Alles folgende ist keine Steuerberatung, sondern meine persönliche Meinung. Dieses Thema ist hochkomplex, unterliegt ständigen Änderungen und alle Angaben sind ohne Gewähr. Bitte konsultiere für deine individuelle Situation einen Steuerberater.

Viele Menschen wandern aus um Steuern zu sparen. Sie ziehen nach Paraguay, in die UAE oder nach Singapur – Länder ohne Kapitalertragssteuer – und freuen sich darauf endlich steuerfreie Dividenden zu kassieren. Dann kommt die erste Dividendenabrechnung und die Ernüchterung ist groß. Es fehlt Geld. Oft mehr als vorher in Deutschland.

Der Grund: die Quellensteuer.

Steuerfreie Dividenden als Auswanderer – Das Grundproblem

Die Quellensteuer wird direkt im Land des Unternehmens einbehalten bevor das Geld überhaupt dein Konto erreicht. Du siehst sie nicht kommen, du kannst sie nicht vermeiden – sie ist einfach weg.

In Deutschland hat das bislang kaum jemanden gestört weil Deutschland mit den meisten wichtigen Ländern Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen hat. Diese DBAs begrenzen die anrechenbare Quellensteuer auf meist 15 % und deine deutsche Depotbank rechnet das automatisch auf deine Abgeltungssteuer an. Unterm Strich zahlst du effektiv nur die deutschen 25 % – nicht mehr.

Das ändert sich schlagartig wenn du auswanderst.

Kein DBA mehr – und plötzlich zahlt man mehr als vorher

Wer in einem Niedrigsteuerland ohne Kapitalertragssteuer lebt verliert in der Regel den DBA-Schutz mit den Quellensteuerländern. Das Ergebnis ist paradox: Wer nach Paraguay auswandert und US-Aktien hält zahlt plötzlich 30 % Quellensteuer auf Dividenden – statt der 15 % die ein in Deutschland ansässiger Anleger dank DBA zahlt. Und Paraguay erhebt keine Kapitalertragssteuer – es gibt also nichts mehr worauf die Quellensteuer angerechnet werden könnte. Die 30 % sind einfach verloren.

Wer vorher in Deutschland 25 % Abgeltungssteuer gezahlt hat zahlt nach der Auswanderung nach Paraguay 30 % Quellensteuer auf US-Dividenden – und hat damit de facto mehr gezahlt als vorher. Das ist der große Denkfehler vieler Auswanderer.

Hinzu kommt der Wegfall des deutschen Sparerpauschbetrags von 1.000 € sowie der Teilfreistellung bei ETFs – beides Vorteile die nur deutschen Steuerinländern zustehen.

Länder ohne Quellensteuer auf Dividenden

Die eleganteste Lösung ist in Länder zu investieren die gar keine Quellensteuer auf Dividenden erheben. Dann fällt auf Anlegerebene schlicht nichts an – unabhängig davon wo du lebst.

Länder die aktuell keine Quellensteuer auf Dividenden für ausländische Anleger erheben:

Großbritannien – keine Quellensteuer auf Dividenden, unabhängig vom Wohnsitz des Anlegers. Wichtige Ausnahme: UK-REITs (Real Estate Investment Trusts) unterliegen einer Quellensteuer von 20 %. Wer also gezielt in britische Immobilienaktien oder REIT-ETFs investiert sollte das im Blick haben.

Singapur – keine Quellensteuer auf Dividenden, global gültig, keine Ausnahmen für Standarddividenden.

Hongkong – keine Quellensteuer auf Dividenden, ebenfalls global gültig.

Ein wichtiger Hinweis zu dieser Liste: Steuergesetze ändern sich. Brasilien war lange Jahre ein quellensteuerfreies Land für ausländische Anleger – seit 2024 erhebt Brasilien 10 % Quellensteuer auf Dividenden. Was heute gilt muss morgen nicht mehr gelten. Alle Angaben ohne Gewähr.

Die clevere Lösung: Irische ETFs

Hier wird es interessant – und hier liegt die eigentliche Lösung für Auswanderer in Niedrigsteuerländern.

Irische ETFs – erkennbar an der ISIN die mit IE beginnt – unterliegen als sogenannte „collective investment undertakings“ nicht der irischen Dividendenquellensteuer. Das bedeutet: Ausschüttungen irischer ETFs an Anleger weltweit sind von der irischen Quellensteuer befreit – unabhängig davon ob der Anleger in Deutschland, Paraguay oder Vietnam lebt.

Das ist ein fundamentaler Unterschied zu irischen Einzelaktien wo die Situation deutlich komplexer ist.

Dazu kommt ein weiterer Vorteil auf Fondsebene: Irland hat mit den USA ein DBA das irischen Fonds ermöglicht nur 15 % statt 30 % Quellensteuer auf US-Dividenden zu zahlen. Dieser Vorteil entsteht innerhalb des Fonds – unabhängig vom Wohnsitz des Anlegers.

Für einen Auswanderer in Paraguay ergibt sich damit folgendes Bild bei einem irischen physischen ETF auf US-Aktien: 15 % Quellensteuer auf US-Dividenden auf Fondsebene, 0 % irische Quellensteuer auf die Ausschüttung, 0 % paraguayische Steuer – netto verbleiben 15 % unvermeidbarer Verlust auf US-Dividenden.

Ein Praxisbeispiel: Der Vanguard FTSE Developed Asia Pacific ex Japan UCITS ETF (WKN A1T8FT, ISIN IE00B9F5YL18) ist in Irland domiziliert, physisch repliziert und schüttet quartalsweise aus. Er enthält Aktien aus Australien, Hongkong, Singapur, Neuseeland und Südkorea – Länder die teilweise selbst keine oder niedrige Quellensteuer erheben. Das macht ihn für quellensteueroptimiertes Investieren interessant.

Die Königslösung: Irischer ETF auf UK-Aktien

Das steuertechnisch sauberste Setup für Auswanderer in Niedrigsteuerländern kombiniert zwei Vorteile:

UK erhebt keine Quellensteuer auf Dividenden → 0 % Verlust auf Fondsebene. Irland erhebt keine Quellensteuer auf ETF-Ausschüttungen → 0 % Verlust auf Anlegerebene. Paraguay erhebt keine Kapitalertragssteuer → 0 % im Wohnsitzland.

Das Ergebnis: Dividenden fließen ohne jeden Steuerabzug auf irgendeiner Ebene. Ein Beispiel wäre der iShares Core FTSE 100 UCITS ETF (ISIN IE0031442068) – ein irisch domizilierter ETF auf britische Bluechips.

Einschränkung die ehrlich benannt werden muss: UK-Aktien sind stark in Energie, Bergbau, Finanzwerte und Tabak konzentriert. Als Steueroptimierung interessant – als alleiniges Kernportfolio möglicherweise zu einseitig. Auch hier gilt die REIT-Ausnahme: Britische REIT-Positionen innerhalb eines ETFs können die Gesamtkonstruktion beeinflussen.

Synthetische ETFs – und was Luxemburg damit zu tun hat

Synthetische ETFs – erkennbar an der Kennzeichnung „Swap-basiert“ – halten die zugrundeliegenden Aktien nicht physisch sondern bilden die Performance über einen Vertrag mit einer Gegenpartei nach. Da keine realen Dividenden fließen entsteht auf Fondsebene auch keine Quellensteuer – unabhängig davon aus welchem Land die Aktien im Index stammen.

Ein konkretes Beispiel: Der Xtrackers STOXX Global Select Dividend 100 Swap UCITS ETF (WKN DBX1DG, ISIN LU0292096186) ist synthetisch konstruiert – und schüttet trotzdem quartalsweise aus. Das räumt mit dem verbreiteten Irrtum auf dass synthetische ETFs grundsätzlich nicht ausschütten. Es gibt ausschüttende Varianten – man muss nur gezielt danach suchen.

Dieser ETF hat sein Domizil in Luxemburg – erkennbar an der ISIN die mit LU beginnt. Luxemburg erhebt auf Ausschüttungen von Investmentfonds an nicht-ansässige Anleger grundsätzlich keine Quellensteuer – ähnlich wie Irland. Da der DBX1DG synthetisch ist entfällt die Quellensteuer bereits auf Fondsebene vollständig. Die Luxemburger Domizilierung ist für diesen ETF also kein Nachteil – der Steuervorteil der synthetischen Konstruktion greift unabhängig vom Fondsdomizil.

Für Auswanderer in Niedrigsteuerländern bedeutet das: Synthetischer ETF – Luxemburg oder Irland – kein Quellensteuerverlust auf Fondsebene, keine Quellensteuer auf die Ausschüttung, keine Kapitalertragssteuer im Wohnsitzland.

Das Gegenparteirisiko bei synthetischen ETFs

Synthetische ETFs bringen einen strukturellen Nachteil mit dem man ehrlich sein muss: das Gegenparteirisiko. Der Fonds hält nicht die Aktien des Index sondern tauscht über einen Swap-Vertrag mit einer Bank oder einem Finanzinstitut die Rendite. Fällt diese Gegenpartei aus entsteht ein Schaden.

Die UCITS-Regulierung begrenzt dieses Risiko auf maximal 10 % des Fondsvermögens und Swap-Positionen werden in der Praxis oft übersichert – das Risiko ist also reguliert aber nicht null. Wer das Gegenparteirisiko komplett ausschließen will ist mit physischen ETFs besser bedient.

Die Alternative für Wachstumsorientierte: Thesaurierende ETFs

Wer keine laufenden Ausschüttungen benötigt sondern Vermögen aufbaut hat noch eine weitere Option: thesaurierende ETFs. Diese schütten nicht aus sondern reinvestieren automatisch.

Wichtig zu verstehen: Die Quellensteuer auf Fondsebene fällt auch bei thesaurierenden ETFs an – sie ist keine Frage der Ertragsverwendung sondern des Fondsdomizils und der Replikationsmethode. Ein physischer thesaurierender MSCI-World-ETF aus Irland zahlt genauso 15 % Quellensteuer auf US-Dividenden innerhalb des Fonds wie sein ausschüttender Bruder. Der Unterschied liegt woanders: Es entsteht kein steuerpflichtiger Vorgang auf Anlegerebene solange man nicht verkauft. Und wer in einem Land ohne Kapitalertragssteuer lebt realisiert den Gewinn beim Verkauf steuerfrei.

Die steuereffizienteste Kombination für Auswanderer in Niedrigsteuerländern ist deshalb ein synthetischer thesaurierender ETF – null Quellensteuer auf Fondsebene, kein laufender steuerpflichtiger Vorgang, null Steuern beim Verkauf. Der Nachteil: Man muss aktiv verkaufen um an sein Geld zu kommen – es fließt kein automatischer Cashflow.

Was bedeutet das konkret für die Praxis?

Wer als Auswanderer in einem Niedrigsteuerland lebt und steuereffizient investieren will hat im Wesentlichen diese Wege:

Irische ETFs auf UK-Aktien für vollständig quellensteuerfreie Ausschüttungen auf allen Ebenen. Synthetische ETFs – egal ob Luxemburg oder Irland domiziliert – für quellensteuerfreie Ausschüttungen ohne Fondsebenen-Verlust. Thesaurierende synthetische ETFs für maximale Steuereffizienz beim reinen Vermögensaufbau mit steuerfreier Realisierung beim Verkauf. Eine Kombination aus ausschüttenden quellensteuerfreien Produkten für laufenden Cashflow und synthetischen Thesaurierern für den Wachstumsteil des Portfolios.

Was definitiv keine gute Idee ist: Einfach das bestehende Dividendendepot mit US-Aktien oder hochquellensteuerbelasteten europäischen Titeln beizubehalten und zu glauben dass die fehlende Kapitalertragssteuer im neuen Wohnsitzland das ausgleicht. In vielen Fällen zahlt man am Ende mehr als vorher.

Fazit

Die Kombination aus Quellensteuer und fehlendem DBA ist eine der größten steuerlichen Fallen für Auswanderer. Wer das versteht und sein Portfolio entsprechend strukturiert kann erheblich effizienter investieren. Wer es ignoriert zahlt unter Umständen mehr Steuern als zu Hause in Deutschland.

Dieses Thema ist hochkomplex und unterliegt ständigen Änderungen – wie das Beispiel Brasilien zeigt kann sich die Situation jederzeit verschieben. Eine individuelle Beratung durch einen auf internationales Steuerrecht spezialisierten Steuerberater ist ausdrücklich empfohlen.


Alles in diesem Artikel ist keine Steuerberatung, sondern meine persönliche Meinung. Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte konsultiere für deine individuelle Situation einen Steuerberater.

extraetf.com – Quellensteuer bei Aktien & ETFs (Stand: April 2025) extraetf.com/de/wissen/quellensteuer

dividenden.guru – Quellensteuer auf Dividenden: Der ultimative Ratgeber für deutsche Anleger dividenden.guru/quellensteuer-dividenden-ratgeber/

aktienwelt360.de – Dividenden aus dem Ausland: Oft hoch, aber auch oft sehr kompliziert (März 2025) aktienwelt360.de/2025/03/09/dividenden-aus-dem-ausland-oft-hoch-aber-auch-oft-sehr-kompliziert/

dividenden.guru – Irische Quellensteuer: ETFs vs. Einzelaktien (Stand: Februar 2026) dividenden.guru/dividenden-steuer-irland/

justetf.com – US-Quellensteuer vermeiden mit den richtigen ETFs (Stand: Juli 2025) justetf.com/de/news/etf/us-quellensteuer-sparen-mit-den-richtigen-etfs.html

justetf.com – Quellensteuer mit ETFs Zeit und Geld sparen justetf.com/de/news/etf/quellensteuer-mit-etfs-zeit-und-geld-sparen.html

finanzkueche.de – Fondsdomizil von ETFs: Worauf gilt es zu achten? (April 2025) finanzkueche.de/blog/fondsdomizil-von-etfs

guichet.public.lu – Einnahmen aus Dividenden ermitteln und versteuern guichet.public.lu/de/citoyens/fiscalite/declaration-impot-decompte/capitaux-mobiliers

bzst.de – Anrechenbarkeit der Quellensteuer auf Dividenden (Stand: Januar 2024) bzst.de/SharedDocs/Downloads/DE/EU_OECD/anrechenbare_ausl_quellensteuer_2024.pdf

Muss ich als Auswanderer in Paraguay noch Quellensteuer auf Dividenden zahlen?

Ja – und das ist der große Denkfehler vieler Auswanderer. Paraguay erhebt keine Kapitalertragssteuer, aber die Quellensteuer wird direkt im Land des Unternehmens einbehalten. Ohne Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Paraguay und dem Quellstaat – zum Beispiel den USA – werden volle 30 % einbehalten statt der 15 % die Deutschland-Ansässige dank DBA zahlen.

Welche Länder erheben keine Quellensteuer auf Dividenden?

Aktuell erheben Großbritannien, Singapur und Hongkong keine Quellensteuer auf Dividenden für ausländische Anleger. Wichtige Ausnahme: UK-REITs unterliegen 20 % Quellensteuer. Steuergesetze ändern sich – Brasilien war lange steuerfrei und erhebt seit 2024 plötzlich 10 %. Alle Angaben ohne Gewähr.

Sind irische ETFs auch für Auswanderer steuerfrei?

Irische ETFs – erkennbar an der ISIN beginnend mit IE – unterliegen als Investmentfonds nicht der irischen Dividendenquellensteuer. Ausschüttungen fließen an Anleger weltweit ohne irischen Steuerabzug – unabhängig vom Wohnsitzland. Der Vorteil auf Fondsebene durch das irisch-amerikanische DBA bleibt ebenfalls erhalten.

Was ist der Vorteil eines synthetischen ETFs für Auswanderer?

Synthetische ETFs halten Aktien nicht physisch sondern bilden die Performance über einen Swap-Vertrag nach. Da keine echten Dividenden fließen entsteht auf Fondsebene keine Quellensteuer – unabhängig davon welche Länder im Index vertreten sind. In Kombination mit einem Wohnsitz ohne Kapitalertragssteuer entsteht damit auf keiner Ebene eine Steuerlast. Wichtig: Synthetische ETFs tragen ein Gegenparteirisiko das durch die UCITS-Regulierung auf maximal 10 % des Fondsvermögens begrenzt ist.

Schütten synthetische ETFs auch aus?

Ja – das ist ein verbreiteter Irrtum. Es gibt ausschüttende synthetische ETFs wie den Xtrackers STOXX Global Select Dividend 100 Swap UCITS ETF (WKN DBX1DG). Die synthetische Konstruktion betrifft die Replikationsmethode, nicht die Ertragsverwendung.