
Ich sage es direkt: Wer keinen Freistellungsauftrag eingerichtet hat, verschenkt Geld ans Finanzamt. Jedes Jahr. Ohne Not. Es dauert fünf Minuten, kostet nichts, und spart dir bis zu 263,75€ pro Jahr. Bei Paaren sogar das Doppelte.
In diesem Artikel erkläre ich was der Freistellungsauftrag ist, wie du ihn optimal aufteilst wenn du mehrere Broker nutzt, und warum Dividenden-Investoren hier einen natürlichen Vorteil haben. Außerdem räume ich mit einem hartnäckigen Mythos auf der im Internet kursiert.
Was ist der Freistellungsauftrag?
Der Freistellungsauftrag ist ein Auftrag den du deiner Bank oder deinem Broker gibst. Er sorgt dafür dass deine Kapitalerträge bis zu einer bestimmten Grenze steuerfrei bleiben. Diese Grenze heißt Sparerpauschbetrag und liegt seit 2023 bei 1.000€ pro Jahr für Ledige und 2.000€ pro Jahr für Verheiratete und eingetragene Lebenspartner.
Was zählt als Kapitalertrag? Dividenden, Zinsen, realisierte Kursgewinne und Ausschüttungen von ETFs – kurz gesagt alles was dein Depot oder dein Konto an Erträgen produziert.
Was passiert ohne Freistellungsauftrag? Die Bank führt automatisch 26,375% Abgeltungssteuer ab (25% plus 5,5% Solidaritätszuschlag) – dazu kommt ggf. Kirchensteuer. Von 100€ Dividende bleiben dir dann nur noch rund 73,63€. Mit Freistellungsauftrag bleiben dir innerhalb des Freibetrags die vollen 100€. Wer den Freibetrag vollständig ausschöpft spart sich also bis zu 263,75€ Steuern pro Jahr – Geld das sonst einfach weg wäre.
Warum Dividenden-Investoren hier einen Vorteil haben
Das ist mein persönlicher Lieblingsaspekt: Als Dividenden-Investor schöpfe ich den Freibetrag jedes Jahr ganz natürlich aus – ohne irgendetwas verkaufen zu müssen.
Bei einem reinen Wachstums-Depot entstehen Gewinne erst wenn du verkaufst. Du kannst zwar gezielt Positionen verkaufen um den Freibetrag zu nutzen – aber das ist aufwendig, kostet Ordergebühren und manchmal will man einfach nicht verkaufen.
Dividenden fließen automatisch. Sobald dein Depot groß genug ist produziert es jedes Jahr Erträge die den Freibetrag ausschöpfen – ganz ohne dein Zutun. Ein Depot von 25.000€ mit einer Dividendenrendite von 4% wirft jährlich genau 1.000€ ab – der Freistellungsauftrag sorgt dafür dass das komplett steuerfrei bleibt. Ohne ihn wären das 263,75€ die jedes Jahr ans Finanzamt fließen, automatisch und still.
Mehrere Broker – so teilst du richtig auf
Viele Anleger haben heute mehrere Depots – ein Depot für ETF-Sparpläne, ein zweites für Dividendenaktien, vielleicht noch ein Tagesgeldkonto. Das ist völlig normal und sinnvoll. Der Freistellungsauftrag kann und sollte auf mehrere Institute aufgeteilt werden, solange die Summe aller Aufträge 1.000€ nicht überschreitet.
Wie du sinnvoll aufteilst: Orientiere dich an den erwarteten Erträgen pro Broker. Wo fließen die meisten Dividenden? Wo entstehen die meisten Kursgewinne? Dorthin kommt der größte Anteil des Freibetrags. Wenn du zum Beispiel bei Scalable Capital hauptsächlich ETFs besparst und dort die meisten Ausschüttungen anfallen, gehören dort vielleicht 600€ hin. Bei Trade Republic für Dividendenaktien 300€, und beim Tagesgeldkonto die restlichen 100€. Die Summe: 1.000€ – und das Finanzamt schaut in die Röhre.
Überprüfe die Aufteilung einmal im Jahr, am besten im November oder Dezember. Wenn ein Broker den Freibetrag fast ausgeschöpft hat und ein anderer noch viel Luft hat, kannst du noch im laufenden Jahr anpassen.
Der Mythos vom „Steuerhack“ – bitte nicht nachmachen
Im Internet kursiert immer wieder folgender Tipp: Eröffne bei mehreren Brokern ein Depot und trage bei jedem 1.000€ als Freistellungsauftrag ein – so schiebst du die Steuer nach hinten.
Das ist falsch und kann teuer werden. Alle Banken und Broker sind gesetzlich verpflichtet die erteilten Freistellungsaufträge jährlich an das Bundeszentralamt für Steuern zu melden. Wenn du bei drei Brokern je 1.000€ einträgst – also 3.000€ insgesamt – wird das erkannt. Im besten Fall bekommst du einen freundlichen Brief vom Finanzamt. Im schlechtesten Fall wird es als Ordnungswidrigkeit gewertet.
Was du machen kannst ist den Freibetrag aufteilen – nicht überschreiten. Das ist legal, sinnvoll und kostet nichts.
Nicht genutzter Freibetrag – was passiert?
Wer am Jahresende seinen Freibetrag nicht vollständig ausgenutzt hat verliert den Rest. Eine Übertragung auf das nächste Jahr ist nicht möglich. Das ist ein weiterer Grund warum es sinnvoll ist die Aufteilung regelmäßig zu überprüfen und ggf. anzupassen.
Umgekehrt: Wenn du merkst dass du den Freibetrag bei einem Broker bereits überschritten hast, kannst du im laufenden Jahr noch reagieren – zum Beispiel indem du Verluste realisierst oder den Auftrag bei einem anderen Broker erhöhst.
Was ist mit ausländischen Brokern?
Der Freistellungsauftrag gilt nur für inländische Kreditinstitute – also deutsche Broker und Banken. Bei ausländischen Brokern gibt es keinen Freistellungsauftrag.
Das bedeutet: Kapitalerträge bei ausländischen Brokern werden nicht automatisch versteuert – du bist selbst verantwortlich diese in der Steuererklärung anzugeben. Der Freibetrag gilt trotzdem – aber du musst ihn über die Anlage KAP geltend machen.
Für Auswanderer und digitale Nomaden: Sobald du keinen deutschen Wohnsitz mehr hast greift der Freistellungsauftrag bei deutschen Brokern ebenfalls nicht mehr automatisch. Steuerpflichten im Einzelfall unbedingt prüfen.
Das solltest du jetzt tun
Richte bei jedem Broker und jeder Bank einen Freistellungsauftrag ein – du brauchst dazu deine Steuer-ID. Teile den Freibetrag sinnvoll auf deine Institute auf, orientiere dich an den erwarteten Erträgen, und stelle sicher dass die Summe 1.000€ nicht überschreitet. Einmal im Jahr – am besten im November oder Dezember – schaust du kurz drauf und passt ggf. an. Bei ausländischen Brokern gibst du die Erträge in der Steuererklärung an.
Das war es. Fünf Minuten Aufwand, einmal im Jahr eine kurze Überprüfung – und du holst dir zurück was dir zusteht.
Mein Fazit
Der Freistellungsauftrag ist eines der wenigen Dinge im deutschen Steuerrecht die wirklich einfach sind. Einmal einrichten, einmal im Jahr überprüfen – fertig. Wer das nicht macht verschenkt jedes Jahr Geld. Als Dividenden-Investor schöpfe ich diesen Vorteil ganz automatisch aus – mein Depot arbeitet für mich, und der Staat bekommt nur was ihm wirklich zusteht.
Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.
DISCLAIMER:
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und spiegelt meine persönliche Meinung wider. Er stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Für individuelle steuerliche Fragen wende dich an einen Steuerberater. Alle Angaben ohne Gewährleistung.