Ich schreibe diesen Artikel im April 2026 – meinen vierten Monat in Vietnam, mit zwei Unterbrechungen für Visaruns und der Hochzeit meines Bruders in Indien. Eigentlich wollte ich nur zwei Monate bleiben. Dann kamen zwei gestrichene Flüge wegen des Iran-Kriegs, ein spontaner Visarun nach Bangkok, und ich wohne wieder bei meiner vietnamesischen Freundin. Ich habe hier einen Alltag. Ich lasse mir die Zähne machen. Mein Arzt spricht Deutsch – in Deutschland aufgewachsen, dort studiert. Ich reise seit Jahren in Länder die mich interessieren, um mal reinzufühlen ob man sich dort wirklich vorstellen könnte zu leben. Vietnam hat mich länger festgehalten als geplant. Das sagt schon einiges.

Vietnam 2026 – ein Land im Aufwind

Vietnam ist wirtschaftlich eines der dynamischsten Länder Südostasiens. Das BIP wuchs 2025 um 8,02% – eines der höchsten Wachstumsraten der Region. Die Weltbank prognostiziert für 2026 ein Wachstum von 6,3% – das beste in ganz Ostasien und dem Pazifik. Das spürt man: Überall wird gebaut, die Mittelschicht wächst, internationale Unternehmen siedeln sich an.

Für digitale Nomaden und alle die eine Auszeit nehmen wollen ist Vietnam derzeit ein sehr attraktives Ziel. Die Lebenshaltungskosten sind niedrig, die Infrastruktur funktioniert, und man bekommt für sein Geld erstaunlich viel geboten.

Was kostet das Leben in Da Nang wirklich?

Da Nang ist meine Basis – nicht Hanoi, nicht Ho-Chi-Minh-Stadt. Ruhiger, überschaubarer, und die Luftqualität ist besser als im Norden. Hier meine echten monatlichen Kosten:

Wohnung in ruhiger Lage mit guter Nachbarschaft: unter 250€. Handy mit 16GB Daten pro Tag: rund 10€ im Monat. Roller mieten bei Langzeitmiete: etwa 100€ im Monat. Essen gehen zu zweit im westlichen Restaurant inklusive Getränke: 15-20€. Lokale Restaurants sind nochmal deutlich günstiger. Benzin kostet hier rund 0,80€ pro Liter.

Und das Gesundheitssystem – zumindest was ich beurteilen kann – ist solide. Ich habe mir hier spontan eine Krone und ein Veneer machen lassen: 410€. In Deutschland wäre das locker 2.500€ allein an Zuzahlung gewesen. Der Arzt der mich behandelt hat in Deutschland studiert und spricht fließend Deutsch.

Wer bescheiden lebt kommt mit 1.000€ im Monat locker aus.

Vietnam Visa – die Realität für Nomaden

Das ist der Teil den viele unterschätzen.

Als Deutscher kannst du seit März 2025 für bis zu 45 Tage visumfrei einreisen – ohne Mindestfrist zwischen Aus- und erneuter Einreise. Das klingt praktisch, reicht aber für längere Aufenthalte nicht aus.

Wer länger bleibt braucht ein E-Visum das bis zu 90 Tage gilt und mehrfache Einreisen erlaubt. Eine Verlängerung vor Ort ist nur in Ausnahmefällen möglich – in der Regel muss man ausreisen und neu einreisen. Das bedeutet Visaruns: Flüge, Hotels, Zeit und Geld.

Ich habe für vier Tage Bangkok mit Visum, Flug, Hotel und Taschengeld knapp 600€ ausgegeben. Klar geht das auch billiger – aber man will nicht wie ein Hund leben. Und die aktuelle geopolitische Lage treibt Flugpreise. Wer regelmäßig ausreisen muss sollte sein monatliches Budget um einige hundert Euro nach oben korrigieren.

Ein Langzeitvisum für Nicht-Investoren und Nicht-Verheiratete gibt es in Vietnam praktisch nicht.

Steuern – für Nomaden irrelevant, für Ansässige komplex

Wer als Tourist in Vietnam lebt und weniger als 183 Tage im Jahr dort verbringt ist steuerlich nicht in Vietnam ansässig – und zahlt dort entsprechend keine Steuern auf ausländische Einkünfte. Für die meisten Nomaden ist das also kein Thema.

Wer sich länger als 183 Tage pro Jahr in Vietnam aufhält gilt als steuerlich ansässig und muss sein weltweites Einkommen in Vietnam deklarieren – mit einem progressiven Steuersatz von bis zu 35%. Dividenden aus vietnamesischen Quellen werden mit 5% besteuert, Kursgewinne mit 0,1% des Verkaufspreises.

Für Dividenden-Investoren wie mich ist Vietnam als steuerlicher Wohnsitz schlicht uninteressant. Wer seine Steuerlast optimieren will schaut woanders hin.

Was wirklich nervt

Ich will ehrlich sein. Vietnam ist toll – aber es gibt Dinge die auf Dauer nerven werden:

Die Luftqualität ist das größte Problem besonders im Zentrum zur Rushhour. Ich trage mittlerweile eine Maske beim Rollerfahren – und ich bin in Da Nang, nicht in Hanoi. Im Norden ist es deutlich schlimmer. Müll liegt teilweise rum – nicht so schlimm wie in anderen Ländern, aber vorhanden. Roller parken den Gehweg zu – überall, immer. Lärm – Vietnam ist laut, besonders morgens früh. Die Einrichtung in Mietwohnungen ist oft von bescheidener Qualität – viel billiges Zeug aus China. Die Sprache ist für Europäer fast unmöglich zu lernen – Tonsprache mit sechs Tönen. Mit Englisch oder KI-Übersetzung kommt man aber gut durch. Business ist je nach Branche nicht einfach – man muss sich erst in die richtigen Kreise reinarbeiten.

Das sind alles Kleinigkeiten. Aber auf Dauer können Kleinigkeiten nerven. Das perfekte Land wird man wohl nie finden – aber das ist auch nicht mein Ziel!

Warum Vietnam trotzdem kein Auswanderungsland ist

Vietnam ist ein fantastisches Land um es zu erleben – aber kein einfaches Land um dauerhaft zu leben. Kein echtes Langzeitvisum für normale Ausländer, keine attraktive Steuerstruktur für Kapitalanleger, und eine Bürokratie die zwar nicht so schlimm wie in Deutschland ist – aber vorhanden.

Das Land ist wunderschön, die Menschen sind freundlich, die Landschaft ist divers, und man bekommt hier wirklich viel für sein Geld. Ich fühle mich sehr wohl hier. Aber wer dauerhaft auswandern und dabei seine finanzielle Situation optimieren will muss weiterdenken.

Die Philippinen als Kompromiss-Wohnsitz

Wer einen steuerlich attraktiven Compliance-Wohnsitz in Asien sucht schaut sich viele die Philippinen an. Die Philippinen besteuern nur territorial – Kapitalerträge aus dem Ausland sind steuerfrei. Als Deutscher kannst du bis zu drei Jahre auf den Philippinen bleiben indem du dein Touristenvisum regelmäßig verlängerst oder kurz ausreist und wieder einreist.

Ich war im Winter 2024/25 zwei Monate auf den Philippinen. Nach zwei Wochen war mir klar dass ich dort niemals dauerhaft leben könnte – obwohl das Land und die Leute toll sind. Man zahlt dort viel für schlechte Qualität beim Essen und bei Unterkünften. Und ich spreche mit vielen Auswanderern – auf den Philippinen haben mir viele gesagt: „Hier verbessert sich nichts, das wird nur schlimmer.“ Die aktuelle politische Instabilität gibt ihnen leider recht.

Als reiner Compliance-Wohnsitz – kombiniert mit Zeit in Vietnam oder anderen Ländern – könnte es aber ein Kompromiss sein den man eingehen kann. Dazu kommt ein eigener Artikel.

Mein Fazit

Vietnam ist für digitale Nomaden und alle die Südostasien erleben wollen ein fantastisches Land. Günstig, lebendig, divers, freundlich. Für einen dauerhaften Auswanderungswohnsitz fehlen die Voraussetzungen. Wer langfristig plant und steuerlich optimieren will muss weiterdenken.

Dazu kommen weitere Artikel – über Paraguay, über die Philippinen als Steuerwohnsitz, und die Checkliste die man vor der Auswanderung abarbeiten sollte.

Dieser Artikel dokumentiert meine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke als digitaler Nomade. Er stellt keine Empfehlung zur Auswanderung oder Wohnsitzverlagerung dar. Ich rate niemandem dazu auszuwandern – ich berichte lediglich was ich selbst erlebe und denke. Alle steuerlichen und rechtlichen Angaben sind ohne Gewährleistung und können sich jederzeit ändern. Für individuelle Fragen zu Steuern, Visa oder Wohnsitzverlagerung wende dich an einen spezialisierten Steuerberater oder Rechtsanwalt. Stand: April 2026.

Das Video wurde auf meinem YouTube-Kanal Bullish TV veröffentlicht und spiegelt meine persönliche Meinung wider. Keine Anlageberatung.

Quellen