Es gibt Unternehmen die durch Weltkriege, Wirtschaftskrisen, Pandemien und Börsencrashs gegangen sind – und dabei jedes einzelne Jahr ihre Dividende erhöht haben. Nicht einmal ausgesetzt. Nicht einmal gekürzt. Einfach weiter erhöht. Das ist kein Zufall. Das ist ein Zeichen für ein Geschäftsmodell das funktioniert – egal was die Welt gerade macht.

Was sind Dividenden-Aristokraten?

Dividenden-Aristokraten sind Unternehmen die ihre Dividende mindestens 25 Jahre in Folge jährlich gesteigert haben. Das klingt nach einer einfachen Definition – aber was dahinter steckt ist bemerkenswert. 25 Jahre bedeutet: durch die Dotcom-Blase, durch die Finanzkrise 2008, durch Corona – immer weiter, immer mehr.

Der bekannteste Index für US-Dividenden-Aristokraten ist der S&P 500 Dividend Aristocrats. Er enthält aktuell rund 65 Unternehmen – darunter Procter & Gamble, Coca-Cola, Johnson & Johnson und Colgate-Palmolive. Namen die jeder kennt, Produkte die jeder täglich nutzt.

Was sind Dividenden-Könige?

Noch eine Stufe höher stehen die Dividenden-Könige – Unternehmen mit mindestens 50 Jahren ununterbrochener Dividendensteigerung. Procter & Gamble steigert seit über 66 Jahren, Johnson & Johnson seit fast 70 Jahren. Den absoluten Rekord hält American States Water – ein US-Wasserversorger der seit 1954 jedes Jahr mehr ausschüttet, also seit über 70 Jahren in Folge.

Und dann gibt es noch eine ganz besondere Kategorie: Unternehmen die seit über 100 Jahren überhaupt Dividenden zahlen. Exxon Mobil zahlt seit 1877 ohne eine einzige Unterbrechung. Coca-Cola seit 1920. Nestlé seit 1923. Zwei Weltkriege, die Große Depression, die Ölkrisen, Corona – die Dividende floss immer.

Warum sind diese Unternehmen so stabil?

Meine Überzeugung: Wer über Jahrzehnte seine Dividende steigern kann hat ein Geschäftsmodell das krisenfest ist. Kein Luxus – Grundbedarf. In einer Rezession kaufst du kein neues Auto. Aber du putzt dir die Zähne. Du trinkst Wasser. Du kaufst Waschmittel. Die Unternehmen hinter diesen Produkten machen gute Geschäfte egal was an der Börse passiert – und genau das zeigt sich in der Dividendenhistorie.

Dazu kommt ein psychologischer Faktor der unterschätzt wird: Kein Manager möchte derjenige sein der eine 60-jährige Dividendenserie beendet. Das schafft einen enormen internen Druck die Ausschüttungen aufrechtzuerhalten – und zwingt das Management zu nachhaltigem Wirtschaften.

Rechenbeispiel

Wer das in Zahlen sehen will: Angenommen du investierst heute 10.000€ in eine Aktie die 3% Dividende zahlt – das sind 300€ im ersten Jahr. Wenn diese Dividende jährlich um 3% wächst, bekommst du nach 30 Jahren nicht mehr 300€ sondern rund 728€ pro Jahr – auf denselben ursprünglichen Einsatz. Und das ohne einen einzigen Cent nachzuinvestieren. Wer früh anfängt und die Dividendensteigerung für sich arbeiten lässt, baut sich ein Einkommen das Jahr für Jahr von alleine wächst. Genau das kannst du in unserem Dividenden-Rechner selbst durchspielen.

Das Buffett-Beispiel – fast 60% Rendite auf den Kaufpreis

Das bekannteste Beispiel dafür ist Warren Buffett und Coca-Cola. Buffett investierte Ende der 1980er Jahre rund 1,3 Milliarden US-Dollar in Coca-Cola. Heute kassiert Berkshire Hathaway jährlich über 800 Millionen US-Dollar Dividende von Coca-Cola – also fast 60% des ursprünglichen Investments jedes einzelne Jahr. Er hat nicht verkauft, er hat nicht gehandelt. Er hat einfach gewartet. Der Zinseszinseffekt wachsender Dividenden hat die Arbeit erledigt. (Quelle: stock3.com)

Dividenden-Aristokraten als ETF – was gibt es?

Wer nicht selbst Einzelaktien auswählen will kann über ETFs in Dividenden-Aristokraten investieren.

Der bekannteste ist der SPDR S&P U.S. Dividend Aristocrats UCITS ETF – er bildet ausschließlich US-amerikanische Aristokraten ab und hat in der Vergangenheit sehr stark performt. Der Fokus auf die USA bedeutet aber auch ein gewisses geografisches Klumpenrisiko.

Eine global diversifiziertere Alternative ist der SPDR S&P Global Dividend Aristocrats UCITS ETF – er enthält Unternehmen aus aller Welt. Hier liegt die Anforderung aber nur bei 10 bis 15 Jahren Dividendensteigerung, nicht bei 25 – der Name ist also etwas irreführend. Die Performance war im Vergleich zum US-Pendant in der Vergangenheit deutlich schwächer. Wer globale Diversifikation sucht sollte das im Hinterkopf behalten.

Lohnen sich Dividenden-Aristokraten?

Ehrliche Antwort: Kommt drauf an was du willst.

Für Stabilität und Krisenresistenz sind sie schwer zu schlagen. Die geringere Volatilität im Vergleich zum Gesamtmarkt ist real – in schlechten Börsenjahren verlieren Dividenden-Aristokraten oft weniger. Das ist gut für den Schlaf und für Anleger die kurz vor oder in der Entnahmephase sind.

Für maximales Wachstum sind sie nicht die erste Wahl. Wer auf Nvidia, Meta oder andere Wachstumsunternehmen setzt hat in den letzten Jahren mehr Rendite gemacht. Dividenden-Aristokraten sind reife, etablierte Unternehmen – spektakuläres Wachstum ist nicht ihr Ding.

In meinem eigenen Depot habe ich eine Mischung. Dividenden-Aristokraten bilden den stabilen Kern – verlässlich, bewährt, langweilig im besten Sinne. Für mehr Wachstumspotenzial ergänze ich mit anderen Positionen.

Mein Fazit

Ein Unternehmen das 50 Jahre lang jedes Jahr mehr ausschüttet hat bewiesen dass es funktioniert. Das ist keine Garantie für die Zukunft – aber es ist eines der stärksten Qualitätssignale die es an der Börse gibt. Wer auf Stabilität und wachsendes passives Einkommen setzt kommt an Dividenden-Aristokraten kaum vorbei.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und spiegelt meine persönliche Meinung wider. Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewährleistung.