Kunst als Investment? Kunst klingt nach Leidenschaft, Kultur und Museumsbesuchen. Für einen kleinen Teil der Weltbevölkerung ist es vor allem eines: ein Werkzeug zur Steueroptimierung. Ich erkläre dir wie der Kunstmarkt als Investment funktioniert – und zeige dir die Mechanismen die normalerweise nicht öffentlich diskutiert werden.

Kunst als Anlageklasse – die Grundlagen

Kunst ist eine der ältesten alternativen Anlageklassen überhaupt. Anders als Aktien zahlt ein Gemälde keine Dividende. Anders als Gold lässt sich der Wert kaum objektiv bestimmen. Und anders als Immobilien gibt es keinen transparenten Markt mit öffentlichen Preisen.

Genau das macht Kunst interessant – für bestimmte Strategien.

Der Kunstmarkt ist extrem intransparent. Preise entstehen auf Auktionen, in privaten Galeriegesprächen und durch Händlernetzwerke die sich gegenseitig kennen. Es gibt keine Börse, kein offizielles Kursbuch, keine Pflichtveröffentlichung. Das öffnet Spielräume die an regulierten Märkten nicht existieren.

Das Grundproblem: Wer bestimmt den Wert?

Bei einer Aktie ist der Wert klar – der Markt setzt ihn sekündlich. Bei einem Gemälde ist das anders. Die Ermittlung des gemeinen Werts eines Kunstwerkes ist eine besondere Herausforderung – man kann nicht ohne weiteres auf den hypothetischen Endpreis abstellen, der am Kunstmarkt erzielt werden würde.

Das bedeutet: Wer den Markt für die Werke eines bestimmten Künstlers kontrolliert, kann den Wert seiner eigenen Sammlung beeinflussen. Wer auf Auktionen Werke desselben Künstlers hochbietet – egal ob durch Eigenankäufe oder verbundene Parteien – treibt den Referenzpreis nach oben. Die eigene Sammlung steigt auf dem Papier im Wert, ohne dass echte Nachfrage dahintersteckt.

Das ist kein Geheimnis der Branche – es ist ein offenes Systemrisiko des Kunstmarkts.

Kunst spenden und Steuern sparen – legal

Hier wird es interessant. In Deutschland gibt es für Kunstwerke von erheblichem kulturellen Wert eine weitreichende steuerliche Regelung. Kunstwerke die von erheblichem kulturellen Wert sind und der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden können von der Besteuerung befreit werden, wenn sie beispielsweise an ein Museum übergeben werden.

Das klingt harmlos. In der Praxis sieht es so aus:

Jemand kauft ein Gemälde für 200.000 Euro. Durch Auktionsaktivitäten im Umfeld des Künstlers steigt der Referenzpreis. Das Werk wird nun mit 800.000 Euro bewertet. Der Sammler spendet es an ein Museum – und kann den aktuellen Marktwert des Kunstwerks als Spende geltend machen. Er setzt 800.000 Euro steuerlich ab, hat aber nur 200.000 Euro bezahlt.

Das Museum bekommt ein Werk, benennt vielleicht einen Raum nach dem Spender, und alle sind zufrieden. Außer dem Steuerzahler – aber der weiß es meist nicht.

Ist das legal?

Ja – in weiten Teilen schon. Das deutsche Steuerrecht erlaubt Kunstspenden an gemeinnützige Institutionen als Sonderausgaben. Kunststiftungen sind unter bestimmten Voraussetzungen von Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und Erbschafts- und Schenkungsteuer befreit – eine hervorragende Möglichkeit, Vermögen steueroptimiert zu vererben oder zu verschenken.

Die Grauzone liegt in der Bewertung. Wer den Wert des Kunstwerks künstlich in die Höhe getrieben hat bevor er es spendet, bewegt sich in rechtlich riskantes Terrain. Aber die Beweisführung ist schwierig – der Kunstmarkt ist nicht transparent, und „marktübliche Preise“ sind Auslegungssache.

Was bedeutet das für normale Anleger?

Ehrlich gesagt: wenig. Diese Strategien funktionieren erst ab einem gewissen Vermögen und erfordern Zugang zu Netzwerken Galeristen und Steuerberatern die sich auf genau das spezialisiert haben.

Als normaler Kunstkäufer hast du kaum Einfluss auf den Marktpreis eines Künstlers. Du kaufst zu Marktpreisen, trägst das volle Wertverlustrisiko und hast keine Liquidität wenn du schnell verkaufen musst. Der Verkauf von Kunst gilt als privates Veräußerungsgeschäft – ein Gewinn unterliegt der Einkommensteuer wenn der Verkauf innerhalb eines Jahres nach Anschaffung erfolgt. Nach einem Jahr ist der Gewinn steuerfrei.

Das einzig Relevante für den durchschnittlichen Anleger: Wer ein Kunstwerk hält das er wirklich mag, länger als ein Jahr, und es dann mit Gewinn verkauft – zahlt keine Steuer. Das ist ein echter Vorteil gegenüber Aktien oder ETFs.

Kunst als Investment – mein ehrliches Fazit

Für die meisten Menschen ist Kunst kein Investment sondern Lebensqualität. Das ist auch völlig in Ordnung.

Wer Kunst als Wertspeicher nutzen will sollte sich auf bekannte Künstler mit stabiler Nachfrage konzentrieren, nur kaufen was er auch selbst haben möchte, und nie auf schnelle Gewinne hoffen. Der Kunstmarkt ist illiquide, intransparent und manipulationsanfällig.

Die großen Mechanismen – Marktmanipulation durch selektive Auktionsaktivität, Museumsschenkung mit überhöhter Bewertung – sind real. Aber sie spielen in einer anderen Liga. Wer das Video von Hedgefonds-Manager Henning dazu gesehen hat versteht warum der Kunstmarkt für Superreiche ein so attraktives Spielfeld ist.

Für alle anderen: Gold, ETFs und Dividendenaktien schlafen sich ruhiger.

Philipp Schilke
Philipp Schilke
Mechaniker · Finanzanlagefachmann (IHK) · Gründer Bullish TV

Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.


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Quellen:

arteviva.de – Kunstgegenstände und Kunstsammlungen im steuerrechtlichen Kontext arteviva.de/kunstgegenstande-und-kunstsammlungen-im-steuerrechtlichen-kontext/

sven-lorenz.com – Legal Millionen an Steuern sparen: Kunstobjekte und Zollfreilager sven-lorenz.com/legal-millionen-an-steuern-sparen-so-nutzt-du-kunstobjekte-und-zollfreilager-zu-deinem-vorteil

rosepartner.de – Kunstrecht: Erbschaft, Scheidung, Steuern und Urheberschaft rosepartner.de/private-clients/kunstrecht-erbschaft-scheidung-steuern-und-urheberschaft.html

kunsthaus-artes.de – Steuerliche Behandlung von Kunst kunsthaus-artes.de/magazin/steuerliche-behandlung-von-kunst/

Ist Kunst eine gute Geldanlage?

Für die meisten Anleger nein – Kunst ist illiquide, intransparent und schwer zu bewerten. Für sehr vermögende Sammler kann Kunst als Steueroptimierungsinstrument interessant sein, aber das erfordert Netzwerke und Expertise die normalerweise nicht zugänglich sind.

Kann man Kunstwerke steuerlich absetzen?

Ja, unter bestimmten Bedingungen. Spenden an gemeinnützige Museen oder Institutionen können als Sonderausgaben abgesetzt werden – der absetzbare Betrag richtet sich nach dem Marktwert zum Zeitpunkt der Spende.

Wie lange muss man Kunst halten um steuerfrei zu verkaufen?

In Deutschland gilt eine Spekulationsfrist von einem Jahr. Wer ein Kunstwerk länger als ein Jahr hält und dann mit Gewinn verkauft, zahlt auf diesen Gewinn keine Einkommensteuer.