Wer nach hohen und planbaren Dividenden sucht stößt früher oder später auf Preferred Shares. In Deutschland kaum bekannt, in den USA ein etabliertes Instrument für Einkommensinvestoren. Und genau hier liegt das erste Missverständnis das wir direkt ausräumen müssen.

Deutsche Vorzugsaktien sind nicht dasselbe

Wenn Deutsche den Begriff Vorzugsaktie hören denken sie an VW, BMW oder Henkel. Das ist verständlich aber irreführend. Deutsche Vorzugsaktien und amerikanische Preferred Shares sind strukturell grundlegend verschieden.

Deutsche Vorzugsaktien sind schlicht Aktien ohne Stimmrecht. Die Dividende ist variabel und hängt vom Unternehmensgewinn ab, genau wie bei der Stammaktie. Der einzige echte Unterschied: Vorzugsaktionäre werden bei der Gewinnverteilung leicht bevorzugt.

Schaut man sich das konkret an wird klar wie gering dieser Vorteil wirklich ist. Stand 22.06.2026: Sixt Stammaktie 3,20 Euro Dividende, Kurs 70,13 Euro, Rendite 4,56%. Sixt Vorzugsaktie 3,22 Euro Dividende, Kurs 59,10 Euro, Rendite 5,45%. Die höhere Dividendenrendite kommt fast ausschließlich vom niedrigeren Kurs, nicht von einer höheren Ausschüttung. Zwei Cent mehr pro Jahr. Dafür kein Stimmrecht. Das ist kein Deal der sich für die meisten Anleger lohnt.

BMW wandelt seine Vorzugsaktien gerade sogar vollständig in Stammaktien um. Ein seltener Präzedenzfall der zeigt wie wenig Substanz hinter diesem Konstrukt steckt.

US Preferred Shares sind ein komplett anderes Produkt. Sie ähneln strukturell eher einer Anleihe als einer Aktie:

Feste Dividende die beim Ausgabe festgelegt wird, typisch 4 bis 7% pro Jahr. Standardisierter Ausgabepreis von 25 Dollar. Vorrangige Behandlung gegenüber Stammaktionären bei Dividende und im Liquidationsfall. Nachrangig gegenüber Anleihegläubigern. Kaum Kurswachstum zu erwarten, das Instrument ist auf laufenden Cashflow ausgelegt. Oft mit Laufzeit und Kündigungsrecht des Emittenten.

Das macht US Preferred Shares zu einem planbaren Einkommensinstrument. Man weiß beim Kauf was man bekommt. Das ist der entscheidende Vorteil.

US Preferred Shares vs. Deutsche Vorzugsaktien

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Merkmal US Preferred Shares Deutsche Vorzugsaktien
Dividende Fest, bei Ausgabe festgelegt Variabel, abhängig vom Gewinn
Ausgabepreis Standardisiert ~25 USD Kein Standard
Charakter Anleiheähnlich Aktienähnlich
Kurswachstum Kaum erwartet Möglich wie normale Aktie
Stimmrecht Keines Keines
Kündigungsrecht Ja, durch Emittenten Nein
Laufzeit Oft begrenzt Unbegrenzt
Kapitalrang Über Stammaktie, unter Anleihe Leicht bevorzugt vor Stammaktie
Dividendenausfall Kumulativ nachzuzahlen Kumulativ nachzuzahlen
Verbreitung USA, sehr verbreitet Deutschland, wenige Unternehmen

*Keine Anlageberatung. Angaben ohne Gewähr.

Was steckt hinter dem Konstrukt?

Preferred Shares werden hauptsächlich von Finanzunternehmen, Versicherungen, Banken, REITs und Versorgern ausgegeben. Diese Unternehmen nutzen Preferred Shares zur Kapitalbeschaffung ohne die Kontrolle zu verwässern. Für den Anleger bedeutet das: Man ist im Kapitalrang über den Stammaktionären aber unter den Anleihegläubigern.

Das klingt wie ein fairer Kompromiss. In normalen Zeiten ist es das auch. In echten Krisen zeigt sich das Risiko: Wenn ein Unternehmen in Schwierigkeiten gerät werden Preferred-Dividenden ausgesetzt bevor Stammaktionäre leiden. Und im Konkursfall bekommt man zwar vor den Stammaktionären etwas, aber oft weniger als erwartet.

Risiken die man kennen muss

Dividenden können ausgesetzt werden: Preferred Shares haben keine rechtlich erzwingbare Ausschüttungspflicht wie Anleihen. Der Board of Directors kann die Dividende aussetzen ohne dass das einen Zahlungsausfall darstellt. Bei kumulativen Preferred Shares, und das sind die meisten, müssen ausgefallene Dividenden nachgezahlt werden bevor Stammaktionäre wieder Dividenden erhalten. Ein gewisser Schutz, aber keine Garantie. In der Finanzkrise 2008 haben viele Banken ihre Preferred-Dividenden tatsächlich ausgesetzt.

Zinsrisiko: Preferred Shares reagieren stark auf Zinsänderungen. Steigen die Zinsen fallen die Kurse da die feste Dividende im Vergleich zu neuen Emissionen unattraktiver wird. Strukturell ähnlich wie bei Anleihen.

Kündigungsrisiko: Die meisten US Preferred Shares sind nach einer bestimmten Frist kündbar. Wenn die Zinsen fallen kann der Emittent die Preferred Shares einziehen und neu zu günstigeren Konditionen emittieren. Der Anleger bekommt sein Geld zurück aber verliert den attraktiven Zinssatz.

Liquiditätsrisiko: Einzelne Preferred Share Emissionen können illiquide sein, besonders bei kleineren Unternehmen.

Preferred Shares im Depot: Meine Position

Ich halte den Virtus InfraCap U.S. Preferred Stock ETF, Ticker PFFA. Technisch gesehen ist das ein aktiv gemanagter ETF, kein Closed-End Fund, auch wenn er sich in einigen Punkten ähnlich verhält. Der entscheidende Unterschied: Bei einem echten ETF kann man jederzeit zum NAV kaufen und verkaufen, keine Abschläge oder Aufschläge wie bei CEFs.

Was PFFA besonders macht und gleichzeitig riskanter: Er setzt Leverage ein, aktuell rund 22,87% des NAV. Das erhöht die Ausschüttung aber auch das Risiko. Die monatliche Dividende liegt bei 0,1725 Dollar pro Anteil, umgerechnet rund 0,16 Euro, die aktuelle Ausschüttungsrendite bei rund 9,6%.

Was das in der Praxis bedeutet hat der COVID-Crash gezeigt: Von rund 25 Dollar auf 7,20 Dollar. Das ist kein Tippfehler. Der Leverage hat den Absturz massiv verstärkt. PFFA hat sich danach erholt, aber das zeigt wie diese Produkte in echten Krisen laufen können.

Ich halte PFFA als kleine Beimischung für laufenden Cashflow und als Exposure in einen Sektor der tendenziell weniger stark mit dem breiten Aktienmarkt korreliert. Aktuell ist die Position im Minus, im Total Return also inklusive der monatlichen Ausschüttungen bewegt sie sich um die Nulllinie. Das ist kein Geheimnis und kein Grund zur Panik, aber auch kein heiliger Gral. Die Risiken sind real und ich bin mir dessen bewusst.

Nur über Broker mit US-Marktzugang handelbar

PFFA und die meisten interessanten US Preferred Shares sind für europäische Anleger über normale deutsche Broker nicht handelbar. Man braucht Zugang zum US-Markt.

So habe ich mir diesen Zugang verschafft: Ich nutze zum einen Swissquote in der Schweiz und zum anderen Tiger Brokers Singapore. Wie das im Detail funktioniert, was es kostet und worauf man achten muss erkläre ich in den verlinkten Artikeln.

Philipp Schilke
Philipp Schilke
Mechaniker · Finanzanlagefachmann (IHK) · Gründer Bullish TV

Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.


Keine Anlage- oder Steuerberatung. Keine Handlungsempfehlung. Alle Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr. Das ist meine persönliche Meinung.

Was sind Preferred Shares einfach erklärt?

Preferred Shares, auf Deutsch Vorzugsaktien, sind Wertpapiere die strukturell zwischen einer Aktie und einer Anleihe liegen. Sie zahlen eine feste Dividende die bei Ausgabe festgelegt wird, typisch 4 bis 7% pro Jahr auf einen Nennwert von 25 Dollar. Im Gegenzug haben Inhaber kein Stimmrecht. Bei Dividendenverteilung und im Liquidationsfall stehen sie vor den Stammaktionären aber hinter den Anleihegläubigern. Das macht sie zu einem einkommensorientierten Instrument mit planbaren Ausschüttungen.

Was ist der Unterschied zwischen Preferred Shares und normalen Anleihen?

Beide zahlen feste laufende Erträge, aber es gibt wichtige Unterschiede. Anleihezinsen sind rechtlich erzwingbar, Preferred-Dividenden können vom Board ausgesetzt werden ohne dass das einen Zahlungsausfall darstellt. Anleihen haben immer eine feste Laufzeit und einen Rückzahlungsanspruch, Preferred Shares sind oft unbegrenzt und ohne garantierte Rückzahlung. Dafür sind die Renditen bei Preferred Shares in der Regel höher als bei vergleichbaren Unternehmensanleihen.

Kann man Preferred Shares als deutscher Anleger kaufen?

Einzelne US Preferred Shares die z.B an NYSE oder NASDAQ gelistet sind können bei den meisten deutschen Brokern ganz normal gekauft werden, genauso wie andere US-Aktien auch. Anders sieht es bei spezialisierten ETFs wie PFFA oder vielen Closed-End Funds aus: Diese sind in Deutschland oft nicht handelbar weil kein europäisches KID-Dokument vorliegt. Wer ohne Auslandsbroker in die Anlageklasse investieren will kann auf den Invesco Preferred Shares UCITS ETF zurückgreifen, der in Europa zugelassen ist, aber mit eingeschränkter Auswahl und anderen Konditionen.