Covered-Call-ETFs auf breite Indizes kennen viele – JEPI, JEPQ, QYLD. Aber was wenn man Cashflow aus Gold generieren will? Oder aus Nvidia, Apple oder dem Nasdaq 100 – und das als europäischer Anleger, bequem über den eigenen Broker? Genau das ermöglichen die ETPs von IncomeShares. Das Produktsortiment ist in den letzten Monaten massiv gewachsen und kaum jemand redet auf Deutsch darüber.

Was ist IncomeShares?

IncomeShares ist eine Produktlinie von Leverage Shares – einem in Irland regulierten ETP-Anbieter mit Sitz in Dublin, beaufsichtigt von der Central Bank of Ireland und der britischen FCA. Die Produkte sind als Exchange Traded Products strukturiert – das ist rechtlich etwas anderes als ein ETF, aber börsengehandelt und für Privatanleger über regulierte Broker zugänglich.

Gestartet im Juli 2024 mit einer Handvoll Produkten hat IncomeShares bis Anfang 2026 auf über 30 ETPs ausgebaut. Das Gesamtvermögen stieg von rund 10 Millionen Dollar im Januar 2025 auf über 127 Millionen Dollar bis Ende Januar 2026. Die Nachfrage wächst – vor allem auf der Londoner Börse und auf Xetra.

Wie funktionieren die ETPs?

Das Grundprinzip ist vergleichbar mit Covered-Call-ETFs – aber mit einem wichtigen Unterschied: Statt auf breite Indizes fokussieren sich die meisten IncomeShares-Produkte auf Einzelwerte oder sehr spezifische Basiswerte.

Konkret funktioniert es so: Das ETP hält entweder direkt den Basiswert oder bildet ihn über einen US-ETF ab – zum Beispiel hält das Gold+ Yield ETP Anteile am SPDR Gold Shares (GLD). Gleichzeitig werden systematisch Optionen auf diesen Basiswert verkauft – entweder Covered Calls oder Cash-secured Puts. Die eingenommenen Optionsprämien werden monatlich an die Anleger ausgeschüttet.

Je nach Produkt unterscheiden sich die Strategien:

Covered Call – das ETP hält den Basiswert und verkauft Call-Optionen darauf. Der Anleger kassiert die Prämie aber verzichtet auf Kursgewinne oberhalb des Strike-Preises. Wird beim Gold+ Yield ETP eingesetzt.

Cash-secured Put plus Equity – das ETP hält einen Teil direkt in Aktien und nutzt den Rest um Put-Optionen zu verkaufen. Wird bei den meisten Einzelaktien-ETPs wie Apple, Nvidia oder Microsoft eingesetzt. Der Anleger partizipiert am Aufwärtspotenzial der gehaltenen Aktien und kassiert Prämien aus den Puts.

Zero Days to Expiration (0DTE) – einige Produkte wie das Nasdaq 100 Options ETP nutzen täglich auslaufende Optionen. Das erhöht die Prämieneinnahmen bei volatilen Märkten deutlich – aber auch die Komplexität.

Die aktuelle Produktpalette (Stand: April 2026)

Das Sortiment ist mittlerweile erheblich gewachsen und deckt mehrere Kategorien ab: Einzelaktien (Single Stocks), diversifizierte Baskets, Rohstoffe und Edelmetalle sowie festverzinsliche Werte.

Bei den Einzelaktien finden sich bekannte Namen wie Apple, Nvidia, Tesla oder AMD – jede als eigenständiges ETP. In der Rohstoff-Kategorie ist der Gold+ Yield ETP das Flaggschiff des Anbieters, daneben gibt es seit 2025 auch Silber. Die Diversified-Kategorie umfasst Baskets wie den Magnificent 7 oder den neu hinzugekommenen Semiconductors Leaders. Und mit dem 20+ Year Treasury Options ETP gibt es auch ein Produkt für den Fixed-Income-Bereich.

Seit März 2026 sind zudem 20 weitere ETPs auf der Londoner Börse gelistet – mit Fokus auf KI, Halbleiter und Krypto. Euro-Listings auf europäischen Börsen sind angekündigt.

Die meisten etablierten Produkte sind auf Xetra und der Londoner Börse handelbar und damit für deutsche Anleger über gängige Broker zugänglich – unter anderem über Comdirect*.

Meine persönliche Erfahrung

Ich habe selbst zwei dieser Produkte erlebt – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Den Gold+ Yield ETP habe ich über einen längeren Zeitraum gehalten und war sehr zufrieden. Das ETP hat massiv an Wert zugelegt weil Gold in dieser Phase stark gestiegen ist – und dabei zusätzlich jeden Monat solide Ausschüttungen geliefert. Eine der angenehmsten Kombinationen die ein Anleger erleben kann: Kursgewinn plus laufendes Einkommen. Verkauft habe ich ihn mit Beginn des Irankrieges – nicht weil das Produkt schlecht wurde, sondern weil mir in einer solchen Lage Papiergold unangenehm ist. Physisches Gold erscheint mir in geopolitischen Extremszenarien sicherer.

Im Community-Depot haben wir den MicroStrategy Options ETP gekauft – zum damaligen Zeitpunkt nahe am Allzeithoch, zu einer Bewertung die wir selbst als massiv überzogen und hochriskant eingeschätzt haben. Das war keine naive Entscheidung sondern eine bewusste Spekulation. Das Ergebnis: massive NAV-Erosion innerhalb weniger Monate. Der Kurs von MSTR hat stark nachgegeben und die Covered-Call-Strategie schützt eben nicht vor fallenden Basiswerten – sie puffert nur leicht ab.

Mein Fazit aus beiden Erfahrungen deckt sich mit dem was ich generell über diese Produktkategorie denke.

Das zentrale Missverständnis – warum diese Produkte nicht grundsätzlich gefährlich sind

Viele stellen IncomeShares-ETPs als hochriskante Nischenprodukte dar die man meiden sollte. Das greift zu kurz.

Das Risiko eines IncomeShares ETP hängt fast vollständig am Basiswert – nicht an der Optionsstrategie selbst. Ein Gold+ Yield ETP ist so riskant wie ein Investment in Gold – nicht mehr und nicht weniger. Ein MicroStrategy Options ETP ist so riskant wie ein Investment in MicroStrategy – und das ist eben extrem riskant.

Die Optionsstrategie darüber verändert das Profil in zwei Punkten: Sie begrenzt das Aufwärtspotenzial – was in starken Bullenmärkten schmerzt. Und sie liefert monatlichen Cashflow – was in Seitwärts- und leicht fallenden Märkten hilft. Aber sie macht aus einem riskanten Basiswert kein sicheres Produkt.

Das bedeutet: Wer in einen dieser ETPs investiert sollte sich zuallererst fragen ob er grundsätzlich in den Basiswert investieren würde. Wenn die Antwort nein ist – weil der Basiswert zu volatil, zu spekulativ oder zu unverständlich ist – dann ändert eine Covered-Call-Strategie daran nichts.

Was spricht dafür – und was dagegen?

Dafür: Cashflow aus Assets die sonst keine oder kaum Dividenden zahlen – Gold, Nvidia, Apple. Das ist der eigentliche USP dieser Produkte und den gibt es in dieser Form nirgendwo sonst für europäische Anleger so einfach zugänglich. Monatliche Ausschüttungen. Reguliert und über gängige Broker handelbar. Breite werdende Produktpalette.

Dagegen: Begrenzte Kursbeteiligung nach oben – wer auf eine starke Rallye setzt verliert mit Covered Calls Renditepotenzial. Das Risiko hängt vollständig am Basiswert – schlechte Basiswert-Wahl führt zu Verlusten trotz Prämieneinnahmen. Noch relativ junger Anbieter mit überschaubarem Track Record. Die neuen Produkte auf Halbleiter und Krypto sind noch nicht auf deutschen Börsen handelbar.

Für wen eignen sich diese ETPs?

Für Anleger die gezielt Cashflow aus bestimmten Assets generieren wollen und sich über das Risiko des jeweiligen Basiswerts bewusst sind. Nicht für alle geeignet die einfach nur hohe Ausschüttungsrenditen suchen ohne das Produktkonzept zu verstehen.

Als Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio können einzelne Produkte wie Gold+ Yield oder Magnificent 7 interessant sein. Als Alleinlösung oder als Versuch überdurchschnittlich hohe Renditen durch exotische Basiswerte zu erzielen halte ich sie für ungeeignet.


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