
Knapp 9,7% Ausschüttungsrendite, monatliche Zahlungen, 100 der dividendenstärksten Unternehmen weltweit. Auf dem Papier klingt der Global X SuperDividend UCITS ETF nach genau dem was viele Dividendeninvestoren suchen. Ich habe ihn mir schon früher angeschaut und damals klar gesagt dass er es nicht ins Community Depot schafft. Die Frage die sich jetzt stellt: Hat sich daran etwas geändert?
Alles Folgende ist keine Anlageberatung sondern nur meine persönliche Meinung. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was bildet der ETF ab?
Der Global X SuperDividend UCITS ETF bildet den Solactive Global SuperDividend v2 Index nach. Das Konzept ist denkbar simpel: Nimm die 100 Aktien mit der höchsten Dividendenrendite weltweit – inklusive Schwellenländer – und gewichte sie gleichmäßig. Kein Qualitätsfilter, kein Dividendenwachstum, keine Nachhaltigkeitsprüfung. Einzige Bedingung: Mindestmarktkapitalisierung und ausreichende Liquidität.
Rebalancing erfolgt viermal im Jahr – im Februar, Mai, August und November. Wer dann nicht mehr zu den 100 höchsten Ausschüttern gehört fliegt raus, wer neu dazukommt fliegt rein. Das ist die Logik des Index – und sie hat eine wichtige Konsequenz auf die wir gleich kommen.
Die Eckdaten (Stand: April 2026)
- Anbieter: Global X / Mirae Asset
- ISIN: IE00077FRP95 | WKN: A3DEKS
- Auflage: 15. Februar 2022 (Irland)
- TER: 0,45%
- Replikation: Vollständig physisch
- Ausschüttung: Monatlich
- Ausschüttungsrendite: rund 9,65%
- Fondsvermögen: rund 728 Millionen Euro
- Positionen: 126
Zusätzlich gibt es eine thesaurierende Variante (ISIN: IE000YICM5P9, WKN: A3E40M) – für alle die keinen laufenden Cashflow brauchen.
Zusammensetzung – wer steckt wirklich drin?
Das ist der Teil der viele überrascht. Die Top 10 Holdings lesen sich nicht wie ein normales Dividendenportfolio: Thai Foods Group, Odontoprev, Petrobras Preferred, Var Energi, Thungela Resources, Petroreconcavo, Ithaca Energy, Nordic American Tankers, Aker BP und DNO. Diese zehn Positionen machen zusammen gerade mal rund 13% des ETFs aus – das zeigt wie stark gleichgewichtet der Ansatz ist.
Länder: Die USA sind mit rund 24% an erster Stelle – weniger als in den meisten Welt-ETFs. Dahinter folgen Hongkong, Norwegen, Brasilien und weitere Länder die man in Standard-Portfolios selten sieht.
Sektoren: Immobilien dominieren mit knapp 40%, gefolgt von Energie mit gut 21% und Finanzen mit rund 13%. Das ist eine sehr ungewöhnliche Sektorverteilung – und kein Zufall. Immobilien und Energie schütten strukturell höhere Dividenden aus als andere Sektoren. Wer bereits einen Dividenden-ETF oder REITs im Portfolio hat verdoppelt hier seinen Sektor-Klumpen.
Die meisten Einzelpositionen werden vielen Anlegern unbekannt sein – das ist systembedingt. Große etablierte Unternehmen wie Apple, Microsoft oder Nestlé zahlen stabile aber moderate Dividenden. Der SuperDividend ETF sucht gezielt nach den höchsten Renditen – und die kommen meistens nicht von den Blue Chips.
Das Kernproblem – warum hohe Dividenden ein Warnsignal sind
Hier liegt der Punkt den man wirklich verstehen muss bevor man in diesen ETF investiert.
Eine sehr hohe Dividendenrendite entsteht auf zwei Wegen: Entweder zahlt ein Unternehmen wirklich sehr viel aus – oder der Kurs ist stark gefallen während die Ausschüttung noch gehalten wird. Das zweite Szenario ist deutlich häufiger. Unternehmen die dauerhaft 10, 12 oder 15% Dividende zahlen tun das meistens weil ihr Kurs so stark eingebrochen ist dass die Rendite optisch explodiert – oder weil sie die Dividende aus der Substanz zahlen um Investoren zu halten. Beides ist kein Qualitätsmerkmal.
Der Index filtert genau nach dieser Metrik – der höchsten aktuellen Dividendenrendite. Das bedeutet er sammelt systematisch Unternehmen ein die entweder schwächeln oder strukturell auf hohe Ausschüttungen angewiesen sind. Echte Qualitätsunternehmen mit nachhaltigem Dividendenwachstum schaffen es in der Regel nicht in diesen Index weil ihre Rendite zu niedrig ist.
Performance – die nackten Zahlen
Hier muss man sauber zwischen der UCITS-Version und dem US-Original unterscheiden.
Die UCITS-Version (seit Februar 2022):
- Seit Auflage Total Return: +0,90% – das entspricht rund 0,22% pro Jahr inklusive aller Ausschüttungen
- 1 Jahr: +14,36% (in einem für viele Märkte freundlichen Umfeld)
- 3 Jahre: +16,90%
Das klingt auf den ersten Blick nicht mehr ganz so schlimm wie noch vor einem Jahr. Und das stimmt auch – die letzten 12 Monate waren für den ETF relativ gut. Aber über die gesamte Laufzeit seit Auflage 2022 ist der Total Return nach vier Jahren praktisch null. In einem Zeitraum in dem ein globaler Welt-ETF deutlich zugelegt hat.
Das US-Original SDIV – der längere Track Record: Der US-Original ETF existiert seit 2011 – also seit über 13 Jahren. Und der zeigt das eigentliche Problem sehr deutlich. Bis 2023 hatte er inklusive aller Ausschüttungen eine negative Gesamtrendite von rund 3% pro Jahr. Über mehr als eine Dekade. In einem Zeitraum in dem der S&P 500 eine der stärksten Bullenmärkte der Geschichte erlebte.
Das ist keine Pechsträhne. Das ist das Ergebnis des Konzepts.
Hat sich die Situation verbessert?
Ehrliche Antwort: ein bisschen – aber nicht grundlegend.
Die letzten drei Jahre waren für den ETF besser als die ersten Jahre des US-Originals. Die Volatilität über 12 Monate liegt aktuell bei rund 10,5% – für einen global streuenden Aktien-ETF ist das überraschend niedrig. Der Maximum Drawdown der letzten 12 Monate liegt bei -3,69% – das ist sehr konservativ.
Aber das Grundproblem bleibt: Der ETF hat seit Auflage 2022 in vier Jahren praktisch keine Gesamtrendite erzielt. Die hohe Ausschüttung wird mit Kursverlusten bezahlt. Die monatlichen Zahlungen fühlen sich gut an – aber wenn der Kurs in gleichem Maße fällt ist das keine Rendite sondern eine Rückgabe des eigenen Kapitals in kleinen Scheiben.
Der echte Test kommt erst noch. Die UCITS-Version hat noch keine echte Krise erlebt. Was 2008 und 2020 mit dem US-Original passiert ist sollte jeden Anleger nachdenklich stimmen.
Für wen ist dieser ETF geeignet?
Das ist keine einfache Ja-Nein-Frage.
Für jemanden der kurzfristig maximalen Cashflow braucht – zum Beispiel weil er bereits im Ruhestand ist, keine langfristige Wachstumserwartung hat und sich über das Konzept vollständig bewusst ist – kann der ETF als kleiner Baustein funktionieren. Die monatlichen Ausschüttungen sind real und zuverlässig.
Für jeden der langfristig Vermögen aufbauen will ist der ETF die falsche Wahl. Die Gesamtrendite stimmt nicht – und das ist für Vermögensaufbau das einzige was zählt.
Mein Fazit
Er ist nach wie vor nicht meine Empfehlung. Die Grundproblematik – Dividendenjagd ohne Qualitätsfilter – hat sich nicht geändert. Das US-Original hat über mehr als eine Dekade bewiesen wohin das führt. Die UCITS-Version ist noch zu jung um das endgültig zu beurteilen – vier Jahre in einem überwiegend freundlichen Marktumfeld sind kein Beweis.
Wer wirklich hohen Cashflow mit globalem Aktienexposure kombinieren will findet mit einem qualitativ besser konstruierten Dividenden-ETF oder einer Kombination aus Dividenden-ETF und Covered-Call-ETF langfristig bessere Ergebnisse – bei weniger Substanzverzehr.
Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageberatung. Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Entwicklungen.
Quellen (Stand: April 2026)
Global X – Offizielle Produktseite SDIV globalxetfs.eu/de/funds/sdiv
JustETF – Zusammensetzung und Kennzahlen (Stand: 04/2026) justetf.com/de/etf-profile.html?isin=IE00077FRP95
ExtraETF – Performance und Top 10 (Stand: 17.04.2026) extraetf.com/de/etf-profile/IE00077FRP95
Parqet – Ausschüttungshistorie app.parqet.com/etf/global-x-superdividend-ucits-etf-usd-dis-IE00077FRP95
Global X US-Original SDIV – Track Record seit 2011 globalxetfs.com/funds/sdiv