von einem riesigen Teil des globalen Investmentmarkts ausgesperrt.

Ein Schweizer Depot ist für viele die eleganteste Lösung. Die Schweiz ist nicht Mitglied der EU – und unterliegt damit auch nicht MiFID II.

Kurzer Hinweis vorab: Es gibt andere Wege

Bevor wir einsteigen – ein Schweizer Depot ist nicht die einzige Option. Ein Konto oder Depot in der Schweiz zu eröffnen ist grundsätzlich auf verschiedenen Wegen möglich.

Klassische Schweizer Privatbanken und Vermögensverwalter – Häuser wie Julius Bär, Pictet, Lombard Odier oder UBS nehmen grundsätzlich auch deutsche Kunden an. Schwierig aber nicht unmöglich – und das ist der entscheidende Punkt. Was diese Banken in der Regel voraussetzen: ein erhebliches Anlagevermögen als Einstiegsschwelle. Je nach Haus liegt die Mindestanlage zwischen 250.000 und mehreren Millionen Franken. Dazu kommen Compliance-Anforderungen, persönliche Termine und teils physische Anwesenheit in der Schweiz. Wer das mitbringt bekommt dafür erstklassigen Service, diskrete Vermögensverwaltung und vollen Marktzugang. Für die meisten Privatanleger ist dieser Weg aber schlicht nicht der richtige Einstieg.

Professioneller Anlegerstatus – wer sich bei seinem deutschen Broker als professioneller Anleger einstufen lässt fällt nicht mehr unter den MiFID II Privatkundenschutz und kann US-ETFs handeln. Die formalen Voraussetzungen sind klar definiert. Dazu schreibe ich einen separaten Artikel.

Broker aus Drittstaaten – einzelne Anbieter wie Freedom24 mit Sitz auf Zypern ermöglichen den Kauf von US-ETFs. Regulatorische Situation und Gebührenstruktur sollte man sich genau anschauen.

Optionen – über Short Puts kann man sich US-ETFs theoretisch ins Depot einbuchen lassen. Das ist komplex und für die meisten Anleger kein praktikabler Weg.

Für alle die kein siebenstelliges Vermögen mitbringen und nicht den Umweg über komplexe Strategien gehen wollen ist das Schweizer Depot bei Swissquote der direkteste und transparenteste Weg.

Ist ein Schweizer Depot überhaupt legal?

Das war die erste Frage die ich mir gestellt habe – und die Antwort ist klar: Ja, vollkommen legal.

Es gibt kein deutsches Gesetz das verbietet ein Konto oder Depot im Ausland zu führen. Was es gibt sind Meldepflichten:

Ausländische Depots und Konten müssen beim deutschen Finanzamt angegeben werden – insbesondere wenn sie Zinsen, Dividenden oder Kapitalerträge abwerfen. Das passiert über die Anlage KAP oder Anlage AUS in der Steuererklärung.

Dazu kommt der internationale Common Reporting Standard (CRS). Deutschland und die Schweiz tauschen im Rahmen des automatischen Informationsaustauschs Steuerdaten aus. Das bedeutet: Das deutsche Finanzamt erfährt ohnehin von einem Schweizer Depot. Wer also auf Transparenz setzt und sein Depot ordentlich deklariert hat keinerlei Problem.

Was spricht gegen ein Schweizer Depot?

Ehrlichkeit zuerst – es gibt echte Nachteile:

Kosten. Ein Schweizer Depot ist deutlich teurer als ein deutsches. Depotführungsgebühren, Transaktionskosten, Gebühren für Steuerdokumente – das summiert sich. Dazu kommt die Schweizer Stempelsteuer, eine Transaktionssteuer die beim Kauf von Wertpapieren anfällt.

Steuererklärung. Der Aufwand steigt. Wer bisher eine einfache Steuererklärung hatte wird mit einem Auslandsdepot mehr Arbeit haben – oder höhere Kosten beim Steuerberater.

Währungsrisiko. Wer ein CHF-Konto führt ist dem Schweizer Franken ausgesetzt. Wer allerdings wie ich ohnehin ein gewisses Vertrauen in den Franken als stabile Währung hat betrachtet das eher als Feature.

Keine Sparpläne. Wer monatlich per Sparplan investieren will ist in der Schweiz schlecht aufgestellt. Das Angebot ist dünn, die Kosten pro Transaktion für kleine Beträge oft nicht rentabel.

Was spricht für ein Schweizer Depot?

Zugang zum US-Markt. Das ist der Hauptgrund. ETFs die in der EU nicht handelbar sind – JEPI, JEPQ, SCHD, QYLD und viele weitere – können über ein Schweizer Depot uneingeschränkt gehandelt werden. US-ETFs sind häufig günstiger als ihre europäischen Pendants und profitieren von günstigeren Kostenstrukturen. Langfristig kann das einen echten Renditeunterschied machen.

Diversifikation über den Euro-Raum hinaus. Mir gefällt der Gedanke einen Teil meines Vermögens außerhalb des Euro-Raums zu halten. Ein Schweizer Depot in Franken ist geografische und währungstechnische Diversifikation. Der Franken gilt seit Jahrzehnten als einer der stabilsten Werte weltweit.

Multiwährungskonto. Bei Swissquote erhält man Zugang zu den 27 meistgehandelten Währungen weltweit – das macht das Depot auch für alle interessant die international denken oder international leben.

Flaggentheorie* in der Praxis. Wer das Konzept kennt – verschiedene Lebensbereiche auf verschiedene Länder zu verteilen – findet hier eine sinnvolle Erweiterung für den Finanzbereich.

Welche Broker kommen in Frage?

Ohne Schweizer Wohnsitz – also für die meisten deutschen Anleger – war die Auswahl lange auf zwei Anbieter begrenzt.

Yuh – der Schweizer Neobroker hinter dem Swissquote steckt – war eine Option. Gebührenarm, einfach bedienbar, Sparpläne möglich. Allerdings mit begrenztem Angebot und ohne Qualified-Intermediary-Status was den Quellensteuerprozess für US-Produkte erschwert. Wichtiger aktueller Hinweis: Yuh nimmt derzeit keine Neukunden mit deutschem Wohnsitz mehr an. Die Kontoregistrierung ist nur noch für Wohnsitz in der Schweiz, Liechtenstein und Österreich möglich. Die Einschränkung wurde als vorübergehend kommuniziert – ob und wann sie aufgehoben wird ist offen. Yuh scheidet damit aktuell als Option aus.

Swissquote – das ist meine Wahl und nach aktuellem Stand die einzige realistische Option für deutsche Anleger ohne Schweizer Wohnsitz.

Depot in der Schweiz eröffnen: Swissquote – was steckt dahinter?

Swissquote ist eine 1996 gegründete Schweizer Online-Bank die auf Brokerage und digitale Finanzdienstleistungen spezialisiert ist. Reguliert wird sie von der FINMA – der Schweizer Finanzmarktaufsicht. Das ist keine kleine Neobank sondern ein etabliertes Schweizer Finanzinstitut mit solidem Track Record.

Was mich neben dem Produktangebot überzeugt hat: Swissquote agiert laut eigenem Kundenservice als Qualified Intermediary. Das vereinfacht den Quellensteuerprozess für US-Dividenden erheblich – wer JEPI oder SCHD hält und US-Quellensteuer zahlt will das korrekt abgewickelt haben.

Die Kosten bei Swissquote

Hier muss man ehrlich sein – günstig ist Swissquote nicht:

Die Depotgebühren richten sich nach der Depotgröße und betragen mindestens 20 Franken bis maximal 50 Franken pro Quartal. Dazu kommt eine optionale aber sinnvolle jährliche Gebühr von 100 Franken für das Steuerdokument das die Steuererklärung erheblich vereinfacht.

Das ergibt Fixkosten von mindestens rund 180 Franken pro Jahr – ohne Transaktionskosten. Das entspricht grob einem Volksbank- oder Sparkassen-Niveau.

Diese Kosten waren der Grund warum ich lange gezögert habe. Am Ende hat mich die Kombination aus Produktzugang, geografischer Diversifikation und der Infrastruktur einer echten Schweizer Bank überzeugt. Für kleine Depots sind diese Kosten allerdings schwer zu rechtfertigen – das Schweizer Depot lohnt sich erst ab einer gewissen Depotgröße wo die Fixkosten in Relation zur Gesamtrendite nicht mehr stark ins Gewicht fallen.

Die Kontoeröffnung

Der Anmeldeprozess bei Swissquote war unkompliziert und komplett digital über das Smartphone möglich. Benötigt werden:

Bei mir kam die Überweisung noch am selben Tag an – der Account war kurz darauf freigeschaltet. Kein Gang zur Filiale, keine komplizierten Formulare.

Wichtig bei der Anmeldung: Darauf achten dass man wirklich auf swissquote.ch landet – nicht auf einer der EU-Partnerseiten wie swissquote.de oder swissquote.eu. Diese EU-Versionen unterliegen MiFID II und bieten keinen Zugang zu US-ETFs. Der Vorteil eines Schweizer Depots entfällt damit komplett. Also immer direkt über die Schweizer Domain anmelden.

Steuerliche Behandlung

Ein wichtiger Punkt der oft vergessen wird: Deutsche Anleger müssen ihr Schweizer Depot in der Steuererklärung angeben. Das ist kein Problem – sondern Pflicht. Die Schweiz meldet die Daten ohnehin automatisch ans deutsche Finanzamt.

Kapitalerträge aus dem Schweizer Depot unterliegen der deutschen Abgeltungsteuer. Der entscheidende Unterschied zu einem deutschen Depot: Die Steuer wird nicht automatisch abgeführt – man muss sie selbst in der Steuererklärung angeben und abführen. Das optionale Steuerdokument von Swissquote für 100 Franken jährlich ist hier eine sinnvolle Investition die den Aufwand erheblich reduziert.

Übrigens: Wer primär ein Schweizer Bankkonto sucht – ohne den Fokus auf Wertpapiere und US-ETFs – findet dazu bald einen separaten Artikel auf diesem Blog. Die Anforderungen und Optionen unterscheiden sich teilweise von einem Depot und sind einen eigenen Blick wert.

Fazit

Ein Schweizer Depot ist kein Produkt für jeden. Wer monatlich 100 Euro per Sparplan anlegt und hauptsächlich einen MSCI World besparen will ist mit einem deutschen Broker besser bedient – geringere Kosten, geringerer Aufwand, gleiche Produkte verfügbar.

Wer aber Zugang zu US-ETFs und US-Income-Produkten sucht, sein Vermögen geografisch diversifizieren will und ein Depot mit einer gewissen Größe hat dem bietet ein Schweizer Depot bei Swissquote echten Mehrwert. Die Kombination aus uneingeschränktem Produktzugang, stabilem Franken und seriöser Regulierung ist das wert – wenn man bereit ist die höheren Kosten zu tragen und den etwas größeren Aufwand bei der Steuererklärung in Kauf zu nehmen.

Ich habe diesen Schritt gemacht und würde ihn wieder machen.


Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageberatung oder Handlungsempfehlung. Ich dokumentiere hier nur meine Gedanken und eigenen Erfahrungen. Du triffst eigene Entscheidungen und trägst die Konsequenzen deines Handelns. Einige Links sind Affiliate-Links (*). Die steuerliche Behandlung ist individuell – im Zweifel einen Steuerberater hinzuziehen. Konditionen und Verfügbarkeit können sich jederzeit ändern.

Darf man als Deutscher ein Depot in der Schweiz eröffnen?

Ja, vollkommen legal. Es gibt kein deutsches Gesetz das ein Auslandsdepot verbietet. Wichtig: Kapitalerträge aus dem Schweizer Depot müssen in der deutschen Steuererklärung angegeben werden – über Anlage KAP oder Anlage AUS. Die Schweiz meldet Kontodaten ohnehin automatisch ans deutsche Finanzamt (Common Reporting Standard).

Warum kann man US-ETFs in Deutschland nicht kaufen?

Seit 2018 schreibt MiFID II vor dass für jedes Finanzprodukt ein Basisinformationsblatt (KID) vorliegen muss. US-amerikanische ETF-Anbieter erstellen diese Dokumente nicht – ihr Heimatmarkt ist groß genug. Das Ergebnis: ETFs wie JEPI, SCHD oder QYLD sind für Privatanleger in der EU faktisch nicht handelbar.

Warum ist Swissquote die beste Option für Deutsche ohne Schweizer Wohnsitz?

Swissquote ist aktuell der einzige realistische Online-Broker für deutsche Anleger ohne Schweizer Wohnsitz der vollen Zugang zum US-Markt bietet. Yuh nimmt derzeit keine deutschen Neukunden an. Swissquote agiert zudem als Qualified Intermediary was den Quellensteuerprozess für US-Dividenden erheblich vereinfacht.

Was kostet ein Depot bei Swissquote für Deutsche?

Die Depotgebühren betragen mindestens 20 bis maximal 50 Schweizer Franken pro Quartal je nach Depotgröße. Dazu kommt eine optionale Jahresgebühr von 100 Franken für das Steuerdokument. Das ergibt Fixkosten von mindestens rund 180 Franken pro Jahr – ohne Transaktionskosten. Für kleine Depots fallen diese Kosten stärker ins Gewicht.

Nimmt Yuh noch deutsche Kunden an?

Aktuell nicht. Yuh hat die Kontoregistrierung auf Wohnsitz in der Schweiz, Liechtenstein und Österreich beschränkt. Die Einschränkung wurde als vorübergehend kommuniziert – ob und wann sie für deutsche Kunden aufgehoben wird ist offen.

Muss ich das Schweizer Depot in der deutschen Steuererklärung angeben?

Ja, zwingend. Ausländische Depots mit Kapitalerträgen müssen in der Steuererklärung angegeben werden. Die Schweiz tauscht Kontodaten automatisch mit deutschen Finanzbehörden aus. Wer das Depot korrekt deklariert hat keinerlei Problem – es ist legal und transparent.

Wie funktioniert die Quellensteuer bei US-ETFs im Schweizer Depot?

Swissquote agiert als Qualified Intermediary was bedeutet dass der Quellensteuerprozess für US-Dividenden vereinfacht abgewickelt wird. Über das W-8BEN Formular kann die US-Quellensteuer auf 15% reduziert werden. Ohne Qualified-Intermediary-Status müsste man sich selbst um die Rückerstattung kümmern – das ist aufwendig.

Lohnt sich ein Schweizer Depot für kleine Depots?

Eher nicht. Die Fixkosten von mindestens rund 180 Franken pro Jahr fallen bei kleinen Depots überproportional stark ins Gewicht. Ab einer gewissen Depotgröße – grob ab 50.000 Euro aufwärts – sind die Kosten in Relation zur Gesamtrendite vertretbar. Wer hauptsächlich einen ETF-Sparplan besparen will ist mit einem deutschen Broker besser bedient.

Kann ich US-ETFs aus dem Schweizer Depot nach Deutschland übertragen?

Technisch ist ein Depotübertrag möglich – aber der empfangende deutsche Broker muss die Position akzeptieren. Viele deutsche Broker nehmen nicht-MiFID-II-konforme Wertpapiere nicht ins Depot auf. Wer überträgt sollte sich außerdem die Anschaffungskosten von Swissquote schriftlich bestätigen lassen – sonst droht beim deutschen Finanzamt eine Besteuerung auf Basis von 0 Euro Einkaufspreis.

Gibt es Alternativen zum Schweizer Depot für US-ETFs?

Ja – klassische Schweizer Privatbanken wie Julius Bär oder Pictet nehmen grundsätzlich auch deutsche Kunden an, setzen aber erhebliche Mindestanlagen voraus. Weitere Optionen sind der professionelle Anlegerstatus beim deutschen Broker oder einzelne Drittstaaten-Broker. Dazu erscheinen separate Artikel auf diesem Blog.