
Fast zehn Jahre war die ING meine Hausbank. Kein schlechtes Wort über die Bank, im Vergleich zu dem was ich davor hatte, Volksbank, Sparkasse, war das eine Befreiung. Aber irgendwann rechnet man nach. Und dann wird es ungemütlich.
2,20% für ein Hotelzimmer. In einer Welt voller kostenloser Kreditkarten.
Du bist einen Monat in Vietnam. Das Hotelzimmer kostet 600 Euro. Du bezahlst mit deiner ING Visa. Was du dafür extra zahlst: 13,20 Euro. Für nichts. Für eine Transaktion. Einfach so abgezogen.
2,20% Auslandseinsatzentgelt auf jeden Umsatz außerhalb der Eurozone, mindestens 1 Euro pro Vorgang. Seit Dezember 2024 sogar erhöht, vorher waren es 1,99%. Wer regelmäßig im außereuropäischen Ausland unterwegs ist, sei es für Urlaub, längere Reisen oder weil er dort lebt, zahlt das bei jeder einzelnen Transaktion.
Und gleichzeitig gibt es Karten die dir das kostenlos machen. Manche sogar mit Cashback. Das ist der Moment wo man aufhört, Gewohnheit mit Loyalität zu verwechseln.
Was mich sonst noch stört
Das Auslandseinsatzentgelt war der letzte Anstoß, aber nicht der einzige Grund.
Das Girokonto ist nur noch kostenlos wenn monatlich mindestens 1.000 Euro Geldeingang kommt. Wer das nicht erfüllt, zahlt 4,90 Euro pro Monat. Klingt nicht viel, sind aber fast 60 Euro im Jahr für ein Konto das früher bedingungslos kostenlos war. Wer kein festes Gehalt hat, selbstständig ist oder längere Zeit im Ausland verbringt, trifft das schnell.
Die Girocard kostet 1,49 Euro pro Monat extra. Optional, ja. Aber wer sie gewohnt ist und braucht, zahlt.
Das sind keine Katastrophen. Aber es ist ein klares Zeichen in welche Richtung sich die Bank entwickelt. Das alte Modell der Direktbanken, günstig und unkompliziert, weicht langsam dem der klassischen Banken. Nur eben ohne Filiale.
Was die ING gut macht
Fairness muss sein. Die ING ist nach wie vor eine solide Option für Menschen die ein unkompliziertes Konto wollen und regelmäßigen Gehaltseingang haben. Die App funktioniert, der Support ist ordentlich, und im Vergleich zu Volksbank oder Sparkasse ist die ING eine andere Welt. Wer in Deutschland lebt, ein festes Gehalt hat und selten außerhalb Europas bezahlt, hat hier wenig zu meckern.
Meine Situation ist eine andere.
Depot mitnehmen oder übertragen?
Wer ein Depot bei der ING hat, muss das vor der Kontoauflösung klären. Das Girokonto kann erst gekündigt werden wenn das Depot aufgelöst oder übertragen wurde.
Ein Depotübertrag bedeutet: Du wechselst die Bank, aber deine Wertpapiere bleiben erhalten. Kein Verkauf, keine Steuerereignisse, die steuerlichen Anschaffungspreise bleiben bestehen. Die meisten Broker wickeln das komplett digital ab, oft innerhalb weniger Werktage. Du gibst beim neuen Broker deine alten Depot-Daten an, die kümmern sich um den Rest.
Ob sich ein Depotübertrag zu Trade Republic, Scalable oder einem anderen Broker lohnt und wie das genau läuft, schaue ich mir in einem eigenen Artikel an.
ING Konto kündigen: So kündigst du das ING Konto
Der Prozess ist einfacher als du vielleicht denkst.
Logge dich ins Online-Banking ein. Wähle das Konto aus das du schließen willst. Unter dem Menüpunkt „Mehr“ findest du die Option „Konto löschen“. Du füllst das digitale Formular aus, gibst eine Bankverbindung an auf die dein Restguthaben überwiesen werden soll, und bestätigst per TAN oder App-Freigabe. Kein Brief, keine Unterschrift, keine Wartezeit. Das Girokonto kann jederzeit fristlos gekündigt werden.
Wichtig: Das Depot muss vorher aufgelöst oder übertragen sein, sonst lässt sich die Kündigung nicht abschließen.
Was du vor der Kündigung erledigen solltest
Bevor du auf „Bestätigen“ klickst kurz eine kleine Checkliste abarbeiten.
Daueraufträge und Lastschriften umziehen. Viele neue Banken bieten einen Kontowechselservice an der deine bestehenden Zahlungspartner automatisch informiert. Das funktioniert erstaunlich gut und spart eine Menge manuelle Arbeit.
Das neue Konto vorher eröffnen und testweise nutzen. Mindestens vier Wochen bevor du das alte Konto kündigst sollte das neue laufen.
Das ING Konto noch einen Monat parallel offen lassen. Irgendwas kommt immer noch rein oder wird abgebucht was du vergessen hast. Der Puffer kostet nichts außer etwas Aufmerksamkeit.
Restguthaben nicht vergessen. Bei der Kündigung gibst du eine Zielkontonummer an, das Guthaben wird automatisch überwiesen.
Mein Gazprom-Problem: Warum ich das Depot wohl behalten muss
Ich muss kurz ehrlich sein. Ich habe Gazprom-Aktien gekauft, kurz nachdem Russland die Ukraine angegriffen hat. Ich habe damals ehrlich gesagt nicht geglaubt dass das wirklich so eskaliert. Ich dachte das ist politisches Säbelrasseln, eine kurze Eskalation die sich wieder einpendelt. Eine Fehleinschätzung, für die ich heute einen eingesperrten Posten im Depot habe der sich weder verkaufen noch übertragen lässt.
Die Aktien sind aufgrund der Sanktionen blockiert. Ich kläre gerade mit dem Kundendienst was mit der Position passiert und welche Optionen es überhaupt gibt. Das Depot bei der ING werde ich deshalb vorerst behalten müssen bis das geklärt ist.
Die Lektion daraus: Börsenweisheiten wie „Kaufe wenn Blut auf den Straßen fließt“ klingen in der Theorie gut. In der Praxis funktionieren sie nicht wenn der politische Kontext die Spielregeln komplett verändert. Das war kein Marktübertreibung die sich korrigiert, das war ein anderes Spiel.
Für alle die auswandern oder längere Zeit im Ausland verbringen: Nicht jede Bank behält dich als Kunden wenn du keinen deutschen Wohnsitz mehr hast. Wer Konten und Depots sucht die auch nach einem Wegzug erhalten bleiben, wird bei meinen Empfehlungen fündig. Dazu kommen eigene Artikel.
Mein Ersatz: Warum ich auf Wise wechsle
Ich verbringe seit Jahren immer wieder mehrere Monate im Jahr in Asien oder Südamerika und plane mittelfristig auszuwandern. Für diese Lebensweise ist das ING Konto schlicht das falsche Werkzeug.
Wise* ist kein klassisches Bankkonto, sondern ein internationales Multiwährungskonto. Du kannst Geld im Voraus in die Landeswährung tauschen, zum echten Wechselkurs, ohne Aufschlag. Zahlungen im Ausland kosten einen Bruchteil von dem was klassische Banken nehmen, oft gar nichts. Wer viel reist oder im Ausland lebt spart damit real Geld.
Ich nutze inzwischen mehrere Konten für verschiedene Zwecke. Ein deutsches Konto für Lastschriften und SEPA-Überweisungen, Wise für alles was international ist. Das ING Konto fällt damit weg.
Welche Konten ich konkret nutze und empfehle, auch je nachdem ob du in Deutschland bleibst oder auswanderst, findest du auf meiner Empfehlungsseite.*
Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.
*Einige Links auf dieser Seite sind Affiliate-Links. Wenn du darüber ein Konto eröffnest, erhalte ich eine kleine Provision, für dich entstehen keine Mehrkosten. Ich empfehle nur was ich selbst nutze oder für sinnvoll halte. Keine Handlungsempfehlung oder Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr.
Kann ich das ING Konto online kündigen?
Ja, komplett digital. Im Online-Banking unter „Mehr“ findest du die Option „Konto löschen“. Kein Brief, keine Unterschrift, keine Kündigungsfrist.
Was muss ich vor der ING Konto Kündigung beachten?
Daueraufträge und Lastschriften auf das neue Konto umziehen, ein Depot vorher auflösen oder übertragen, und das alte Konto noch etwa einen Monat parallel laufen lassen als Puffer.
Kann ich das ING Depot übertragen ohne zu verkaufen?
Ja. Ein Depotübertrag ist ohne Verkauf möglich, deine Wertpapiere und steuerlichen Anschaffungspreise bleiben erhalten. Den Übertrag initiierst du meist direkt beim neuen Broker.
Ist das ING Girokonto noch kostenlos?
Nur wenn monatlich mindestens 1.000 Euro Geldeingang eingeht. Wer das nicht erfüllt zahlt 4,90 Euro pro Monat.
Was kostet die ING Visa Karte im Ausland?
Innerhalb der Eurozone kostenlos. Außerhalb der Eurozone fällt ein Auslandseinsatzentgelt von 2,20% an.