
Private Equity ist normalerweise eine Spielwiese für institutionelle Anleger und vermögende Privatpersonen. Mindestinvestitionen von mehreren hunderttausend Euro, jahrelange Kapitalbindung, keine Handelbarkeit. Dieser ETF macht dasselbe Thema für jeden zugänglich – zu Börsenpreisen, täglich handelbar, ab einem Euro Sparrate. Was dahintersteckt und warum der ETF trotz starker Langzeitperformance kein risikoarmes Investment ist – das schauen wir uns jetzt an.
Alles Folgende ist keine Anlageberatung sondern nur meine persönliche Meinung. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was ist Private Equity überhaupt?
Private Equity bezeichnet Kapitalbeteiligungen an Unternehmen die nicht öffentlich an der Börse gehandelt werden – zum Beispiel Start-ups, mittelständische Unternehmen in Wachstumsphasen oder Firmen die durch Leveraged Buyouts restrukturiert werden. Investoren erwerben Anteile, bringen Kapital und oft auch operative Expertise ein und verdienen entweder durch spätere Exits oder laufende Ausschüttungen aus dem Beteiligungsportfolio.
Normalerweise sind solche Investments ausschließlich professionellen und vermögenden Anlegern vorbehalten. Wer als Privatanleger trotzdem Zugang zum Private-Equity-Sektor sucht hat zwei Möglichkeiten: Business Development Companies (BDCs) – dazu gibt es einen separaten Artikel – oder börsennotierte Private-Equity-Gesellschaften wie Blackstone, KKR oder Ares Capital, die selbst an der Börse gelistet sind und in die ein ETF problemlos investieren kann.
Was bildet der ETF ab?
Der iShares Listed Private Equity UCITS ETF bildet den S&P Listed Private Equity Index nach. Dieser Index enthält die 30 größten und liquidesten börsennotierten Private-Equity-Unternehmen aus Nordamerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum. Voraussetzung für die Aufnahme: Mindestgröße, ausreichende Liquidität und der überwiegende Anteil der Geschäftstätigkeit muss tatsächlich im Private-Equity-Bereich liegen.
Aktuell enthält der ETF rund 87 Positionen – der Index selbst enthält nur 30 Kerntitel, der ETF bildet aber breiter ab durch vollständige physische Replikation aller enthaltenen Instrumente.
iShares Listed Private Equity UCITS ETF – Die Eckdaten (Stand: April 2026)
Ausschüttende Variante (Empfehlung für Dividendenstrategie):
- ISIN: IE00B1TXHL60 | WKN: A0MM0N
- Auflage: 16. März 2007
- Anbieter: iShares / BlackRock
- Domizil: Irland
- TER: 0,75%
- Replikation: Vollständig physisch
- Ausschüttung: Halbjährlich – Mai und November
- Ausschüttungsrendite: rund 3,5% (Stand: April 2026)
- Fondsvermögen: rund 700–850 Millionen Euro (je nach Quelle und Datum)
- Positionen: 87
Thesaurierende Variante:
- ISIN: IE000D8FCSD8 | WKN: A3DA9X
- Auflage: Januar 2022
- Fondsvermögen: deutlich kleiner – für Wachstumsstrategie geeignet
Zusammensetzung – wer steckt drin?
Top 10 Holdings (Stand: April 2026): Brookfield Asset Management, 3i Group, Blackstone, Partners Group, Apollo Global Management, EQT, KKR, Ares Capital, Washington H. Soul Pattinson und Brookfield Asset Management (zweite Anteilsklasse). Diese zehn Positionen machen rund 50% des ETFs aus.
Auffällig: Die Zusammensetzung hat sich im Vergleich zu früheren Jahren verschoben. Mit Ares Capital ist auch eine klassische BDC unter den Top 10 – was wir schon in einem früheren Artikel als interessanten Randaspekt erwähnt haben. Aber der ETF ist kein reiner BDC-ETF – er enthält vor allem große Private-Equity-Gesellschaften die selbst als Asset Manager tätig sind.
Länder: Die USA liegen mit rund 44% an erster Stelle – das ist im Vergleich zu einem MSCI World deutlich weniger. Europa ist mit Ländern wie Großbritannien, der Schweiz (Partners Group, EQT) und Schweden gut vertreten. Das gibt dem ETF eine andere regionale Balance als die meisten Welt-ETFs.
Sektoren: Nahezu 100% Finanzdienstleistungen – das ist keine Überraschung bei einem Sektor-ETF der ausschließlich in Finanzunternehmen investiert. Wer das vergisst und den ETF zu einem ohnehin finanzlastigen Dividendenportfolio hinzufügt verdoppelt seinen Finanzsektor-Anteil.
Performance – die ehrliche Bestandsaufnahme
Hier wird es interessant – und wichtig ehrlich zu sein.
Langfristig: Seit Auflage 2007 hat der ETF inklusive Ausschüttungen rund 289% erzielt – das entspricht rund 7% nominaler Jahresrendite über fast 19 Jahre. In bestimmten Zeiträumen hat er den MSCI World geschlagen, was für einen Sektor-ETF bemerkenswert ist.
Mittelfristig:
- 3 Jahre: +34,80% (rund 10,5% p.a.)
- 5 Jahre: +31,55%
Kurzfristig – und das ist der entscheidende Punkt 2026:
- 1 Jahr: -4,40%
- 2026 bisher: -14,25%
- 3 Monate: -16,82%
Der ETF hat seit Jahresbeginn 2026 massiv verloren. Das ist kein Zufall – Private-Equity-Gesellschaften reagieren sehr sensibel auf steigende Zinsen, nachlassende Deal-Aktivität und eine allgemeine Risikoaversion am Markt. Geopolitische Unsicherheiten und Zollsorgen haben 2026 den gesamten Finanzsektor belastet.
Das ist kein Grund zur Panik – aber ein guter Anlass sich in Erinnerung zu rufen was dieser ETF eigentlich ist.
Das Risikoprofil – was viele unterschätzen
Dieser ETF ist ein Sektor-ETF auf einen zyklischen und hebellastigen Sektor. Das hat konkrete Konsequenzen.
Private-Equity-Gesellschaften arbeiten mit Fremdkapitalhebel – das verstärkt Gewinne in guten Zeiten und Verluste in schlechten. Der maximale historische Drawdown dieses ETFs liegt bei über 80% – das ist kein Tippfehler. Während der Finanzkrise 2008/2009 hat der ETF in einem fast zweijährigen Abwärtstrend den Großteil seines Wertes verloren. Das auszuhalten braucht starke Nerven und einen sehr langen Zeithorizont.
Die aktuelle Volatilität von rund 18% ist für einen Sektor-ETF noch moderat – kann aber in Krisenzeiten deutlich ansteigen. Der Maximum Drawdown über die letzten 12 Monate lag zuletzt bei -16%.
Außerdem gilt: Wer bereits in Dividenden-ETFs wie den FTSE All World High Dividend Yield oder ähnliche Produkte investiert hat einen ohnehin hohen Finanzsektor-Anteil im Portfolio. Dieser ETF erhöht ihn weiter – das sollte bewusst sein.
TER von 0,75% – ist das zu teuer?
Für einen passiven ETF ist 0,75% viel. Zum Vergleich: Ein MSCI World ETF kostet 0,12–0,20%. Der Unterschied über 20 Jahre summiert sich erheblich.
Die Gegenfrage: Wenn die Gesamtperformance stimmt sind Kosten nachrangig. Das ist grundsätzlich richtig – aber nur solange der ETF tatsächlich outperformt. In einem schwachen Marktumfeld fressen höhere Kosten die Rendite überproportional auf. Das ist ein Argument für ehrliche Erwartungshaltung – nicht gegen den ETF an sich.
Das Kakerlaken-Problem – und warum ich trotzdem nicht in Panik verfalle
Es gibt eine Warnung die man im Zusammenhang mit Private Equity und Private Credit aktuell immer häufiger hört. Jamie Dimon, Chef von JPMorgan und einer der wenigen Banker der die Finanzkrise 2008 aus erster Reihe miterlebt hat, hat im Herbst 2025 auf einer Analystenkonferenz einen Satz gesagt der an der Wall Street zum geflügelten Wort wurde: „Ich sollte das vermutlich nicht sagen. Aber wo eine Kakerlake ist, da gibt es wahrscheinlich noch mehr.“
Er bezog sich dabei auf Ausfälle im Private-Credit-Markt – Unternehmen wie Tricolor und First Brands die insolvent gingen und dabei Verluste bei mehreren Kreditgebern hinterließen. In seinem vielbeachteten Jahresaktionärsbrief warnte Dimon vor deutlich höheren Verlusten im Bereich Private Credit als der Markt derzeit einpreist – und zog Parallelen zu den Jahren vor 2008, als sich alle gut fühlten weil die steigende Flut alle Boote hob.
Die Kritik trifft dabei weniger börsennotierte Private-Equity-Gesellschaften wie Blackstone oder KKR direkt – sondern vor allem den Private-Credit-Markt, also Direktkreditvergabe außerhalb des klassischen Bankensystems. Dieser Markt ist in einer Dekade billiger Zinsen und ausbleibender Rezessionen groß geworden – und steht jetzt vor einem Stresstest den er in dieser Größenordnung noch nie durchlaufen hat. Investrends Auch Blue Owl Capital – im ETF enthalten – hat in 2025/2026 massiv an Wert verloren.
Wie ernst ist das zu nehmen? Ich halte die Warnung für berechtigt und ernst gemeint. Dimon ist kein Panikmacher sondern einer der erfahrensten Banker der Welt. Gleichzeitig sehe ich das für den iShares Listed Private Equity ETF aktuell noch nicht als unmittelbar dramatisch an. Der ETF enthält vor allem große, etablierte Asset-Manager-Plattformen wie Blackstone, KKR, Apollo und Partners Group – keine obskuren Direktkreditfonds. Diese Gesellschaften sind diversifiziert, reguliert und haben auch 2008 überlebt.
Was ich daraus konkret ableite: BDCs lasse ich aktuell aus dem Depot. Die Nähe zum Private-Credit-Markt ist bei BDCs strukturell deutlich direkter als bei den börsennotierten PE-Gesellschaften im ETF. BDCs leben davon Kredite an mittelständische Unternehmen zu vergeben – genau der Bereich der Dimon Sorgen bereitet. Wenn der Kreditzyklus dreht und Ausfallraten steigen werden BDCs das als erste spüren. Das bedeutet nicht dass BDCs grundsätzlich schlechte Investments sind – aber das Timing-Risiko ist mir aktuell zu hoch.
Beim iShares Listed Private Equity ETF sehe ich das differenzierter. Die aktuelle Kursschwäche 2026 ist real – aber sie ist auch ein Einstiegspunkt für alle die langfristig an den Sektor glauben und das Risiko kennen.
Meine Einschätzung
Der iShares Listed Private Equity ETF ist kein Basisinvestment – er ist eine Sektorwette auf einen Bereich der normalerweise institutionellen Anlegern vorbehalten ist. Die langfristige Performance ist respektabel. Die Diversifikation im Sektor ist solide. Der Zugang zu Unternehmen wie Blackstone, KKR oder Partners Group über einen regulierten ETF-Mantel ist ein echter Mehrwert.
Aber: Das Risiko ist real. Die aktuelle Schwäche 2026 ist ein gutes Beispiel dafür wie schnell Private-Equity-Werte in schwierigen Marktphasen einbrechen können. Als Beimischung – 5 bis 10% eines Portfolios – finde ich den ETF nach wie vor interessant. Als Hauptposition oder für Anleger die sich über das Risikoprofil nicht vollständig bewusst sind ist er nicht geeignet.
Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageberatung nur meine eigene Meinung. Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Entwicklungen.
Quellen (Stand: April 2026)
iShares / BlackRock – Offizielle Produktseite ishares.com/de/privatanleger/de/produkte/251918
JustETF – Zusammensetzung und Kennzahlen justetf.com/de/etf-profile.html?isin=IE00B1TXHL60
ExtraETF – Performance und Top 10 (Stand: 10.04.2026) extraetf.com/de/etf-profile/IE00B1TXHL60
S&P Global – Listed Private Equity Index spglobal.com/spdji/en/indices/thematics/sp-listed-private-equity-index
Handelsblatt – Märkte Insight: Warum die Wall Street über Kakerlaken streitet (Oktober 2025) handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/kolumnen/maerkte-insight-warum-die-wall-street-ueber-kakerlaken-streitet/100163790.html
investrends.ch – Private Credit: Jamie Dimon warnt, Privat-Anleger flüchten (April 2026) investrends.ch/aktuell/news/private-credit-unter-druck-jamie-dimon-warnt-anleger-fluchten