Alles folgende ist keine Steuerberatung, sondern meine persönliche Meinung. Steuergesetze ändern sich und alle Angaben sind ohne Gewähr. Bitte konsultiere für deine individuelle Situation einen Steuerberater.

Wer in Deutschland investiert zahlt auf Kursgewinne, Dividenden und Zinsen 25 % Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag – effektiv 26,375 %. Das ist keine Kleinigkeit wenn man über Jahre und Jahrzehnte Vermögen aufbaut. Es gibt Länder die das komplett anders handhaben. Länder in denen Kapitalerträge schlicht nicht besteuert werden.

Aber bevor wir in die Liste einsteigen ein wichtiger Hinweis: Keine Kapitalertragssteuer bedeutet nicht automatisch null Steuern auf Investments. Die Quellensteuer fällt im Land des Unternehmens an – nicht im Wohnsitzland. Wer das übersieht erlebt böse Überraschungen. Dazu habe ich einen eigenen Artikel geschrieben: Steuerfreie Dividenden als Auswanderer – der große Denkfehler und wie du ihn vermeidest.

Außerdem gilt: Wer aus Deutschland auswandert muss die Wegzugsbesteuerung im Blick haben. Bei unrealisierten Gewinnen in Unternehmensanteilen kann Deutschland beim Wegzug eine Steuer fällig stellen als wärst du verkauft. Das ist ein komplexes Thema das zwingend mit einem Steuerberater geklärt werden sollte bevor man das Land verlässt.

Paraguay

Paraguay ist für deutschsprachige Auswanderer eines der beliebtesten Niedrigsteuerländer – nicht zuletzt weil der Daueraufenthalt (Residencia Permanente) vergleichsweise einfach und günstig zu bekommen ist. Paraguay besteuert ausschließlich im Inland erzielte Einkünfte. Wer seinen Lebensunterhalt aus ausländischen Quellen bestreitet – ETF-Ausschüttungen, Dividenden, Kapitalgewinne aus ausländischen Depots – zahlt in Paraguay darauf keine Steuer.

Kursgewinne aus dem Verkauf von Aktien oder ETFs: steuerfrei. Dividenden aus dem Ausland: steuerfrei. Das macht Paraguay besonders attraktiv für Dividendeninvestoren und Rentner die von ihrem Depot leben.

Die Kehrseite: Paraguay hat kaum Doppelbesteuerungsabkommen mit wichtigen Ländern. Das bedeutet die volle Quellensteuer auf Dividenden aus den USA, Deutschland oder der Schweiz landet direkt beim Anleger ohne Anrechungsmöglichkeit.

Uruguay

Uruguay ist stabiler und entwickelter als Paraguay – und steuerlich ebenfalls attraktiv für Investoren. Ausländische Kapitalerträge sind unter dem territorialen Steuersystem grundsätzlich steuerfrei. Uruguay gilt als eines der stabilsten Länder Südamerikas mit funktionierender Demokratie, guter Infrastruktur und relativ hohem Lebensstandard.

Der Aufenthaltsstatus ist erreichbar und Uruguay hat im Gegensatz zu Paraguay eine etwas bessere DBA-Situation – allerdings auch hier überschaubar. Für Investoren die Südamerika schätzen aber mehr Stabilität als Paraguay wollen ist Uruguay eine ernsthafte Option.

Vereinigte Arabische Emirate (Dubai)

Die VAE – und insbesondere Dubai – sind zum Magneten für vermögende Auswanderer geworden. Der Grund ist einfach: keine Einkommensteuer, keine Kapitalertragssteuer, keine Vermögensteuer, keine Erbschaftsteuer für Privatpersonen. Kursgewinne und Dividenden aus dem Ausland bleiben vollständig steuerfrei.

2023 wurde zwar eine Körperschaftsteuer von 9 % eingeführt – aber nur für lokale Unternehmen ab einem Gewinn von rund 95.000 € und betrifft Privatanleger nicht direkt.

Die VAE haben zudem ein wachsendes Netz an Doppelbesteuerungsabkommen was die Quellensteuersituation in bestimmten Fällen verbessert. Die Infrastruktur ist erstklassig, Englisch ist überall gesprochen, die Anbindung ist hervorragend.

Der Haken: Die Lebenshaltungskosten sind hoch – Dubai ist keine günstige Option. Und die UAE erwarten echte Substanz – wer nur auf dem Papier dort wohnt ohne tatsächlich präsent zu sein riskiert steuerrechtliche Probleme im Herkunftsland.

Singapur

Singapur besteuert keine Kapitalgewinne und keine Dividenden für Privatpersonen – das territoriale Steuersystem stellt ausländische Einkünfte weitgehend frei. Der Stadtstaat ist eines der führenden Finanzzentren der Welt, politisch stabil, sicher und mit exzellenter Infrastruktur ausgestattet.

Steuerlich besonders interessant: Singapur erhebt selbst keine Quellensteuer auf Dividenden – was in Kombination mit irischen ETFs auf singapurische Aktien eine vollständig quellensteuerfreie Konstruktion ermöglicht.

Der Aufenthaltsstatus in Singapur ist nicht ganz einfach zu bekommen – es gibt verschiedene Wege aber alle erfordern entweder erhebliches Kapital, eine Arbeitsstelle oder unternehmerische Tätigkeit. Für reine Privatanleger ohne lokales Einkommen ist der Weg nach Singapur bürokratisch anspruchsvoller als nach Paraguay.

Hongkong

Hongkong erhebt keine Kapitalertragssteuer und keine Quellensteuer auf Dividenden – für Privatanleger eine der saubersten steuerlichen Strukturen weltweit. Auch Hongkong ist ein globales Finanzzentrum mit starker Infrastruktur und etabliertem Rechtssystem nach britischem Common Law.

Was viele abschreckt: die politische Situation seit 2019/2020 hat das Vertrauen in Hongkongs Autonomie erschüttert. Wer langfristig plant sollte dieses Risiko realistisch einschätzen.

Monaco

Monaco ist das bekannteste Steuerparadies Europas – keine Einkommensteuer, keine Kapitalertragssteuer, keine Quellensteuer. Dafür ist Monaco eines der teuersten Pflaster der Welt. Der Aufenthaltsstatus erfordert einen Nachweis ausreichender finanzieller Mittel und eine Unterkunft in Monaco – Mietpreise die ihresgleichen suchen.

Für Normalsterbliche keine realistische Option. Für Vermögende mit siebenstelligem Depot und europäischem Lebensstilwunsch aber durchaus interessant.

Schweiz

Die Schweiz ist ein Sonderfall. Sie erhebt keine Kapitalertragssteuer auf Kursgewinne – aber Dividenden werden als Einkommen besteuert. Außerdem gibt es eine Vermögenssteuer je nach Kanton. Wer aktiv tradet riskiert als gewerblicher Händler eingestuft zu werden was die Steuerfreiheit bei Kursgewinnen aufhebt.

Für reine Dividendeninvestoren ist die Schweiz also weniger attraktiv als es auf den ersten Blick scheint. Für Wachstumsinvestoren die nicht ausschütten und selten verkaufen kann sie interessant sein – besonders in steuerlich günstigen Kantonen wie Zug oder Schwyz.

Panama

Panama operiert mit einem territorialen Steuersystem – im Ausland erzielte Einkünfte bleiben steuerfrei. Kursgewinne und Dividenden aus ausländischen Depots werden nicht besteuert. Panama ist dollarisiert, hat eine moderne Finanzinfrastruktur und ist durch den Kanal geopolitisch stabil.

Der Aufenthaltsstatus ist über verschiedene Wege erreichbar, unter anderem das Qualified Investor Visa ab 300.000 USD Investition.

Philippinen

Die Philippinen haben ein territoriales Steuersystem – ausländische Einkünfte sind grundsätzlich steuerfrei. Für Ausländer mit Retirement-Visa (SRRV) ist das besonders attraktiv: keine Steuer auf ausländische Dividenden, Kursgewinne oder Renten. Die Lebenshaltungskosten sind niedrig, das Klima tropisch, Englisch ist Amtssprache.

Die Infrastruktur ist ungleichmäßig und die Bürokratie kann mühsam sein – aber für Frührentner mit passivem Einkommen sind die Philippinen eine zunehmend beliebte Option in der deutschsprachigen Auswanderer-Community.

Das wichtigste Fazit

Länder ohne Kapitalertragssteuer sind attraktiv – aber kein Freifahrtschein. Drei Punkte die immer gelten:

Erstens die Quellensteuer fällt trotzdem an – im Land des Unternehmens, nicht im Wohnsitzland. Das fehlende DBA kann dazu führen dass man am Ende mehr zahlt als in Deutschland.

Zweitens die Wegzugsbesteuerung aus Deutschland muss vor dem Umzug geklärt werden – das kann teuer werden wenn man es ignoriert.

Drittens Steuergesetze ändern sich. Was heute gilt muss morgen nicht mehr stimmen. Eine regelmäßige Überprüfung der eigenen Situation und im Zweifel ein spezialisierter Steuerberater sind keine Luxus sondern Notwendigkeit.

Philipp Schilke
Philipp Schilke
Mechaniker · Finanzanlagefachmann (IHK) · Gründer Bullish TV

Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.


Alles in diesem Artikel ist keine Steuerberatung, sondern meine persönliche Meinung. Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte konsultiere für deine individuelle Situation einen Steuerberater.

perspektiveausland.com – 8 Länder ohne Kapitalertragssteuer (Stand: November 2025) perspektiveausland.com/im-fokus/8-laender-zum-auswandern-in-denen-kapitalgewinne-steuerfrei-sind

globalsetup.com – Die 7 besten Länder ohne Kapitalertragssteuer globalsetup.com/magazin/laender-ohne-kapitalertragsteuer

mirabelloconsultancy.com – 8 steuerfreie Länder für Investoren 2025 mirabelloconsultancy.com/de/blog/tax-free-countries

fiala.de – Auswandern als Vermögender: Die besten Länder im Vergleich (August 2025) fiala.de/auswandern-als-vermoegender/

travelicia.de – Die besten steuerfreien Länder im Vergleich (September 2025) travelicia.de/50-steuerfreie-laender/

wohnsitzausland.com – Länder ohne Kapitalertragsteuer für Trader wohnsitzausland.com/steuerlich-interessante-wohnsitzstaaten-fuer-trader

In welchen Ländern gibt es keine Kapitalertragssteuer?

Zu den bekanntesten Ländern ohne Kapitalertragssteuer für Privatanleger zählen Paraguay, Uruguay, die Vereinigten Arabischen Emirate, Singapur, Hongkong, Monaco, Panama und die Philippinen. Auch die Schweiz besteuert Kursgewinne nicht – Dividenden gelten dort aber als steuerpflichtiges Einkommen. Alle Angaben ohne Gewähr da sich Steuergesetze jederzeit ändern können.

Zahle ich als Auswanderer in Paraguay wirklich keine Steuern auf Dividenden?

Paraguay besteuert keine ausländischen Kapitalerträge – Dividenden und Kursgewinne aus ausländischen Depots bleiben steuerfrei. Allerdings fällt die Quellensteuer direkt im Land des Unternehmens an. Da Paraguay kaum Doppelbesteuerungsabkommen hat zahlt man auf US-Dividenden beispielsweise die vollen 30 % Quellensteuer ohne Anrechnungsmöglichkeit – oft mehr als in Deutschland.

Was ist die Wegzugsbesteuerung und warum ist sie wichtig?

Wer Deutschland mit unrealisierten Gewinnen in Unternehmensanteilen verlässt muss unter Umständen eine Steuer zahlen als hätte er diese Anteile verkauft – auch wenn er das gar nicht getan hat. Das betrifft vor allem GmbH-Anteile und Beteiligungen ab 1 % an Kapitalgesellschaften. Aktien und ETFs im Privatdepot sind in der Regel nicht betroffen. Das Thema sollte zwingend vor dem Wegzug mit einem Steuerberater geklärt werden.

Ist Dubai wirklich komplett steuerfrei für Investoren?

Für Privatpersonen ja – keine Einkommensteuer, keine Kapitalertragssteuer, keine Vermögensteuer. Die 2023 eingeführte Körperschaftsteuer von 9 % betrifft nur lokale Unternehmen ab einem Gewinn von rund 95.000 € und ist für reine Privatanleger nicht relevant. Die Quellensteuer im Ursprungsland der Dividenden fällt aber trotzdem an.

Ist die Schweiz ein gutes Land für Dividendeninvestoren?

Nur bedingt. Kursgewinne sind steuerfrei – aber Dividenden gelten als Einkommen und werden besteuert. Dazu kommt eine kantonale Vermögensteuer. Wer häufig tradet riskiert außerdem als gewerblicher Händler eingestuft zu werden. Für Wachstumsinvestoren die selten verkaufen und nicht ausschütten kann die Schweiz interessant sein – für klassische Dividendeninvestoren ist sie weniger attraktiv als ihr Ruf vermuten lässt.

Reicht es den Wohnsitz auf dem Papier ins Ausland zu verlegen?

Nein. Deutschland prüft ob der Lebensmittelpunkt tatsächlich ins Ausland verlagert wurde. Wer seinen Wohnsitz abmeldet aber weiterhin regelmäßig in Deutschland lebt, arbeitet oder dessen Familie noch hier wohnt bleibt steuerlich in Deutschland. Entscheidend ist der tatsächliche Lebensmittelpunkt – nicht das Datum auf der Abmeldebescheinigung.

Welches Land ohne Kapitalertragssteuer eignet sich am besten für deutschsprachige Auswanderer?

Das hängt stark von der persönlichen Situation ab. Paraguay ist günstig, einfach zugänglich und beliebt in der deutschsprachigen Community – aber mit wenig Infrastruktur und kaum DBAs. Dubai bietet erstklassige Infrastruktur und null Steuern aber hohe Lebenshaltungskosten. Die Philippinen sind günstig mit niedrigem Steuersystem und englischsprachig. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht – entscheidend sind Lebenshaltungskosten, Aufenthaltsvoraussetzungen, DBAs und persönliche Präferenzen.