
Closed End Funds, kurz CEFs, so nennt sich eine Anlageklasse, die in Deutschland fast niemand kennt, in den USA aber seit Generationen fester Bestandteil vieler Einkommensportfolios ist. Hohe, oft monatliche Ausschüttungen, teils zweistellige Renditen, und eine Geschichte, die weiter zurückreicht als praktisch jedes andere Fondsprodukt, das heute noch am Markt ist. Schauen wir uns an, was dahintersteckt.
Älter als du denkst
Der älteste heute noch existierende Closed End Fund ist der Foreign & Colonial Investment Trust, aufgelegt 1868 in Großbritannien, bis heute an der London Stock Exchange notiert. Über 150 Jahre alt, und immer noch aktiv. Zum Vergleich, der erste ETF überhaupt, der SPY, kam erst 1993 auf den Markt. CEFs sind also über hundert Jahre älter als das Produkt, das heute für die meisten synonym mit Indexinvestieren steht.
In den USA reicht die Geschichte fast genauso weit zurück, CEFs gab es dort schon vor der großen Regulierung durch den Investment Company Act von 1940, der bis heute die rechtliche Grundlage für die Fondsbranche in den USA bildet. Genau aus dieser frühen Zeit stammen auch einige strukturelle Eigenheiten, die CEFs bis heute von ETFs und klassischen Investmentfonds unterscheiden.
Kontinentaleuropa hat diese Anlageklasse praktisch komplett verschlafen. CEFs sind bis heute ein Phänomen der angelsächsischen Welt, USA, Großbritannien, Australien, Kanada, wo private Altersvorsorge und regelmäßiges Einkommen aus dem Depot traditionell eine viel größere Rolle spielen als bei uns.
Wie ein CEF funktioniert
Der entscheidende Unterschied zu einem ETF oder offenen Investmentfonds steckt schon im Namen. Ein CEF gibt bei Auflage eine feste Anzahl Anteile aus, meistens über ein Initial Public Offering. Danach ist der Fonds geschlossen. Es gibt keinen Creation- und Redemption-Mechanismus wie bei ETFs, über den jederzeit neue Anteile geschaffen oder zurückgenommen werden können.
Das hat eine wichtige Konsequenz. Weil kein Mechanismus dafür sorgt, dass der Börsenkurs nah am Nettoinventarwert (NAV) bleibt, können CEFs dauerhaft mit einem Auf- oder Abschlag zum NAV handeln. Ein CEF kann also durchaus für 9 Dollar an der Börse gehandelt werden, obwohl die zugrunde liegenden Vermögenswerte pro Anteil eigentlich 10 Dollar wert sind, oder umgekehrt mit Aufschlag. Diese Differenz zwischen Kurs und NAV ist bei CEFs eine der wichtigsten Kennzahlen überhaupt und wird von vielen Neulingen komplett übersehen.
Der zweite große Unterschied ist der Einsatz von Fremdkapital. Viele CEFs arbeiten mit Leverage, oft im Bereich von 20 bis 35%, um die laufenden Ausschüttungen zu erhöhen. Das treibt die Rendite in guten Phasen nach oben, verstärkt aber auch Verluste, wenn es an den Märkten oder bei den Finanzierungskosten schlecht läuft. Klassische offene Fonds und die meisten ETFs dürfen das in dieser Form gar nicht.
CEF vs. ETF vs. offener Investmentfonds
↔ Tabelle wischen
| Merkmal | Closed End Fund | ETF | Offener Fonds |
| Anteilszahl | Fest, seit IPO | Variabel | Variabel |
| Handel | Börse, ganztägig | Börse, ganztägig | 1x tägl. über KAG |
| Kurs vs. NAV | Auf-/Abschlag möglich | Sehr nah am NAV | = NAV |
| Fremdkapital (Leverage) | Häufig, 20–35 % | Selten / kaum erlaubt | Kaum erlaubt |
| Typische Ausschüttung | Monatlich, oft hoch | Meist quartalsweise | Meist jährlich |
| Älteste Historie | Seit 1868 | Seit 1993 | Seit 1774 (Idee), 1920er (modern) |
| Verfügbarkeit für EU-Anleger | Meist nur über US-Broker | Breit verfügbar | Breit verfügbar |
Quelle: Investment Company Act 1940, ICI, Wikipedia. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.
Warum die Ausschüttungen so hoch sind
CEFs sind fast immer auf Income Investing ausgelegt, also auf einen möglichst hohen, regelmäßigen Cashflow für den Anleger, oft monatlich statt vierteljährlich wie bei den meisten europäischen Fonds. Erreicht wird das über eine Kombination aus der Ertragskraft der zugrunde liegenden Wertpapiere, dem Einsatz von Leverage und teilweise auch durch sogenannte Return of Capital Ausschüttungen, also Zahlungen, die nicht aus echten Erträgen stammen, sondern anteilig aus dem eingesetzten Kapital selbst. Das ist nicht automatisch schlecht, aber ein Punkt, den man verstehen sollte, bevor man sich von einer zweistelligen Ausschüttungsrendite blenden lässt.
Zugang für uns Europäer
Und hier kommt der Haken. Ein paar CEF-ähnliche Produkte, etwa von PIMCO, sind auch in Europa als UCITS-Fonds oder direkt über deutsche Broker handelbar. Die wirklich interessanten, etablierten CEFs mit langer Historie bekommst du aber in aller Regel nur direkt auf dem US-Markt. Dafür brauchst du einen Broker, der dir Zugang zu US-Börsen ermöglicht, etwa über einen internationalen Broker wie Tiger Brokers Singapore oder Swissquote. Wie das konkret funktioniert, hab ich in meinem Artikel zu US-ETFs als Deutscher kaufen bereits ausführlich beschrieben, das gilt für CEFs praktisch genauso.
Meine persönliche Erfahrung
Im Community Depot halten wir eine kleine, bewusst spekulativ gehaltene Position im PIMCO Dynamic Income Fund (PDI), einem waschechten CEF. Und ehrlich gesagt läuft die aktuell nicht gut. Der Kurs steht bei minus 30%. Was den Verlust deutlich abgefedert hat, ist die laufende Ausschüttung von aktuell rund 18%. Rechnet man Kursverlust und Ausschüttungen zusammen, landen wir bei einer Gesamtrendite (IZV) von minus 9,3%. In absoluten Zahlen ein Verlust von 35€, überschaubar, weil die Position von Anfang an bewusst klein gehalten wurde.
Genau das ist für mich die zentrale Lektion bei CEFs. Die hohe laufende Ausschüttung kann einen Kursverlust erheblich abfedern, ihn aber eben nicht automatisch ausgleichen. Wer nur auf die Ausschüttungsrendite schaut und den Kursverlauf ignoriert, unterschätzt schnell, was am Ende wirklich unterm Strich rauskommt.
Trotzdem, und das ist mir wichtig zu sagen, finde ich die Anlageklasse insgesamt spannend, gerade für Dividendenjäger und Einkommensinvestoren. Eine über 150 Jahre alte, in den USA fest etablierte Fondsstruktur mit teils sehr hohen und regelmäßigen Ausschüttungen, das ist genau die Art von Nische, die sich lohnt zu verstehen, auch wenn man wie ich am Ende nur mit kleiner Position dabei ist.
Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.
Keine Anlage- oder Steuerberatung. Keine Handlungsempfehlung. Alle Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr. Das ist meine persönliche Meinung. Du triffst deine eigenen Entscheidungen. Kapitalanlagen bergen Risiken. Titelbild ist KI generiert als Beispiel.
Quellen:
telepolis.de
en.wikipedia.org (Closed-end fund)
ici.org
Was ist ein Closed End Fund (CEF) einfach erklärt?
Ein Closed End Fund ist ein Investmentfonds, der bei seiner Auflage eine feste Anzahl Anteile über ein IPO ausgibt und danach geschlossen ist. Anders als bei ETFs oder offenen Fonds können keine neuen Anteile mehr geschaffen oder zurückgenommen werden. Die Anteile werden stattdessen wie eine Aktie fortlaufend an der Börse gehandelt. Weil kein Mechanismus dafür sorgt, dass der Kurs nah am Nettoinventarwert bleibt, kann ein CEF dauerhaft mit einem Auf- oder Abschlag zu seinem eigentlichen Wert handeln. Viele CEFs setzen zusätzlich Fremdkapital ein, um höhere, oft monatliche Ausschüttungen zu ermöglichen.
Wie findet man gute CEFs?
Wichtige Kennzahlen sind der Auf- oder Abschlag zum NAV (Premium/Discount), am besten im historischen Vergleich zum eigenen Durchschnitt des Fonds, ein Discount, der deutlich unter dem historischen Schnitt liegt, kann auf eine günstige Kaufgelegenheit hindeuten. Genauso wichtig ist die Höhe des Leverage und wie sich die Finanzierungskosten dafür im aktuellen Zinsumfeld entwickeln. Bei der Ausschüttung lohnt sich ein Blick darauf, wie viel davon aus echten Erträgen stammt und wie viel Return of Capital ist, das lässt sich in der jährlichen 19a-Mitteilung des Fonds nachlesen. Und zuletzt die Historie der Ausschüttungskontinuität, wurde die Dividende über Jahre stabil gehalten oder immer wieder gekürzt. Plattformen wie CEFConnect oder CEFdata liefern diese Daten für die meisten US-CEFs kostenlos.