
MLPs, also Master Limited Partnerships, sind in Deutschland kaum bekannt, in den USA dagegen eine feste Größe für einkommensorientierte Anleger. Stabile Cashflows, hohe laufende Ausschüttungen und ein Geschäftsmodell, das gerade jetzt im Zeitalter von KI und dem explodierenden Strombedarf für Rechenzentren wieder deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient. Schauen wir uns an, was hinter dieser Anlageklasse steckt und wie du als Europäer überhaupt sinnvoll rankommst.
Was sind MLPs?
MLP steht für Master Limited Partnership. Das sind Unternehmensbeteiligungen, meist aus dem Energiesektor, zum Beispiel Betreiber von Pipelines oder Lagerstätten für Öl und Gas. Sie zeichnen sich durch stabile Cashflows aus und haben oft einen echten Burggraben, Pipelines sind teuer, schwer zu ersetzen und werden dauerhaft gebraucht, weitgehend unabhängig vom aktuellen Öl- oder Gaspreis, weil das Geschäftsmodell primär auf Durchleitungsgebühren basiert, nicht auf dem Rohstoffpreis selbst.
In den USA sind MLPs steuerlich sehr attraktiv. Sie zahlen in der Regel keine Körperschaftssteuer, die Gewinne werden direkt an die Anleger durchgereicht, ähnlich wie bei REITs. Dieser Steuervorteil wurde politisch bewusst geschaffen, um Investitionen in heimische Energieinfrastruktur zu fördern.
Warum uns diese Steuervorteile nichts bringen
Für uns als europäische Anleger gelten diese US-Steuervorteile nicht in vollem Umfang. Wer direkt in einzelne MLPs investiert, bekommt es mit komplizierten US-Steuerformularen zu tun, unter anderem drohen Quellensteuerabzüge und in bestimmten Fällen sogar eine Pflicht zur Abgabe einer US-Steuererklärung. Das ist für die allermeisten deutschen Privatanleger schlicht zu aufwendig, um es sich anzutun, nur um an eine höhere Dividendenrendite zu kommen.
Die europäische Alternative: Ein synthetischer ETF
Genau hier kommt eine clevere Lösung ins Spiel. Es gibt einen UCITS-ETF, den Invesco Morningstar US Energy Infrastructure MLP UCITS ETF, der die MLP-Anlageklasse für uns handhabbar macht. Der Trick dabei: Der ETF hält die MLPs nicht direkt, sondern bildet deren Entwicklung synthetisch über einen Swap nach. Für uns als Anleger bedeutet das, wir umgehen die komplizierte US-Steuerproblematik komplett und zahlen stattdessen ganz normal deutsche Abgeltungssteuer, wie bei jedem anderen ETF auch. Man bekommt also die stabilen Cashflows und hohen Ausschüttungen der Anlageklasse, ohne sich mit US-Steuerformularen rumschlagen zu müssen. Der eigentliche MLP-Steuervorteil selbst, der in den USA für dieses Konstrukt spricht, kommt über diesen Umweg allerdings nicht bei uns an, das nur zur Ehrlichkeit, unterm Strich ist es trotzdem der pragmatischste Zugang, den wir als deutsche Anleger zu dieser Anlageklasse haben.
Invesco Morningstar US Energy Infrastructure MLP UCITS ETF
| ISIN (Dist) | IE00B8CJW150 |
| WKN | A1T96S |
| Auflegung | 15. Mai 2013 |
| Domizil | Irland |
| Replikation | Synthetisch (Swap) |
| TER | 0,50 % p.a. |
| Index | Morningstar MLP Composite |
| Fondsvolumen | 318 Mio. € |
| Ausschüttung | Vierteljährlich |
| Dividendenrendite | 7,57 % |
| Dividendenwachstum (5 J.) | 6,00 % |
Länder & Sektoren
Top 5 Holdings (von 14)
| Sunoco LP | 10,90 % |
| Plains All American Pipeline LP | 10,57 % |
| Western Midstream Partners LP | 10,35 % |
| Energy Transfer LP | 10,33 % |
| MPLX LP Partnership Units | 9,85 % |
Quelle: justETF.com, DivvyDiary, Stand August 2026. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.
Zusammensetzung des ETFs
Wie der Name schon verrät, handelt es sich ausschließlich um US-Firmen, entsprechend stehen wir bei 100% USA. Auch bei den Branchen gibt es keine Überraschung, 100% Energie beziehungsweise Energieinfrastruktur. Aktuell hält der ETF 14 Positionen. Angeführt wird das Portfolio von Sunoco LP mit 10,9%, Plains All American Pipeline mit 10,57% und Western Midstream Partners mit 10,35%. Auch Energy Transfer und MPLX, die in meinem letzten Video zu diesem Thema noch die größten Positionen waren, sind weiterhin prominent vertreten, die Gewichtung innerhalb des Portfolios hat sich also spürbar verschoben.
Dividende und Performance
Aktuell liegt die Dividendenrendite bei 7,57%, ausgeschüttet quartalsweise. Das Dividendenwachstum der letzten 5 Jahre liegt bei rund 6%, ein deutlich besseres Bild als bei meiner letzten Analyse dieses Themas, wo ich hier nur ein mageres Wachstum von 1% gesehen hatte. MLP-Ausschüttungen sind grundsätzlich weniger planbar als etwa bei einem Qualitäts-Dividenden-ETF wie SCHD, weil sie stärker an den Cashflow und die Investitionszyklen der zugrunde liegenden Energieinfrastruktur gekoppelt sind.
Bei der Kursentwicklung bleibt ein Punkt bestehen, den ich schon länger beobachte. Die Anlageklasse ist historisch stark zyklisch und hat über lange Phasen den breiten Markt deutlich underperformt. In den letzten Jahren hat sich das Bild spürbar verbessert, aber ob dieser positive Trend anhält oder sich wieder umkehrt, bleibt abzuwarten. Wer hier einsteigt, sollte sich der teils erheblichen Schwankungen bewusst sein.
Meine Einschätzung
MLPs als Anlageklasse finde ich nach wie vor spannend, gerade jetzt. Energieinfrastruktur wird durch den enormen Strombedarf von KI-Rechenzentren und die allgemeine Reindustrialisierung in den USA absehbar wichtiger, nicht unwichtiger, das spricht grundsätzlich für das Geschäftsmodell dahinter.
Beim ETF selbst bleibe ich trotzdem vorsichtig. Die hundertprozentige Gewichtung auf den US-Markt und einen einzigen Sektor ist ein spürbares Klumpenrisiko, das nicht zu meiner Präferenz für breite internationale Diversifikation passt, etwas, das ich seit Jahren predige. Im Community Depot sehe ich ihn deshalb aktuell eher nicht als zentralen Baustein.
Für einkommensorientierte Anleger, die gezielt nach hoher laufender Ausschüttung suchen und bereit sind, dafür spürbare Schwankungen in Kauf zu nehmen, kann der ETF trotzdem eine interessante Beimischung sein. Ein spannendes Nischenprodukt mit echtem Burggraben-Charakter, aber eben nichts für jedes Depot und sicher nichts, worauf man eine ganze Strategie aufbauen sollte.
Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.
Keine Anlage- oder Steuerberatung. Keine Handlungsempfehlung. Alle Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr. Das ist meine persönliche Meinung. Du triffst deine eigenen Entscheidungen. Kapitalanlagen bergen Risiken.
Quellen:
justetf.com
extraetf.com
divvydiary.com
Wie kann ich als Deutscher in MLPs investieren?
Bei den meisten klassischen deutschen Brokern sind einzelne MLPs in der Regel nicht direkt handelbar. Über einen Broker mit Zugang zum US-Markt ist ein Direktinvestment aber grundsätzlich möglich, dabei fällt üblicherweise US-Quellensteuer auf die Ausschüttungen an. Wer sich diesen zusätzlichen steuerlichen Aufwand sparen möchte, kann alternativ auf einen UCITS-ETF wie den Invesco Morningstar US Energy Infrastructure MLP ETF zurückgreifen, der MLPs synthetisch über einen Swap abbildet und ganz normal über die deutsche Abgeltungssteuer läuft.
Warum bringen MLPs deutschen Anlegern keine Steuervorteile?
Die steuerliche Sonderstellung von MLPs, keine Körperschaftssteuer auf Fondsebene, gilt speziell im US-Steuerrecht und wurde geschaffen, um heimische Energieinfrastruktur zu fördern. Für ausländische Anleger greifen diese Vorteile nicht in vollem Umfang, stattdessen drohen bei Direktinvestments US-Quellensteuer und zusätzlicher steuerlicher Aufwand. Ein synthetisch replizierender UCITS-ETF umgeht dieses Problem zwar, dafür kommt aber auch der eigentliche MLP-Steuervorteil bei europäischen Anlegern nicht an.
Sind MLP-ETFs riskanter als normale Dividenden-ETFs?
MLP-ETFs sind deutlich konzentrierter als breite Dividenden-ETFs, meist zu 100% auf den US-Markt und einen einzigen Sektor, Energieinfrastruktur, fokussiert. Das führt historisch zu einer stärker zyklischen Kursentwicklung mit teils deutlichen Schwankungen, über lange Phasen haben MLP-Indizes den breiten Aktienmarkt underperformt. Die hohe laufende Dividendenrendite kann das teilweise ausgleichen, ein direkter Ersatz für breit diversifizierte Welt-ETFs sind MLP-ETFs aber nicht.