Collateralized Loan Obligations, kurz CLOs, so nennt sich eine Anlageklasse, die ich bis vor Kurzem selbst noch nie gehört hatte. Ehrlich gesagt hatte ich beim ersten Lesen sofort 2008er-Vibes, verbriefte Kredite, Tranchen, klingt erstmal nach Finanzkrise pur. Bei genauerem Hinsehen ist das aber ein völlig anderes, deutlich stabileres Konstrukt als das, was uns 2008 um die Ohren geflogen ist. Schauen wir uns an, was CLOs wirklich sind, wie sie sich von den berüchtigten CDOs unterscheiden und was in Europa und den USA davon überhaupt verfügbar ist.

Was ist ein CLO?

Ein CLO ist eine Verbriefung. Ein spezialisierter Manager bündelt mehrere hundert besicherte Unternehmenskredite, meist an Firmen mit niedrigerem Kreditrating, sogenannte Leveraged Loans, in einer eigenen Zweckgesellschaft. Dieser gesamte Kreditpool wird dann in verschiedene Tranchen mit unterschiedlichem Risiko aufgeteilt.

Ganz oben steht die AAA-Tranche. Sie wird als erstes bedient, bekommt also zuerst ihre Zinsen und ihr Kapital zurück, und trägt dadurch das mit Abstand geringste Risiko im gesamten Konstrukt. Darunter folgen AA, A, BBB, BB, bis hin zur Equity-Tranche ganz unten, die das höchste Risiko trägt, als erste Verluste absorbiert, dafür aber auch die höchste potenzielle Rendite bietet. Je tiefer du in dieser Struktur investierst, desto mehr Kreditrisiko übernimmst du, und desto höher fällt im Gegenzug die Rendite aus.

CLO ist nicht CDO

Der Punkt, der mir persönlich zuerst durch den Kopf ging, und wahrscheinlich vielen von euch auch: Ist das nicht genau das, was 2008 die Finanzkrise ausgelöst hat? Die Antwort ist nein, auch wenn die Begriffe ähnlich klingen. CDOs, die 2008 im Zentrum der Krise standen, bündelten überwiegend Subprime-Hypotheken, oft von Kreditnehmern mit sehr schwacher Bonität und mangelhafter Prüfung. CLOs bündeln dagegen besicherte Unternehmenskredite an tatsächlich operative Firmen, ein strukturell komplett anderer, historisch deutlich stabilerer Markt. Selbst während der Finanzkrise 2008 und auch während Corona 2020 haben die AAA-Tranchen von CLOs keine einzige Zins- oder Kapitalzahlung verpasst. Das ist ein Track Record, den man ernst nehmen sollte, wenn man die Anlageklasse fair beurteilen will.

Die CLO-Tranchenstruktur


↔ Tabelle wischen

Tranche Rating Risiko Rendite
Senior AAA Sehr niedrig Niedrig
Mezzanine AA – A Niedrig Moderat
Mezzanine BBB – B Mittel Erhöht
Equity Unrated Hoch Am höchsten

Die oberste Tranche wird zuerst bedient und trägt das Ausfallrisiko zuletzt, die unterste Tranche zuerst. Quelle: Janus Henderson, eigene Darstellung. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.

Verfügbarkeit in Europa

Und hier wird es für uns als deutsche Anleger konkret. Mir ist aktuell primär ein UCITS-ETF für dieses Thema bekannt, der Janus Henderson EUR AAA CLO Active Core UCITS ETF, kurz JCL0. Der Fonds ist in Luxemburg aufgelegt, als Teilfonds der Janus Henderson Tabula Fund SICAV, und unter anderem an der Deutschen Börse (Xetra), der London Stock Exchange und der Borsa Italiana handelbar. Es gibt ihn in einer thesaurierenden und einer ausschüttenden Variante.

Bei der thesaurierenden Variante muss ich ehrlich sagen, die Performance auf Einjahressicht, der Fonds ist ja auch erst rund ein Jahr alt, ist mit etwa 1% schlicht enttäuschend. Interessanter wird es bei der ausschüttenden Variante, die laut DWS aktuell bei knapp 4,6% Ausschüttungsrendite liegt, das ist schon eher das, was man von einer AAA-CLO-Anlage erwarten würde.

Daneben gibt es noch einen USD-Ableger aus derselben Fondsfamilie, ebenfalls in Luxemburg aufgelegt, den Janus Henderson USD AAA CLO Active Core UCITS ETF, USD Dist, ISIN LU2994520935, Ticker JAAD. Wer weiß, vielleicht gibt es tatsächlich noch weitere CLO-UCITS-ETFs am europäischen Markt, die mir bisher einfach nicht untergekommen sind, das ist eine echte Nische.

Verfügbarkeit in den USA

Der wirklich große, liquide und vielfältige CLO-Markt spielt sich aber nach wie vor in den USA ab. Janus Henderson selbst dominiert dort mit über 85% Marktanteil am gesamten CLO-ETF-Volumen. Der AAA CLO ETF (JAAA) ist mit über 25 Milliarden Dollar der mit Abstand größte CLO-ETF weltweit.

Wer etwas mehr Rendite sucht und bereit ist, dafür weiter unten in der Tranchenstruktur zu investieren, findet in den USA auch den B-BBB CLO ETF (JBBB). Der investiert gezielt in CLO-Tranchen mit Rating zwischen BBB+ und B-, also spürbar risikoreicher als die AAA-Variante, aktuell mit einer Dividendenrendite von rund 6%, monatlich ausgeschüttet. Über eine Milliarde Dollar Fondsvolumen, damit der zweitgrößte CLO-ETF überhaupt. Das zeigt schön die Spannbreite der Anlageklasse, von sehr konservativ und mager (AAA) bis spürbar attraktiver, aber eben auch risikoreicher (BBB bis B).

Zugang zu diesen US-Produkten bekommst du wie bei anderen US-ETFs nur über einen internationalen Broker mit US-Marktzugang, etwa Tiger Brokers Singapore oder Swissquote, mehr dazu in meinem Artikel zu US-ETFs als Deutscher kaufen.

Meine Einschätzung

CLOs sind für mich eine echte Marktneuheit, um die es sich lohnt zu wissen, ohne sie zu verklären. Das Angebot in Europa ist aktuell noch überschaubar und teilweise, siehe die thesaurierende JCL0-Variante, auch einfach noch nicht überzeugend performant. Die wirklich interessanten, etablierten und liquiden Produkte findet man weiterhin primär auf dem US-Markt.

Was mich an der Anlageklasse grundsätzlich reizt, ist der Diversifikationsaspekt. Floating-Rate-Exposure, also variabel verzinste Kredite, verhält sich anders als klassische Anleihen bei steigenden Zinsen, und die Korrelation zu klassischen Aktien- und Anleihemärkten ist historisch eher niedrig. Das kann in einem breiter aufgestellten Depot durchaus einen Mehrwert bringen.

Trotzdem, und das ist mir wichtig zu betonen: Das ist eine unbekannte, komplexe Anlageklasse und definitiv nicht ohne Risiko. Wer investiert, sollte verstehen, in welcher Tranche er unterwegs ist und welches Kreditrisiko damit verbunden ist, gerade wenn man sich unterhalb der AAA-Ebene bewegt. Für eine kleine, bewusste Beimischung zur Diversifikation kann das durchaus spannend sein. Als zentraler Depotbaustein für jeden ist das aber sicher nichts.

Philipp Schilke
Philipp Schilke
Mechaniker · Finanzanlagefachmann (IHK) · Gründer Bullish TV

Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.


Keine Anlage- oder Steuerberatung. Keine Handlungsempfehlung. Alle Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr. Das ist meine persönliche Meinung. Du triffst deine eigenen Entscheidungen. Kapitalanlagen bergen Risiken.

Quellen:
janushenderson.com
justetf.com
businesswire.com

Sind CLOs eine gute Geldanlage?

Das hängt stark von der gewählten Tranche ab. AAA-CLOs gelten historisch als eine der stabilsten Anlageklassen überhaupt, selbst während der Finanzkrise 2008 und der Corona-Krise 2020 kam es bei AAA-Tranchen zu keinem einzigen Zahlungsausfall. Dafür gibt es aber keine Garantie und ohne Risiko ist das auch nicht. Die Rendite von AAA-CLOs fällt dafür entsprechend moderat aus. Tranchen weiter unten in der Struktur, etwa BBB oder B, bieten deutlich höhere Renditen, tragen dafür aber auch spürbar mehr Kreditrisiko. Eine pauschale Antwort gibt es also nicht, das hängt vom eigenen Risikoprofil und davon ab, wie tief man in der Kapitalstruktur investiert.

Was ist der Unterschied zwischen einem CLO und einem CDO?

CDOs, die 2008 im Zentrum der Finanzkrise standen, bündelten überwiegend Subprime-Hypotheken von Kreditnehmern mit oft mangelhaft geprüfter Bonität. CLOs bündeln dagegen besicherte Kredite an operative Unternehmen, sogenannte Leveraged Loans. Das ist ein strukturell anderer, historisch deutlich stabilerer Markt mit einer nachweislich besseren Ausfallhistorie, auch wenn beide Produkte auf demselben Grundprinzip der Verbriefung und Tranchierung basieren.

Kann man als deutscher Anleger in CLO-ETFs investieren?

Ja, über UCITS-ETFs wie den Janus Henderson EUR AAA CLO Active Core UCITS ETF, der an mehreren europäischen Börsen inklusive Xetra handelbar ist. Das Angebot an CLO-UCITS-ETFs ist in Europa aktuell noch sehr überschaubar. Die größte Auswahl, inklusive Produkten mit höherer Rendite wie BBB-B-CLO-ETFs, findet sich weiterhin auf dem US-Markt, für den man einen Broker mit US-Marktzugang benötigt.