Geld auf dem Konto fühlt sich sicher an. Es ist da, es ist sichtbar, es verschwindet nicht über Nacht. Und trotzdem verliert es jeden Tag an Wert. Nicht weil jemand es wegnimmt – sondern weil die Inflation still und leise daran knabbert. Wer langfristig Vermögen aufbauen will kommt an der Börse nicht vorbei. Das ist keine Meinung – das ist Mathematik.

Was passiert wirklich mit Geld auf dem Konto?

Inflation bedeutet dass Preise steigen – und damit dein Geld weniger kaufen kann. Bei 2,5% Inflation pro Jahr verlieren 10.000€ in 10 Jahren rund 2.200€ Kaufkraft – obwohl auf dem Konto noch 10.000€ stehen. In 20 Jahren sind es fast 4.000€. Das Geld ist noch da, aber es kann weniger. Wie stark Inflation an deinem Vermögen nagt kannst du in unserem Inflationsrechner selbst durchrechnen.

Das Tagesgeldkonto bringt aktuell vielleicht 2-3% – das gleicht die Inflation gerade so aus, mehr nicht. Von echtem Vermögensaufbau ist das weit entfernt.

15 Jahre – die magische Grenze

Wer einen Anlagehorizont von mindestens 15 Jahren hat sollte sein Geld investiert haben. Nicht weil es eine Regel ist – sondern weil die Daten eindeutig sind.

Laut Finanztip-Berechnungen war die Rendite des MSCI World in jedem beliebigen 15-Jahres-Zeitraum seit 1975 positiv – unabhängig davon wann man eingestiegen ist. Selbst wer zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt investiert hat kam nach 15 Jahren mit einem Plus heraus. Im schlechtesten Fall waren es 1,3% pro Jahr, im Durchschnitt rund 8%.

Das ist kein Versprechen für die Zukunft. Aber es ist ein sehr starkes historisches Argument dafür dass Zeit der wichtigste Faktor beim Investieren ist – nicht der perfekte Einstiegszeitpunkt.

Wann das Geld nicht investiert sein sollte

Es gibt Ausnahmen – und die sind wichtig. Wer in den nächsten Jahren eine größere Ausgabe plant sollte dieses Geld nicht an der Börse haben. Neue Küche, Auto, Hauskauf, Weltreise – alles was in absehbarer Zeit gebraucht wird gehört nicht ins Depot.

Für solche Vorhaben eignen sich besser kurzlaufende Anleihen oder Geldmarktfonds. Ich bin bekanntermaßen kein großer Freund von Anleihen – aber für kurzfristige Ziele mit klar definiertem Zeithorizont machen sie Sinn. Der entscheidende Unterschied: Du weißt wann du das Geld brauchst, und du kannst dir keine Kursschwankungen leisten kurz bevor du es brauchst.

Der Notgroschen – wie viel ist genug?

Bevor überhaupt ans Investieren zu denken ist sollte ein Notgroschen vorhanden sein. Der Notgroschen ist das Geld das dir den Rücken freihält wenn unerwartete Ausgaben kommen – Autoreparatur, kaputte Heizung, Jobverlust.

Als Faustregel gelten 3 bis 6 Nettogehälter für Angestellte. Wer selbstständig ist oder unregelmäßige Einnahmen hat sollte eher 12 Monatsausgaben ansetzen – ich orientiere mich selbst daran. Der Notgroschen liegt auf dem Tagesgeldkonto, nicht im Depot. Er soll verfügbar sein, nicht renditestark.

Ein bisschen Cash ist okay – aber nicht zu viel

Ich halte selbst immer etwas Cash bereit – sogenanntes Dry Powder. Das gibt ein gutes Gefühl und ermöglicht es in Krisenphasen günstig nachzukaufen. Ich weiß dass man bei langem Zeithorizont theoretisch immer voll investiert sein sollte – die Daten sprechen dafür. Aber ein kleines Polster an Liquidität hilft mir dabei ruhig zu schlafen und emotionale Entscheidungen zu vermeiden. Das ist eine persönliche Entscheidung die jeder für sich treffen muss.

Die Entscheidung die du treffen musst

Am Ende läuft es auf eine einfache Frage hinaus: Was ist dir lieber?

Dass dein Geld auf dem Konto liegt, sich sicher anfühlt, und trotzdem Jahr für Jahr real an Wert verliert – still, unsichtbar, unaufhaltsam?

Oder dass es an der Börse investiert ist, gelegentlich schwankt, Phasen hat in denen es auf dem Papier weniger wert ist – aber langfristig für sich arbeitet?

Die Börse ist keine Einbahnstraße. Es gibt Crashs, es gibt schlechte Jahre, es gibt Momente wo man am liebsten alles verkaufen würde. Wer das nicht aushält sollte entweder seinen Anlagehorizont ehrlich einschätzen oder seinen Aktienanteil reduzieren. Aber wer langfristig denkt und die Schwankungen akzeptiert hat historisch immer gewonnen – gegenüber dem der sein Geld auf dem Konto gelassen hat.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und spiegelt meine persönliche Meinung wider. Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewährleistung.