Lange Zeit war der JPMorgan Global Equity Premium Income Active UCITS ETF – kurz JEPG – mein Favorit unter den europäischen CC-ETFs. Gute Diversifikation, aktives Management von einem der größten Asset Manager der Welt, moderate Kosten und verlässliche monatliche Ausschüttungen. Das Bild hat sich im letzten Jahr etwas eingetrübt – der Kurs hat Federn gelassen und die Performance ist mau. Aber ich bin noch drin und erkläre warum.

Alles Folgende ist keine Anlageberatung sondern nur meine persönliche Meinung. Alle Angaben ohne Gewähr.

Was ist der JEPG?

Der JPMorgan Global Equity Premium Income Active UCITS ETF ist ein aktiv gemanagter ETF. Das bedeutet: kein starres Index-Folgen sondern ein Team aus Fondsmanagern das täglich Entscheidungen trifft – welche Aktien gehalten werden, welche Optionen verkauft werden und in welchem Umfang der Covered-Call-Overlay eingesetzt wird.

Das Ziel des ETFs ist es monatliche Erträge zu generieren und gleichzeitig langfristiges Kapitalwachstum zu erzielen. Als Benchmark dient der MSCI World – der ETF versucht eine höhere Gesamtrendite zu erzielen indem er ein defensives globales Aktienportfolio mit einem Optionen-Overlay kombiniert.

Ein Merkmal das ihn von passiven CC-ETFs unterscheidet: Unterbewertete Unternehmen werden stärker gewichtet. Das Fondsmanagement sucht gezielt nach Aktien die der Markt seiner Meinung nach zu günstig bewertet – ähnlich einem Value-Ansatz. Das ist interessant – erklärt aber auch warum der ETF in Phasen in denen Wachstumstitel dominieren schwächer performt.

→ So funktionieren CC ETFs – Covered Call ETFs erklärt

Die Eckdaten (Stand: April 2026)

0,35% TER für einen aktiv gemanagten ETF dieser Art ist fair. Viele aktive Fonds kosten das Doppelte. Dass JPMorgan hier günstig geblieben ist zeigt dass sie das Produkt massentauglich positionieren wollen.

Zusammensetzung – was steckt drin?

Top 10 Holdings (Stand: April 2026): Johnson & Johnson, Southern Company, Newmont Corp, Deutsche Telekom, McDonald’s, AT&T, PepsiCo, Orange SA, Motorola Solutions und Berkshire Hathaway B. Diese zehn Positionen machen zusammen rund 15% des ETFs aus – eine sehr gesunde Diversifikation.

Wer diese Namen liest erkennt sofort den Charakter des ETFs: defensive Qualitätsunternehmen mit stabilen Dividenden, keine spekulativen Wachstumstitel. Johnson & Johnson, PepsiCo, McDonald’s – das sind klassische Value- und Dividendentitel. Keine Magnificent 7, kein Tech-Schwergewicht an erster Stelle.

Da der ETF aktiv gemanagt wird ändert sich die Zusammensetzung regelmäßig. Was heute Top 10 ist kann in sechs Monaten schon ganz anders aussehen – das ist ausdrücklich Teil des Konzepts.

Sektoren: Die größten Sektoren sind Informationstechnologie, Gesundheitswesen und Finanzdienstleistungen – aber deutlich ausgewogener verteilt als bei einem reinen Tech-Index. 39 verschiedene Branchen (11 Sektoren) sind laut Finanzfluss im ETF vertreten – das zeigt wie breit das Portfolio gestreut ist.

Länder: Der ETF ist global ausgerichtet mit Fokus auf Industrieländer. Die USA dominieren – aber weniger stark als in einem normalen MSCI World ETF. Japan hat einen Anteil von über 10% – dazu gleich mehr.

Performance – ehrliche Bestandsaufnahme

Hier wird es interessant – und hier muss ich transparent sein.

Aktuelle Performancedaten (Quelle: Divvydiary, Stand: April 2026):

Der reine Kursverlust ist real und schmerzt. Der ETF hat seit Auflage im Kurs verloren. Das ist keine schöne Zahl.

Aber – und das ist der wichtige Punkt – im Total Return ist der ETF positiv. Die monatlichen Ausschüttungen kompensieren den Kursverlust mehr als vollständig. Wer jeden Monat seine Dividenden reinvestiert hat seit Auflage rund 5,7% Gesamtrendite erzielt – das entspricht einem CAGR von rund 4,1% p.a. Das ist für einen CC-ETF in einem schwierigen Marktumfeld kein Desaster sondern ein solides Ergebnis.

Was die schwache Kursperformance erklärt: Der Value-Bias des ETFs – also die Übergewichtung von unterbewerteten Unternehmen – hat in einem Markt in dem Growth-Titel und KI-Aktien alles dominiert haben strukturell schlechter abgeschnitten. Dazu kommt der schwache US-Dollar gegenüber dem Euro der die USD-denominierte Performance für europäische Anleger weiter gedrückt hat.

Der JEPG im Community Depot

Der JEPG ist mit 25% Gewichtung Teil der ETF-Basis in unserem Community Depot – hier gehts zum Community Depot.

Die Entscheidung dafür war bewusst: Ich bin ein Freund davon eine Strategie durchzuziehen auch wenn es mal nicht so gut läuft. Der ETF tut was er soll – monatlicher Cashflow, globale Diversifikation, geringere Volatilität als ein reiner Index-ETF. Wer in einer Strategie nervös wird weil ein Jahr schwach war macht oft den Fehler zum falschen Zeitpunkt umzuschichten.

Der Japan-Anteil und das Yen-Carry-Trade-Risiko

Ein Punkt der mir beim JEPG auffällt und den ich für wichtig halte: Japan hat einen Anteil von über 10% im ETF. Das ist für einen Global-ETF viel und bringt ein spezifisches Risiko mit sich das viele Anleger nicht auf dem Schirm haben – den Yen Carry Trade.

Was ist der Yen Carry Trade? Jahrzehntelang haben institutionelle Investoren weltweit eine einfache Strategie genutzt: Günstig in japanischen Yen leihen – Zinsen in Japan waren extrem niedrig, teilweise nahe null – und dieses Geld in höher verzinste Anlagen investieren wie US-Aktien, Anleihen oder Schwellenländer. Die Zinsdifferenz war der Gewinn.

Dieses System funktioniert solange der Yen schwach bleibt und die Zinsdifferenz zwischen Japan und anderen Ländern groß ist. Steigt der Yen stark an oder erhöht die Bank of Japan (BoJ) die Zinsen aggressiv müssen diese Positionen aufgelöst werden – und das kann schnell und heftig passieren.

Im August 2024 haben wir das in kleinem Maßstab erlebt: Die BoJ hob die Zinsen überraschend an, der Yen wertete stark auf, weltweit wurden Positionen aufgelöst und Märkte gaben innerhalb weniger Tage deutlich nach – auch japanische Aktien.

Warum ist das relevant für den JEPG? Ein ETF mit über 10% Japan-Anteil hat eine direkte Währungsexposition zum Yen. Wenn der Yen aufwertet verliert der ETF auf seiner Japan-Position Wert in Euro-Rechnung – zusätzlich zum etwaigen Kursrückgang japanischer Aktien. Und wenn ein Carry-Trade-Unwind breit genug ist können auch nicht-japanische Märkte in Mitleidenschaft gezogen werden.

Das ist kein Grund den ETF nicht zu kaufen – aber ein Risiko das man kennen sollte.

Meine Einschätzung

Ich halte den JEPG nach wie vor für einen der besten CC-ETFs die für europäische Anleger verfügbar sind. Die Gründe:

Erstens ist die globale Diversifikation mit 245 Positionen aus 39 Branchen und Industrieländern weltweit deutlich breiter als bei den meisten CC-ETFs die auf einen einzigen Index wie S&P 500 oder Nasdaq setzen.

Zweitens ist das aktive Management ein echter Vorteil gegenüber einem starren Buy-Write-Index – gerade wenn Marktphasen sich schnell ändern.

Drittens ist die TER von 0,35% für ein aktives Produkt dieser Qualität fair.

Die schwache Kursperformance der letzten anderthalb Jahre erkläre ich mit dem Value-Bias in einem Growth-dominierten Markt und dem starken Euro gegenüber dem Dollar. Beides sind keine strukturellen Fehler des ETFs sondern Marktphasen die sich drehen können.

Eines sollte man sich aber klar machen: Der ETF ist jung – er ist seit November 2023 am Markt. Eine echte Krise hat er noch nicht durchlebt. Das gilt für fast alle UCITS CC-ETFs. Wie er sich in einem anhaltenden Bärenmarkt schlägt werden wir erst sehen wenn es soweit ist.


Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageberatung sondern nur meine eigene Meinung. Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Entwicklungen. Kapitalanlagen bergen Risiken.

Quellen (Stand: April 2026)

JPMorgan Asset Management – Offizielle Produktseite JEPG am.jpmorgan.com/lu/en/asset-management/per/products/jpm-global-equity-premium-income-active-ucits-etf-usd-dist-ie0003uvyc20

ExtraETF – Zusammensetzung und Kennzahlen (Stand: 17.04.2026) extraetf.com/de/etf-profile/IE0003UVYC20

Divvydiary – Ausschüttungshistorie und Performance divvydiary.com/de/jpm-global-equity-premium-income-active-ucits-usd-dist-etf-IE0003UVYC20

Brokervergleich.de – Yen Carry Trade erklärt brokervergleich.de/wissen/expertisen/yen-carry-trade