Honorarberater. So darf ich mich ab sofort offiziell bezeichnen. Heute Morgen um kurz nach acht war es soweit. Mein Name stand im Vermittlerregister. Offiziell eingetragen als Honorar-Finanzanlagenberater nach §34h GewO.

Ich bin damit einer von 375 in ganz Deutschland. Stand Juli 2026. Bei über 41.000 Finanzanlagenvermittlern auf Provisionsbasis. Das sagt eigentlich schon alles.

Was ist ein Honorarberater überhaupt?

In Deutschland gibt es zwei grundlegend verschiedene Arten von Finanzberatern, und der Unterschied ist entscheidend.

§34f: Finanzanlagenvermittler. Darf Finanzprodukte vermitteln und wird dafür vom Produktanbieter vergütet. Die Beratung kostet den Kunden direkt nichts. Klingt gut.

§34h: Honorar-Finanzanlagenberater. Unterliegt einem gesetzlichen Provisionsannahmeverbot. Darf keine Vergütung von Banken, Fondsgesellschaften oder Produktanbietern annehmen. Wird ausschließlich vom Kunden bezahlt. Und falls doch mal eine Provision anfällt muss diese vollständig an den Kunden weitergeleitet werden.

Der Unterschied zwischen f und h ist ein einziger Buchstabe. Die Auswirkungen sind enorm.

Was braucht man für die Zulassung?

Die Zulassung als Honorar-Finanzanlagenberater ist kein Selbstläufer. Was man unter anderem nachweisen muss:

Einwandfreies Führungszeugnis, Gewerbezentralregister ohne Einträge, Insolvenzregister ohne Einträge, Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts. Dazu eine Berufshaftpflichtversicherung die mindestens ~1,24 Millionen Euro pro Schadensfall abdeckt. Kunden sind damit abgesichert falls es zu Fehlern oder Schäden kommt.

Hinzu kommt die Sachkundeprüfung bei der IHK oder ein anerkennungsfähiger Berufsabschluss. Und wer berät muss sauber dokumentieren, eine Geeignetheitserklärung erstellen und genau arbeiten. Das ist kein Hobby.

Wer darf eigentlich beraten?

Wer als Anlageberater tätig sein will muss entweder eine Sachkundeprüfung bei der IHK ablegen oder einen anerkennungsfähigen Berufsabschluss nachweisen. Bankkauffrauen und Bankkaufmänner zum Beispiel sind anerkennungsfähig.

Das klingt nach einer soliden Qualifikation. Und viele Bankberater sind tatsächlich kompetent und handeln im Interesse ihrer Kunden. Das soll hier ausdrücklich nicht pauschal in Frage gestellt werden.

Aber wenn man sich den Rahmenplan der Bankausbildung anschaut fällt auf: ETFs, Portfolioaufbau und unabhängige Anlagestrategien spielen keine große Rolle. Bankberater lernen von Berufs wegen Bankprodukte, Kredite, klassische Finanzdienstleistungen. Das können sie gut. Ob man mit ihnen ein optimiertes, kosteneffizientes ETF-Portfolio aufbaut das zur eigenen Lebenssituation passt ist eine andere Frage.

Das Problem ist nicht der Berater. Das Problem ist das System das Anreize setzt.

Was die „kostenlose“ Beratung wirklich kostet

Kostenlose Beratung gibt es nicht. Es gibt nur versteckte Kosten.

Ein einfaches Beispiel: Dein Bankberater empfiehlt dir einen aktiv gemanagten Fonds mit 1,5% Gesamtkostenquote. Ein vergleichbarer ETF kostet 0,2% pro Jahr. Der Unterschied von 1,3% pro Jahr klingt klein.

Bei 100.000 Euro Anlagesumme über 30 Jahre mit 7% Rendite vor Kosten macht dieser Unterschied am Ende über 200.000 Euro aus. Das ist der Preis der kostenlosen Beratung.

Und dabei haben wir noch gar nicht über den Ausgabeaufschlag gesprochen. Viele aktiv gemanagte Fonds verlangen beim Kauf zusätzlich fünf Prozent oder mehr auf den investierten Betrag. Bei 100.000 Euro sind das 5.000 Euro die direkt beim Einstieg weg sind, noch bevor die laufenden Kosten überhaupt anfangen.

Wer wissen will wie viel ihn seine aktuelle Fondsstruktur über die Jahre kostet kann das mit unserem TER-Vergleichsrechner selbst ausrechnen.

Der Bankberater hat dabei nichts falsch gemacht. Er hat seinen Job gemacht. Aber das System schafft falsche Anreize: Der Anreiz liegt nicht zwingend beim Produkt mit der besten Rendite für den Kunden sondern beim Produkt mit der höchsten Provision für den Anbieter.

Was kostet Honorarberatung?

Das ist die Frage die die meisten zuerst stellen. Und die Antwort ist: deutlich weniger als eine provisionsbasierte Beratung über Jahrzehnte.

Der Bundesverband unabhängiger Honorarberater veröffentlicht eine Gebührenübersicht als Orientierung für Verbraucher und Berater. Hier einige Beispiele:

Eine ganzheitliche Anlageberatung liegt demnach bei 1.590 Euro bis 250.000 Euro beratenem Vermögen, ab 250.000 Euro bei 2.090 Euro. Eine reine Depotanalyse mit Empfehlungen kostet als Pauschale 490 Euro. Ruhestandsplanung 550 Euro.

Ich orientiere mich an dieser Tabelle und versuche bewusst darunter zu bleiben. Mein Ziel ist es dass qualifizierte Beratung nicht nur für Menschen mit großem Vermögen zugänglich ist. Die genauen Konditionen und konkrete Beispiele findest du auf ehrlich-investieren.de.

Wer sich das Beispiel im nächsten Abschnitt angeschaut hat merkt schnell: Bei 100.000 Euro Anlagesumme und 1,3% Kostenvorteil durch günstigere Produkte spart man bereits im ersten Jahr rund 1.300 Euro. Eine Depotanalyse für 490 Euro oder eine ganzheitliche Beratung für 1.590 Euro hat sich damit oft schon im ersten Jahr amortisiert. Und danach läuft der Kostenvorteil noch 10, 20 oder 30 weitere Jahre.

Die vollständige Gebührenübersicht des Bundesverbands kannst du hier herunterladen.

Was ein Honorarberater macht

Der Kommentar als ich ankündigte Honorarberater zu werden war bezeichnend: „Du wirst es nicht schaffen den Markt zu schlagen“. Das zeigt wie wenig verstanden wird was Honorarberatung eigentlich ist.

Es geht nicht darum den Markt zu schlagen. Es geht darum die richtige Strategie für die individuelle Situation zu finden.

Unter anderem biete ich folgendes an:

Ganzheitliche Finanzanalyse: Wie ist man aktuell aufgestellt? Sind Sparerpauschbeträge optimal genutzt? Wie sieht das Risikoprofil aus? Stimmt der Notgroschen? Was kann optimiert werden?

Zielorientierte Planung: Umzug in fünf Jahren, Jobwechsel, Selbstständigkeit, Auswanderung, Kinderdepot, Altersvorsorge. Jedes Ziel braucht eine andere Strategie.

Rentenplanung und Entnahmestrategien: Wie lebt man im Alter vom Depot ohne das Kapital zu verfrühstücken? Wann ist welche Entnahmestrategie sinnvoll?

Altersvorsorgedepot: Das neue staatlich geförderte Produkt ab 2027 wirft viele Fragen auf. Lohnt es sich? Für wen? Wie kombiniert man es mit anderen Bausteinen?

Maßgeschneiderte Empfehlungen: Am Ende jeder Beratung steht eine konkrete, nachvollziehbare Empfehlung die zur Person passt, nicht zum Produktkatalog. Und eine Geeignetheitserklärung die gesetzlich vorgeschrieben ist und dokumentiert warum die Empfehlung zur individuellen Situation passt.

Für wen lohnt sich Honorarberatung?

Nicht jeder braucht einen Berater. Wer sich selbst informiert, eigene Entscheidungen trifft und das Thema interessant findet ist hier auf dem Blog gut aufgehoben.

Aber nicht jeder ist so. Manche Menschen möchten diese Entscheidungen nicht alleine treffen. Manche haben komplexe Situationen, Selbstständigkeit, Auswanderungspläne, größere Erbschaften. Und manchmal ist eine zweite Meinung einfach sinnvoll, auch für erfahrene Anleger.

Genau dafür gibt es ehrlich-investieren.de. Die Beratungsseite wird gerade aufgebaut, aber wer schon jetzt Interesse hat kann sich dort melden.

Philipp Schilke
Philipp Schilke
Mechaniker · Finanzanlagefachmann (IHK) · Gründer Bullish TV

Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.


Keine Anlageberatung oder Handlungsempfehlung. Der Artikel dient der allgemeinen Information. Alle Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr. Das ist meine persönliche Meinung.

Was kostet eine Honorarberatung?

Die Kosten hängen vom Umfang der Beratung ab. Als Orientierung veröffentlicht der Bundesverband unabhängiger Honorarberater eine Gebührenübersicht: Eine ganzheitliche Anlageberatung liegt bei 1.590 Euro bis 250.000 Euro beratenem Vermögen. Eine reine Depotanalyse kostet als Pauschale 490 Euro, eine Ruhestandsplanung 550 Euro. Die Honorarberatung amortisiert sich dabei oft schon im ersten Jahr, weil der Kostenvorteil durch günstigere Produkte die Beratungskosten in der Regel übersteigt.

Warum ist die Beratung bei der Bank meist kostenlos?

Sie ist nicht kostenlos, sie ist nur nicht direkt sichtbar. Bankberater werden über Provisionen vergütet die der Produktanbieter zahlt. Das bedeutet: Je teurer das empfohlene Produkt desto höher die Provision. Bei 100.000 Euro in einem aktiv gemanagten Fonds mit 1,5% Gesamtkostenquote statt einem ETF mit 0,2% zahlt man über 30 Jahre mehr als 200.000 Euro an versteckten Kosten. Dazu kommen oft noch Ausgabeaufschläge von fünf Prozent oder mehr beim Kauf.

Wie finde ich einen seriösen Honorarberater?

Alle zugelassenen Honorar-Finanzanlagenberater nach §34h GewO sind im öffentlichen Vermittlerregister unter vermittlerregister.info eingetragen und können dort überprüft werden. Stand Juli 2026 gibt es in ganz Deutschland nur 375 zugelassene Honorarberater nach §34h. Eine weitere Anlaufstelle ist der Bundesverband unabhängiger Honorarberater. Wichtig: Unbedingt prüfen ob der Berater tatsächlich nach §34h eingetragen ist und nicht nur §34f, denn nur §34h unterliegt dem gesetzlichen Provisionsannahmeverbot.

Was ist der Unterschied zwischen einem Honorarberater und einem Bankberater?

Der entscheidende Unterschied liegt in der Vergütungsstruktur. Ein Bankberater oder Finanzanlagenvermittler nach §34f wird vom Produktanbieter über Provisionen vergütet. Ein Honorarberater nach §34h unterliegt einem gesetzlichen Provisionsannahmeverbot und wird ausschließlich vom Kunden bezahlt. Fällt dennoch eine Provision an muss diese vollständig an den Kunden weitergeleitet werden. Das eliminiert Interessenkonflikte und stellt sicher dass die Empfehlung wirklich zur Person passt und nicht zum Produktkatalog.

Wie wird man Honorarberater nach §34h?

Die Zulassung ist anspruchsvoll. Man braucht ein einwandfreies Führungszeugnis, einen sauberen Eintrag im Gewerbezentralregister und Insolvenzregister, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts und eine Berufshaftpflichtversicherung die mindestens 1,24 Millionen Euro pro Schadensfall abdeckt. Dazu kommt eine bestandene Sachkundeprüfung bei der IHK oder ein anerkennungsfähiger Berufsabschluss. Das erklärt warum es in ganz Deutschland nur 375 zugelassene Honorarberater gibt.