Jeder macht Fehler beim Investieren. Die meisten davon sind vermeidbar – wenn man sie kennt bevor man sie macht. Ich habe selbst einige davon gemacht und kenne aus meinem Umfeld fast jeden auf dieser Liste. Hier sind die häufigsten Anfängerfehler – mit meiner ehrlichen Meinung dazu.

1. Zu spät anfangen – warten bis man „genug“ hat

Der teuerste Fehler überhaupt. Wer wartet bis er genug verdient, genug gespart hat, genug verstanden hat – der wartet meistens zu lange. Der Zinseszins braucht Zeit. Wer mit 25 anfängt hat einen enormen Vorteil gegenüber jemandem der mit 35 anfängt – selbst wenn der Späteinsteiger mehr verdient.

Es gibt kein perfektes Timing. Es gibt kein perfektes Wissen. Es gibt nur den Moment in dem man anfängt.

2. Keinen Notgroschen haben – aber mit Nuancen

Die klassische Empfehlung lautet: erst Notgroschen, dann investieren. Das stimmt als Grundprinzip – aber nicht für jeden gleich.

Wer jung ist, wenige Verpflichtungen hat und vorher sowieso keine Rücklagen hatte – der kann ruhig beides parallel angehen. Du hattest vorher auch keinen Notgroschen und hast überlebt. Gleichzeitig 50 Euro sparen und 50 Euro investieren ist besser als auf das perfekte Setup zu warten.

Wer dagegen Hauskredit, Familie und laufende Verpflichtungen hat sollte die Reserve wirklich solide aufbauen bevor er investiert. Eine ungeplante Ausgabe von 5.000 Euro darf nicht dazu führen dass das Depot im falschen Moment angefasst wird. Mehr dazu im Artikel Notgroschen.

3. Auf den richtigen Einstiegszeitpunkt warten

„Ich warte bis der Kurs fällt.“ Dieser Satz hat mehr Menschen arm gehalten als jeder Crash. Niemand weiß wann der Kurs fällt. Niemand weiß ob er überhaupt fällt bevor er weiter steigt. Market Timing funktioniert nicht – das zeigen Jahrzehnte an Daten.

Ich halte allerdings etwas Dry Powder – also einen kleinen Teil Cash der nicht investiert ist – durchaus für sinnvoll. Nicht um den perfekten Zeitpunkt zu erwischen sondern um bei wirklich guten Gelegenheiten nachkaufen zu können. Es lässt einen ruhiger schlafen. Und 80-90% investiert zu sein ist immer noch deutlich besser als gar nicht investiert zu sein weil man auf den perfekten Moment wartet.

4. Beim ersten Crash verkaufen

Der Markt fällt 20%. Rot überall. Die Nachrichten schreien Katastrophe. Und viele Anfänger verkaufen – genau dann wenn sie kaufen sollten.

Kurseinbrüche gehören zur Börse wie Regen zum Herbst. Wer einen Anlagehorizont von 15 Jahren hat dem sollte ein temporärer Einbruch keine schlaflosen Nächte bereiten. Die Geschichte zeigt: Nach jedem Crash kam ein neues Allzeithoch. Wer beim Corona-Crash im März 2020 verkauft hat und den Wiedereinstieg verpasste hat sich selbst um Jahre der Rendite gebracht.

Die Lösung ist einfach: Sparplan einrichten, automatisch laufen lassen, nicht täglich ins Depot schauen.

5. Zu teure Produkte kaufen – der Bankberater-Fehler

Das ist der Fehler der mich am meisten ärgert – weil er so systematisch passiert.

Ich sage das direkt: Ich vertraue Bankberatern grundsätzlich nicht. Nicht weil alle schlechte Menschen sind – sondern weil das System falsche Anreize setzt. Ein Bankberater verdient Provision wenn er dir ein teures Produkt verkauft. Je höher die TER, je höher der Ausgabeaufschlag, desto mehr verdient die Bank. Wer glaubt sein Bankberater optimiert seine Geldanlage liegt falsch – er optimiert die Einnahmen seiner Bank.

Das Ergebnis: Millionen Deutsche sitzen in aktiv gemanagten Fonds mit 1,45% TER und 5% Ausgabeaufschlag – und wissen nicht dass es ETFs mit 0,20% TER und null Ausgabeaufschlag gibt die langfristig besser performen.

Wer einen wirklich unabhängigen Rat will sucht sich einen Honorarberater – jemanden der keine Provision bekommt sondern direkt vom Kunden bezahlt wird.

6. Keine Diversifikation – aber falsch verstanden

Diversifikation bedeutet nicht dass man 20 verschiedene ETFs kaufen muss. Ein einziger globaler ETF wie der SPDR MSCI ACWI IMI enthält knapp 4.600 Positionen aus 47 Ländern – das ist bereits sehr breite Diversifikation auf Aktienebene. Mehr ETFs bedeuten nicht automatisch mehr Diversifikation – oft nur mehr Komplexität und höhere Kosten.

Was Diversifikation wirklich bedeutet: Nicht 100% in eine einzige Aktie oder einen einzigen Sektor. Wer sein gesamtes Geld in NVIDIA steckt weil die Aktie gerade boomt diversifiziert nicht – er spekuliert. Ein breiter Welt-ETF reicht für die meisten Einsteiger vollkommen aus. Wer zusätzlich über weitere Anlageklassen diversifizieren will schaut sich den ARERO Weltfonds an der Aktien, Anleihen und Rohstoffe in einem Produkt kombiniert.

7. Den Freistellungsauftrag vergessen

1.000 Euro Kapitalerträge pro Jahr sind steuerfrei – aber nur wenn du einen Freistellungsauftrag bei deiner Depotbank eingerichtet hast. Wer das vergisst zahlt auf jeden Euro Dividende und Kursgewinn automatisch 25% Abgeltungsteuer – auch wenn er eigentlich nichts zahlen müsste.

Ja – man kann sich das Geld über die Steuererklärung zurückholen. Aber mit Verzögerung. In der Zwischenzeit fehlt das Geld im Depot und arbeitet nicht für dich. Einmal einrichten dauert fünf Minuten. Wer mehrere Depots hat muss den Freibetrag aufteilen – insgesamt darf er 1.000 Euro nicht überschreiten.

8. Zu oft ins Depot schauen

Das Depot täglich zu checken ist einer der größten Fehler die Einsteiger machen – nicht weil es gefährlich ist sondern weil es zu schlechten Entscheidungen führt. Wer jeden Tag die roten und grünen Zahlen sieht neigt dazu emotional zu reagieren. Zu kaufen wenn es gut läuft. Zu verkaufen wenn es schlecht läuft. Beides ist falsch.

Ein Sparplan der automatisch läuft braucht keine tägliche Kontrolle. Einmal im Quartal oder halbjährlich reicht vollkommen. Wer weniger schaut schläft besser und trifft bessere Entscheidungen.

9. Sparplan bei Schwankungen pausieren

Der Markt fällt und man pausiert den Sparplan. Das ist das genaue Gegenteil von dem was man tun sollte. Wer bei fallenden Kursen weiter kauft bekommt mehr Anteile für dasselbe Geld – der Durchschnittskosteneffekt arbeitet für einen. Wer pausiert verpasst genau die Kaufgelegenheiten die langfristig die Rendite machen.

Der Sparplan ist kein Luxus den man pausiert wenn es eng wird. Er ist die Methode die funktioniert – gerade weil sie automatisch und emotionslos läuft.

10. Sich von Medien und Crashpropheten verunsichern lassen

Jeden Monat gibt es neue Crashpropheten die den nächsten großen Einbruch ankündigen. Manche machen das seit 15 Jahren und irgendwann werden sie recht haben – Broken Clock Prinzip. Das Problem: Wer auf sie hört und nicht investiert verliert in der Zwischenzeit Jahre an Zinseszins.

Börsennachrichten sind für Langfristanleger mit ETF-Sparplan weitgehend irrelevant. Die Wirtschaft wächst langfristig. Unternehmen passen sich an. Krisen kommen und gehen. Wer das versteht und trotzdem investiert bleibt ist auf der richtigen Seite der Geschichte.

11. Steuern komplett ignorieren

Nicht jeder muss ein Steuerexperte sein. Aber ein paar Grundlagen sollte jeder kennen: Freistellungsauftrag einrichten, Teilfreistellung bei ETFs verstehen, Sparerpauschbetrag ausschöpfen. Wer das ignoriert verschenkt bares Geld – und das Jahr für Jahr.

Fazit

Die meisten Fehler auf dieser Liste haben eine gemeinsame Wurzel: Emotionen und fehlende Information. Wer versteht wie der Markt funktioniert, einen automatischen Sparplan einrichtet und nicht bei jedem Rücksetzer in Panik verfällt hat bereits 90% der Arbeit getan.

Der Rest ist Zeit.

Philipp Schilke
Philipp Schilke
Mechaniker · Finanzanlagefachmann (IHK) · Gründer Bullish TV

Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.


Alles in diesem Artikel ist meine persönliche Meinung und keine Anlageberatung. Bitte konsultiere für deine individuelle Situation einen Fachmann.

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