Der ETF bildet den FTSE Global All Cap Choice Index nach und investiert in Unternehmen mit hoher, mittlerer und kleiner Marktkapitalisierung aus Industrie- und Schwellenländern weltweit. Aktuell enthält der ETF rund 5.689 Positionen – mehr als jeder klassische MSCI World oder FTSE All World. Aufgelegt wurde er im März 2021, die TER beträgt 0,24% pro Jahr. Anbieter ist Vanguard – nach Blackrock der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt und bekannt für kostengünstige Indexfonds. Erhältlich ist der ETF in einer thesaurierenden und einer ausschüttenden Variante, das kombinierte Fondsvolumen beider Tranchen liegt mittlerweile bei über 1,2 Mrd. Euro – ein deutliches Wachstum gegenüber den rund 270 Mio. Euro zum Zeitpunkt der ersten Analyse.

5.700 Positionen – klingt gut, aber was bringt das wirklich?

Fast 5.700 Titel klingt beeindruckend – und die breite Streuung ist zweifellos ein Vorteil. Aber man sollte sich keine Illusionen machen. Die zehn größten Positionen – NVIDIA, Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Taiwan Semiconductor, Broadcom, Meta und Tesla – machen zusammen rund 25,7% des ETF aus. Das bedeutet: Ein Viertel des gesamten Kapitals steckt in zehn Unternehmen.

Der Rest verteilt sich auf knapp 5.680 weitere Positionen – viele davon mit einer Gewichtung von weit unter 0,1%. Ein kleines brasilianisches Energieunternehmen oder ein koreanischer Nebenwert mit 0,01% Gewichtung hat de facto keinen messbaren Einfluss auf die Portfolioentwicklung. Das ist keine Kritik am ETF – das ist die Realität jedes nach Marktkapitalisierung gewichteten Index. Die breite Streuung schützt vor dem Totalausfall einzelner Positionen, aber die Performance wird weiterhin von wenigen Schwergewichten bestimmt. Wer das versteht und trotzdem eine möglichst breite Abdeckung will – und das ist legitim – ist mit diesem ETF gut bedient.

Small Caps – Chance oder Risiko?

Der Anteil an Small Caps liegt laut Morningstar X-Ray bei rund 7%. Das ist der entscheidende Unterschied zum klassischen FTSE All World der nur Large und Mid Caps enthält. Warum ist das interessant? Historisch haben kleinere Unternehmen auf lange Sicht höhere Renditen erzielt als Large Caps – das ist der sogenannte Size-Faktor aus dem Faktorinvesting. Der Gedanke dahinter: Kleinere Unternehmen wachsen schneller, sind beweglicher und werden vom Markt oft noch nicht vollständig eingepreist.

Aber es gibt eine Kehrseite. Small Caps sind volatiler. In Abschwungphasen verlieren sie oft deutlich stärker als Large Caps. Liquidität ist ein weiteres Thema – kleinere Unternehmen werden weniger gehandelt, die Spreads sind breiter. Und in echten Krisenszenarien kann es passieren dass institutionelle Investoren Small Caps als erstes verkaufen weil sie die nötige Liquidität schnell beschaffen müssen. Wer langfristig investiert und Schwankungen aushält profitiert vom Size-Faktor. Wer kurzfristig denkt oder nachts schlecht schläft wenn sein Portfolio 20% im Minus steht sollte das im Hinterkopf behalten.

Alternativ kann man Small Caps auch gezielt über einen separaten Small-Cap-ETF beimischen. Das gibt mehr Kontrolle über die Gewichtung – erfordert aber auch mehr Aufwand und Disziplin beim Rebalancing.

Das ESG-Thema – meine ehrliche Meinung

Das ESG im Namen sorgt regelmäßig für Diskussionen. Ausgeschlossen sind Unternehmen aus Bereichen wie Tabak, Kohle, Öl und Gas, Atomkraft, Glücksspiel und kontroversen Waffen. Verstöße gegen den UN Global Compact führen ebenfalls zum Ausschluss.

Klingt streng – ist es aber nicht unbedingt. Vanguard selbst schreibt in der Nachhaltigkeitsoffenlegung dass der Fonds ökologische und soziale Merkmale bewirbt, aber kein Ziel einer nachhaltigen Investition verfolgt. Der Filter ist also löchrig. Und wir sehen aktuell ganz deutlich wohin diese Denkweise führt: Energie, Öl, Rüstung – Branchen die als ESG-kritisch gelten aber in der aktuellen Weltlage systemrelevant sind. Wer mit dem Iran-Krieg, den steigenden Verteidigungsausgaben und der Energiekrise konfrontiert ist fragt sich zu Recht ob ein ETF der Rüstung und Öl ausschließt wirklich die bessere Lösung ist.

Mir persönlich wäre es lieber man würde den ESG-Zusatz weglassen – dann weiß jeder was er hat. Wer konsequent nachhaltig investieren will findet bessere Produkte. Wer den ETF schlicht als breiten Welt-ETF nutzt stört sich daran vermutlich nicht. Aber Transparenz sollte selbstverständlich sein.

Vanguard ESG Global All Cap UCITS ETF – Fazit

Der Vanguard ESG Global All Cap ist ein solider, kostengünstiger ETF der mit fast 5.700 Titeln eine der breitesten Diversifikationen am Markt bietet. Die Konzentration auf wenige Schwergewichte bleibt trotzdem bestehen – das ist strukturell bedingt und kein spezifischer Nachteil dieses ETF. Als Einzellösung oder Basis für ein Portfolio durchaus geeignet, besonders für alle die Small Caps automatisch mit abdecken wollen ohne einen zweiten ETF zu kaufen.

Mein einziger echter Kritikpunkt bleibt der intransparente ESG-Filter – nicht weil ich etwas gegen Nachhaltigkeit habe, sondern weil Etiketten klar und ehrlich sein sollten.

Wer keinen Wert auf den ESG-Filter legt sollte sich auch den MSCI ACWI IMI anschauen – ein direktes Konkurrenzprodukt das mir persönlich sogar etwas besser gefällt. Dazu mehr in einem separaten Artikel.

Keine Anlageberatung nur meine Meinung. Alle Angaben ohne Gewähr. Vergangenheitswerte sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.