
Vor einer Woche haben wir das Halbjahres-Update veröffentlicht, dort sind wir ausführlich auf die einzelnen Positionen eingegangen. Wer das noch nicht gelesen hat findet den Artikel hier. Diese Woche gab es ein weiteres Update: Rebalancing. Und das war überfällig.
Juli 2026: Das Depot läuft
Bevor wir zum Rebalancing kommen kurz ein Blick auf den Juli. 10 Ausschüttungen, 68,19 Euro Dividenden, das Depot zeigt weiter Momentum.
Die größten Einzelausschüttungen kamen vom WisdomTree Emerging Markets mit 18,94 Euro, dem JEPG mit 18,36 Euro und dem Nasdaq Equity Premium Income mit 9,64 Euro. Dazu kamen kleinere Ausschüttungen von BlackRock Mining, VICI, Alexandria, Realty Income, PIMCO, FU Bonds und dem L&G Global Quality Dividends.
Das Depot läuft stabil, alle Positionen halten ihre Ausschüttungen. Genau der richtige Zeitpunkt um das Depot strukturell zu optimieren.
Das Problem
Das Depot stand bei 16.063,94 Euro, Dividendenrendite 4,79%, erwartete Jahresdividende 770 Euro. Unser Ziel ist mindestens 5%. Das klingt nach einer kleinen Lücke, aber der Grund dahinter ist strukturell.
Der VanEck Developed Markets Dividend Leaders war mit 30% die größte Position im Depot, liefert aber nur rund 3% Dividendenrendite. Der Fidelity Global Quality Income mit 20% Gewichtung bringt 1,78%. Das sind zusammen 50% des Portfolios auf Positionen die wir aus guten Gründen drin haben, die aber nicht auf hohe Ausschüttungen ausgelegt sind. Ohne Anpassung war das Renditeziel nicht erreichbar.
Die Community hat das im letzten Video treffend angemerkt. Danke dafür, genau das macht dieses Depot besonders.
Warum der JEPG bleibt
In den Kommentaren gab es Stimmen die den JEPG rauswerfen wollten. Das mache ich nicht, und hier ist warum.
Der JPMorgan Global Equity Premium Income hatte eine schwierige Phase, wir haben auf einem Niveau nahe Allzeithoch gekauft. Seit Juli 2025 läuft er aber stabil. Year to date minus 0,39%, auf Jahressicht minus 2,1%, Dividendenrendite aktuell 7,36%. Wer die Dividenden über drei Jahre reinvestiert hätte käme auf einen CAGR von 6,8%, das ist eine solide Gesamtrendite.
Der JEPG verfolgt einen Value-Ansatz in einem Markt der von Hyperscalern dominiert wird. Das ist strukturell schwierig, kein Fehler des ETFs. Und grundsätzlich gilt: Solange sich fundamental nichts geändert hat verkaufe ich nicht weil es mal eine schlechte Phase gab. Das wäre reagieren, kein Investieren.
Gleiches gilt für alle Covered Call ETFs im Portfolio, sie sind alle noch keine drei Jahre alt. Eine abschließende Beurteilung ist nicht möglich.
Was ist Rebalancing und wie funktioniert es?
Rebalancing bedeutet das Depot auf die ursprünglich geplante Gewichtung zurückzubringen. Einzelne Positionen entwickeln sich unterschiedlich, dadurch verschieben sich die Gewichtungen über Zeit. Rebalancing korrigiert das.
Wer tiefer ins Thema einsteigen will findet hier eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Erklärung.
Rebalancing oder Neuausrichtung?
Genau genommen haben wir heute beides gemacht. Ein klassisches Rebalancing stellt die ursprüngliche Zusammensetzung wieder her, also man bringt die Gewichtungen zurück auf den Ausgangsplan. Das allein hätte aber unser Problem nicht gelöst, denn mit der alten Zusammensetzung war das Renditeziel von 5% strukturell nicht erreichbar.
Wichtig zum Verständnis: Die ETF-Basis des Depots beträgt rund 10.000 Euro. Dazu kommen weitere Positionen wie REITs, BDCs und CEFs die höhere Ausschüttungen liefern. Theoretisch hätten wir das Renditeziel auch durch eine stärkere Beimischung hochriskanter Produkte erreichen können, aber das wäre der falsche Weg. Unverhältnismäßig hohe Risiken einzugehen nur um eine Renditekennzahl zu erfüllen ist kein Investieren, das ist Spekulation.
Deswegen haben wir die ETF-Basis selbst angepasst: VanEck von 30% auf 20% reduziert und den WINC mit 10% neu aufgenommen. Das erhöht das Risiko innerhalb der ETF-Basis leicht, bleibt aber im vertretbaren Rahmen.
Das ist eine Entscheidung die man nicht leichtfertig trifft. Denn hin und her macht bekanntlich Taschen leer. Jede Transaktion kostet Geld, Ordergebühren, Spread, und beim Verkauf von Gewinnen auch Steuern. Wer sein Depot alle paar Monate komplett umschichtet verliert allein durch diese Kosten erheblich an Rendite.
Unsere Grundregel: Wir ändern die Zusammensetzung nur wenn es einen fundamentalen Grund gibt. In diesem Fall war das die strukturelle Unmöglichkeit das Renditeziel zu erreichen. Eine schlechte Kursentwicklung über wenige Monate ist es nicht.
Die Transaktionen
Frisches Kapital: 1.000 €. Stand: Juli 2026. Angaben ohne Gewähr.
| Position | Anteile | Betrag | Aktion |
|---|---|---|---|
| VanEck TDIV | 14 | 770 € | Verkauf |
| JEPG | 15 | 342 € | Kauf |
| Nasdaq JEPQ | 8 | 182 € | Kauf |
| WINC ✨ Neu | 238 | 1.198 € | Kauf |
Fidelity (+2 €) und WisdomTree (+49 €) werden über angepasste Sparpläne ausgeglichen.
| Position | Gewichtung | Sparplan |
|---|---|---|
| JEPG | 25% | 50 € |
| VanEck TDIV | 20% | 40 € |
| Fidelity FGQI | 20% | 40 € |
| WisdomTree WTEI | 15% | 30 € |
| Nasdaq JEPQ | 10% | 20 € |
| WINC ✨ Neu | 10% | 20 € |
| L&G LDGL (separat) | — | 20 € |
| Gesamt | 100% | 220 € |
Sparplan inkl. 70 € reinvestierter Dividenden. Stand: August 2026.
Fidelity und WisdomTree lagen beim Rebalancing bei 2 und 49 Euro Bedarf. Dafür keine separate Order, das erledige ich über die Sparpläne. Beim WisdomTree setze ich den Sparplan diesen Monat einmalig von 30 auf 80 Euro hoch, nächsten Monat zurück auf 30. So erledige ich das kleine Rebalancing ohne Extrakosten.
Der neue WINC: Was steckt dahinter?
Der iShares World Equity High Income Active UCITS ETF, kurz WINC, ist neu im Depot. Er lässt sich vereinfacht als einen MSCI World beschreiben der zusätzlich Finanzinstrumente wie Call Optionen und Futures einsetzt um weitere Erträge zu generieren. Aktuelle Ausschüttungsrendite: 9,76%.
Einen ausführlichen Artikel zum WINC gibt es bereits auf dem Blog.
Ehrlicher Hinweis: Der WINC mit 9,76% und der JEPG mit 7,36% klingen verlockend. Aber das sind keine Garantien. Kein ETF kann dauerhaft mehr ausschütten als der Markt hergibt ohne dass es zulasten des Kurswerts geht, das nennt sich NAV-Erosion. In schlechten Marktphasen kann die Ausschüttung deutlich sinken. Wer mehr zu den Risiken von Covered Call ETFs und hohen Ausschüttungen wissen will findet hier einen ausführlichen Artikel dazu.
Das Ergebnis
Nach dem Rebalancing steht das Depot bei 16.982 Euro, Dividendenrendite 5,36%, erwartete Jahresdividende 910,61 Euro. Von 4,79% auf 5,36% durch eine einzige Umschichtung. Das zeigt wie viel Einfluss die Gewichtung auf das Gesamtergebnis hat.
Sparpläne angepasst
Da sich die Zusammensetzung geändert hat wurden auch die Sparpläne angepasst. Außerdem reinvestiere ich die Dividenden ab sofort direkt über den Sparplan statt sie zu sammeln. Bei 910 Euro Jahresdividende sind das rund 75 Euro im Monat vor Steuern, davon fließen 70 Euro monatlich zurück ins Depot.
Die neue Sparplanverteilung sowie alle Transaktionen und Depotveränderungen sind in der Übersicht weiter oben zusammengefasst.
Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.
Keine Anlage- oder Steuerberatung. Keine Handlungsempfehlung. Alle Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr. Das ist meine persönliche Meinung.