
Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Mein Bankberater hatte mir jahrelang Produkte empfohlen die gut für seine Provision waren, aber nicht für mein Vermögen. Riester war dabei nur das offensichtlichste Beispiel.
Heute weiß ich: Ich bin damit nicht allein. Knapp 14 Millionen Riester-Verträge gibt es in Deutschland – und ein Großteil davon dümpelt irgendwo vor sich hin, kaum bespart, kaum rentabel, aber auch nicht gekündigt weil niemand so genau weiß was man jetzt tun soll.
Das ändert sich gerade. Der Bundestag hat am 27. März 2026 die Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Riester wird abgelöst – aber was bedeutet das konkret für deinen bestehenden Vertrag?
Was beschlossen wurde – und was noch nicht
Ab 2027 können keine Verträge mehr nach altem Riester-Modell abgeschlossen werden. Es gibt keine automatische Kündigung oder Umwandlung bestehender Verträge. Bundesregierung
Wichtig: Das Gesetz muss noch durch den Bundesrat. Stand heute gilt die Verabschiedung als wahrscheinlich – aber final ist es noch nicht. Wer große Entscheidungen plant sollte das im Hinterkopf behalten.
Was passiert mit meinem bestehenden Riester-Vertrag?
Nichts – wenn du nichts tust. Alle bestehenden Verträge stehen unter Bestandsschutz und laufen einfach weiter. Sparkasse Du kannst ihn weiter besparen, ruhend stellen oder einfach laufen lassen. Niemand zwingt dich zu irgendetwas.
Ab 2027 hast du drei Optionen:
Option 1: Vertrag behalten wie er ist. Alte Förderung, alte Konditionen, kein Handlungsbedarf. Wer mit seinem Vertrag halbwegs zufrieden ist und sich den Aufwand sparen will macht damit erstmal nichts falsch.
Option 2: Nur ins neue Fördersystem wechseln. Bestandskunden haben die Option mit ihrem bestehenden Riester-Vertrag nur ins neue Fördersystem zu wechseln – alle sonstigen Vertragskonditionen bleiben dann gleich. Stiftung Warentest Du behältst deinen alten Anbieter und Vertrag, bekommst aber die neue höhere Zulage von bis zu 540 Euro statt bisher 175 Euro. Das machst du mit einem formlosen Schreiben an deinen Anbieter – kein Anbieterwechsel nötig.
Option 3: Komplett wechseln in ein Altersvorsorgedepot. Du kannst von einem bestehenden Riester-Vertrag in einen Neuvertrag zu den neuen Konditionen wechseln ohne deine bisherige Förderung zurückzahlen zu müssen – dabei können allerdings Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten anfallen. Biallo Das ist der entscheidende Unterschied zu Option 2: Du wechselst den Anbieter, das Produkt und das System komplett. Mehr Flexibilität, mehr Renditechancen durch ETFs – aber Kosten die du vorher genau prüfen solltest.
Wann lohnt sich Riester überhaupt noch?
Ehrlich gesagt: für die meisten nicht. Das System war von Anfang an so konstruiert dass Anbieter gut daran verdienen – auf Kosten der Rendite.
Es gibt einen engen Personenkreis für den Riester tatsächlich Sinn ergibt: Wer ein niedriges Einkommen hat und mehrere Kinder. Die Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr kann die magere Rendite kompensieren – aber nur wenn das Verhältnis aus Eigenbeitrag und staatlicher Förderung stimmt. Für alle anderen – normales Einkommen, keine oder wenige Kinder – ist ein ETF-Sparplan ohne staatliche Fesseln langfristig fast immer die bessere Wahl.
Was ich selbst erlebt habe – schädliche Verwendung
Ich habe meinen Riester-Vertrag irgendwann aufgelöst. Was dann kam nennt sich offiziell „schädliche Verwendung“ – und das trifft es gut.
Im Falle der schädlichen Verwendung müssen sämtliche dem Altersvorsorgevertrag gutgeschriebenen Zulagen und die gesondert festgestellten Steuerermäßigungen zurückgezahlt werden. Außerdem müssen die im Altersvermögen angesammelten Erträge und Wertsteigerungen versteuert werden. Finanzamt Nordrhein-Westfalen
Konkret: Alle Zulagen die du über die Jahre bekommen hast werden zurückgefordert. Alle Steuervorteile die du durch den Sonderausgabenabzug hattest werden rückabgewickelt. Und die Erträge werden obendrauf noch versteuert. Das Finanzamt holt sich alles zurück – und das kann je nach Vertragslaufzeit ein empfindlicher Betrag sein.
Wer jetzt vorschnell kündigt riskiert unnötige Verluste und nimmt sich die Option später günstiger in das neue System zu wechseln. Jurawelt
Meine klare Empfehlung: Nicht überstürzt kündigen. Wenn der Vertrag gut läuft – behalten. Wenn er schlecht ist – ruhend stellen bis 2027 und dann in Ruhe entscheiden ob ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot Sinn macht.
Was tun – eine Entscheidungshilfe
Vertrag läuft gut, niedrige Kosten, gute Rendite → behalten, läuft weiter unter Bestandsschutz.
Vertrag läuft schlecht, hohe Kosten, kaum Rendite → ruhend stellen, ab 2027 Wechsel ins Altersvorsorgedepot prüfen.
Niedriges Einkommen, mehrere Kinder → Riester kann sich weiter lohnen, neue Förderung prüfen.
Normales Einkommen, keine Kinder → langfristig ist ein ETF-Sparplan ohne staatliche Fesseln fast immer die bessere Alternative.
Komplette Kündigung → nur als letzten Ausweg und mit vollem Bewusstsein über die Konsequenzen.
Keine Anlageberatung, keine Steuerberatung. Alle Inhalte spiegeln meine persönliche Meinung wider. Ich habe selbst Erfahrungen mit Riester gemacht – das ersetzt keine individuelle Beratung. Alle Angaben ohne Gewähr!
Was passiert mit meinem Riester-Vertrag ab 2027?
Bestehende Riester-Verträge laufen unter Bestandsschutz weiter – niemand wird zwangsgekündigt oder umgestellt. Ab 2027 kannst du freiwillig ins neue Altersvorsorgedepot wechseln oder deinen Vertrag einfach weiterführen.
Was ist der Unterschied zwischen „ins neue Fördersystem wechseln“ und „komplett wechseln“?
Beim Wechsel ins neue Fördersystem behältst du deinen alten Vertrag und Anbieter – bekommst aber die neue höhere Zulage. Beim kompletten Wechsel überträgst du dein Guthaben in ein neues Altersvorsorgedepot bei einem anderen Anbieter. Das bringt mehr Flexibilität und Renditechancen, kann aber Wechselkosten verursachen.
Was ist die schädliche Verwendung bei Riester?
Wer seinen Riester-Vertrag vorzeitig kündigt oder das Geld nicht für die Altersvorsorge nutzt löst eine schädliche Verwendung aus. Die Folge: Alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden, die Erträge werden zusätzlich versteuert.
Für wen lohnt sich Riester noch?
Hauptsächlich für Menschen mit niedrigem Einkommen und mehreren Kindern – die Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind kann die geringe Rendite kompensieren. Für alle anderen ist ein ETF-Sparplan langfristig meist die bessere Wahl.