
Wenn die Automatisierung so kommt wie ich es erwarte, werden viele Jobs in den nächsten Jahrzehnten wegfallen oder sich fundamental verändern. Ich will wenigstens auf der „richtigen“ Seite stehen und mit meinem Kapital dabei sein.
Vor ein paar Wochen haben wir im Betrieb eine automatische Lieferdrohne bekommen. Kein Sci-Fi-Produkt, sondern ein einfacher Hubwagen der anhand von reflektierenden Aufklebern an der Decke seine Wege abfährt. Simpel, günstig, funktioniert. Vollautomatische Lagerhallen gibt es seit Jahren. Die Frage ist nicht ob Automatisierung kommt, sondern wie schnell.
Der Megatrend: Zahlen die man kennen muss
Die Prognosen für den Robotikmarkt variieren je nach Quelle stark, aber alle zeigen in dieselbe Richtung. Der Markt für humanoide Roboter wird laut MarketsandMarkets von 5,4 Milliarden Dollar 2026 auf über 50 Milliarden Dollar bis 2035 wachsen, ein jährliches Wachstum von rund 28%. Tesla hat bereits 1.000 Optimus-Einheiten in seinem Fremont-Werk im Einsatz, BMW arbeitet mit Figure AI zusammen für sein Leipziger Werk.
Das ist kein Science Fiction mehr. Das ist Gegenwart.
Ob sich der humanoide Roboter als Form langfristig durchsetzt ist offen. Eine Welt die für zwei Beine und zwei Arme gebaut ist braucht theoretisch einen Roboter mit zwei Beinen und zwei Armen. In der Praxis gibt es wahrscheinlich zweckmäßigere Formen. Was sich durchsetzen wird sind Automatisierung und physische AI in irgendeiner Form. Und genau darauf setze ich.
Ein weiterer Punkt der mich überzeugt hat: Während Chiphersteller wie Nvidia mit einem KGV von über 40 bereits sehr sportlich bewertet sind und der KI-Hype dort voll eingepreist ist, sind viele Robotik-Zulieferer deutlich günstiger bewertet. Japanische Präzisionshersteller, deutsche Unternehmen wie Schaeffler oder chinesische Getriebehersteller haben den Hype noch nicht vollständig mitgemacht. Das Wachstumspotenzial ist da, der Preis noch nicht.
Warum ich jetzt nur eine kleine Position aufbaue
Ich halte die aktuelle Marktlage für beunruhigend. Irgendwie habe ich das Gefühl die Musik spielt auf der Titanic noch, während das Schiff schon längst am Sinken ist. Das ist meine persönliche Einschätzung, kein Fakt. Bewertungen sind hoch, geopolitische Risiken real, die Zinsen in den USA weiterhin erhöht.
Deswegen baue ich jetzt kleine Positionen auf, nicht mehr. Sollte es in den nächsten Monaten oder Jahren wirklich zu einer stärkeren Korrektur kommen werde ich gezielt nachkaufen. Das ist antizyklisches Denken, keine Spekulation auf eine Krise.
Warum ich nicht einfach mehr Chip-Aktien kaufe
Durch meinen JEPQ Nasdaq Equity Income, dem europäischen Pendant zum amerikanischen JEPQ, und meinen ACWI IMI im privaten Depot bin ich bereits massiv in KI-Chips und Software investiert. Nvidia, TSMC, ASML, Broadcom, AMD, Qualcomm, Texas Instruments, alle sind bereits mit erheblichem Gewicht vertreten. Da noch einmal gezielt draufzusetzen wäre dreifach gemoppelt.
Was mir fehlt ist die physische Seite der Automatisierung: Industrierobotik, Präzisionsgetriebe, Sensoren, Seltene Erden, und vor allem asiatische Hersteller der nächsten Generation die in meinen bestehenden ETFs kaum vorkommen.
Warum die meisten europäischen Robotik-ETFs mich nicht überzeugt haben
Ich habe mir die meisten in Europa verfügbaren Robotik- und AI-ETFs angeschaut. Das Ergebnis war ernüchternd. Die meisten haben einen sehr hohen Fokus auf US-Unternehmen und auf Chiphersteller. Beides habe ich bereits mehr als genug abgedeckt.
Was fehlt ist der Blick nach Asien. Ich bin überzeugt dass ein großer Teil der Entwicklung aus China, Japan und Südkorea kommen wird. Chinesische Zulieferer von Getrieben, Aktuatoren und Seltenen Erden, japanische Präzisionshersteller, koreanische Robotikspezialisten. Diese Unternehmen tauchen in den meisten westlichen ETFs kaum auf, entweder aus Regulierungsgründen oder weil der Fokus zu sehr auf bekannten US-Namen liegt.
Meine Positionen
KraneShares Global Humanoid Robotics UCITS ETF (KBOT)
Das ist mein Kerninvestment. Was den KBOT von anderen Robotik-ETFs unterscheidet ist der konsequente Fokus auf die gesamte Wertschöpfungskette der humanoiden Robotik mit starkem Asien-Anteil. Chinesische Zulieferer, japanische Präzisionshersteller, koreanische Spezialisten, und zusätzlich Seltene Erden Positionen die oft vergessen werden aber für jeden Roboter unverzichtbar sind. Die Details zu Positionen, Ländern und Sektoren in der Box unten. sind.
| ISIN | IE000O6Z73N7 |
| WKN | A41PZ8 |
| Ticker Xetra | KBOT |
| TER | 0,69% p.a. |
| Ausschüttung | Thesaurierend |
| Replikation | Physisch |
| Benchmark | MerQube Global Humanoid & Embodied Intelligence Index |
| Positionen | 50 |
| Top 10 Gewicht | 29,11% |
| Fondsdomizil | Irland |
| Sparplanfähig | Ja, u.a. bei Comdirect |
Quelle: justETF, Stand: 29.05.2026. Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageberatung.
Ich kaufe eine kleine Startposition und setze einen Sparplan von 20 Euro im Monat auf.
BYD
Bekannt als Elektroautohersteller, aber BYD hat im Juni 2026 offiziell seinen humanoiden Roboter mit dem Ziel 20.000 interne Deployments noch 2026 bestätigt. Selbstentwickelte Chips mit rund 60% Überschneidung mit Autoteilen drücken die Produktionskosten massiv. Für mich keine reine Robotikwette sondern eine breite Wette auf chinesische Technologie mit Robotik als zusätzlichem Upside.
XPeng
Gilt als technologisch fortschrittlichster chinesischer EV-Hersteller mit besonders starkem Fokus auf embodied AI. Autonomes Fahren und humanoide Robotik werden als zusammenhängende Plattform entwickelt.
Harmonic Drive Systems : Der Schaufelverkäufer?
Jeder humanoide Roboter braucht 20 bis 40 Harmonic Drive Gelenke. Egal wer im Robotik-Rennen gewinnt, alle kaufen Harmonic Drive Getriebe. Das Unternehmen ist schuldenfrei und der klassische Schaufelverkäufer im Goldrausch. Ich warte noch auf einen besseren Einstieg.
Warum kaum China in westlichen Robotik-ETFs steckt
Das ist ein strukturelles Problem. Viele westliche ETFs schließen chinesische A-Shares entweder aus Regulierungsgründen oder aus ESG-Überlegungen aus. Dabei sind genau die chinesischen Zulieferer von Getrieben, Aktuatoren und Seltenen Erden oft die interessantesten Positionen im Ökosystem. Der KBOT ist einer der wenigen ETFs der das ernst nimmt und genau deshalb mein Favorit in diesem Segment.
Mein Fazit
Das ist eine spekulative Beimischung von maximal 3 bis 5% meines Gesamtportfolios. Keine Kernposition, keine Altersvorsorge, sondern eine langfristige Wette auf einen Megatrend der noch am Anfang steht. Auf 15 bis 30 Jahre und länger gesehen.
Chips und Software habe ich bereits mehr als ausreichend abgedeckt. Physische Automatisierung, Robotik-Zulieferer und asiatische Hersteller der nächsten Generation decke ich jetzt gezielt mit KBOT, BYD und XPeng ab.
Wenn wir alle arbeitslos werden will ich wenigstens dabei sein.
Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.
Keine Anlage- oder Steuerberatung. Keine Handlungsempfehlung. Hochspekulative Positionen, Totalverlust möglich. Das ist meine persönliche Meinung und dokumentiert meine eigenen Investmententscheidungen. Angaben ohne Gewähr.
Wer sind die Schaufelverkäufer beim Robotik-Boom?
Im Goldrausch haben nicht die Goldsucher das meiste verdient, sondern die Schaufelverkäufer. Bei der Robotik sind das möglicherweise die Unternehmen die Komponenten liefern die jeder Hersteller braucht, egal wer am Ende gewinnt. Harmonic Drive Systems aus Japan liefert Präzisionsgetriebe die jeder humanoide Roboter braucht, 20 bis 40 Stück pro Einheit. Chinesische Zulieferer wie Leader Harmonious Drive, Shenzhen Inovance oder Zhejiang Sanhua liefern Aktuatoren, Antriebe und Komponenten. Und ohne Seltene Erden von Unternehmen wie China Northern Rare Earth oder Lynas fährt kein Roboter. Diese Zulieferer sind oft günstiger bewertet als die Roboterhersteller selbst und profitieren unabhängig davon wer das Robotikrennen gewinnt.
Warum sind chinesische Robotik-Unternehmen in den meisten ETFs kaum vertreten?
Der Großteil der interessanten chinesischen Robotik-Zulieferer ist als sogenannte A-Shares an den Börsen in Shanghai und Shenzhen gelistet. Diese sind für ausländische Investoren nur über den Stock Connect Mechanismus zugänglich und werden von vielen westlichen ETFs aus Regulierungs- oder ESG-Gründen ausgeschlossen. Dabei sind genau diese Unternehmen oft die günstigsten und am direktesten vom Robotik-Boom profitierenden. Der KBOT ist einer der wenigen in Europa erhältlichen ETFs der gezielt chinesische A-Shares in diesem Bereich enthält.
Ist humanoide Robotik wirklich die Zukunft oder nur ein Hype?
Ehrliche Antwort: Beides ist möglich. Die humanoide Form hat einen logischen Vorteil, eine für Menschen gebaute Welt braucht theoretisch menschenähnliche Roboter. In der Praxis werden sich wahrscheinlich verschiedene Formen durchsetzen, je nach Anwendungsfall. Was sicher ist: Automatisierung und physische AI kommen, in irgendeiner Form. Tesla hat bereits 1.000 Optimus-Einheiten im Einsatz, BYD und XPeng arbeiten an eigenen Systemen. Wer jetzt investiert wettet nicht auf eine bestimmte Form sondern auf den Megatrend selbst. Deswegen ist ein breit aufgestellter ETF wie der KBOT sinnvoller als eine Einzelwette auf einen bestimmten Roboterhersteller.