BDCs. Drei Buchstaben die in Deutschland kaum jemand kennt. In den USA ist diese Anlageklasse für Einkommensinvestoren längst Standard, mit Dividendenrenditen von 8 bis 15 Prozent jährlich, monatlich oder quartalsweise ausgezahlt. Klingt zu gut um wahr zu sein? Ist es nicht. Aber es gibt einen Haken. Eigentlich mehrere.

BDCs erklärt: Was steckt dahinter?

BDC steht für Business Development Company. Das sind börsennotierte Investmentgesellschaften die Kapital in private, nicht-börsennotierte kleine und mittelständische Unternehmen investieren, hauptsächlich über besicherte Kredite, seltener über Eigenkapitalbeteiligungen.

Das klingt abstrakt, ist aber im Kern simpel: Die BDC leiht Geld an Unternehmen die keinen oder nur schwer Zugang zu klassischen Bankdarlehen bekommen. Dafür verlangt sie höhere Zinsen. Aus diesen Zinsen kommen die Dividenden.

Was BDCs von normalen Kreditgebern unterscheidet: Sie begleiten ihre Beteiligungen oft aktiv, mit strategischer Beratung, Netzwerkzugang und Managementunterstützung. Und sie werden teilweise auch in Unternehmensanteilen bezahlt. Läuft das Unternehmen gut werden diese Anteile zu einem höheren Preis wieder veräußert. Das bringt zusätzliche Erträge die über die reinen Zinseinnahmen hinausgehen.

Das entscheidende gesetzliche Merkmal: BDCs sind wie REITs verpflichtet mindestens 90% ihres steuerpflichtigen Einkommens als Dividende auszuschütten. Im Gegenzug zahlen sie selbst kaum Körperschaftsteuer. Das Ergebnis sind Dividendenrenditen die regelmäßig im zweistelligen Bereich liegen.

BDCs auf einen Blick
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Ausschüttungspflicht

Mind. 90% des steuerpflichtigen Gewinns müssen als Dividende ausgeschüttet werden

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Dividendenrendite

Typisch 8–15% p.a., monatlich oder quartalsweise ausgeschüttet

🏛️
Steuervorteil

Keine Körperschaftsteuer auf Unternehmensebene, solange die Ausschüttungspflicht erfüllt wird

🔑
Zugang zu Private Credit

BDCs ermöglichen Privatanlegern Zugang zu Anlageklassen die sonst institutionellen Investoren vorbehalten sind

⚖️
Leverage erlaubt

BDCs dürfen Fremdkapital einsetzen, bis zu 2 Dollar pro 1 Dollar Eigenkapital

📊
Zinssensitiv

Steigende Zinsen erhöhen die Erträge, sinkende Zinsen drücken sie. Variabel verzinste Kredite sind die Norm

Hohes Risiko

Starke Kursschwankungen in Krisen. Der BDC-Sektor verlor 2020 innerhalb eines Monats bis zu 67%

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Verfügbarkeit

Börsengehandelt wie normale Aktien, bei den meisten gängigen Brokern handelbar

Keine Anlageberatung. Angaben ohne Gewähr.

BDCs und der Private Credit Markt

BDCs sind Teil des sogenannten Private Credit Marktes, also der privaten Kreditvergabe außerhalb des klassischen Bankensystems. Dieser Markt ist seit der Finanzkrise 2008 explosionsartig gewachsen, hauptsächlich weil Banken sich aufgrund strengerer Eigenkapitalvorschriften aus riskanteren Krediten zurückgezogen haben.

Das globale Marktvolumen liegt 2024 bei rund 2 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren war es ein Bruchteil davon.

Für Privatanleger sind BDCs der direkteste Weg in diese Anlageklasse. Private Equity und Private Credit sind normalerweise institutionellen Investoren vorbehalten, also Pensionskassen, Staatsfonds und sehr wohlhabenden Einzelpersonen. BDCs öffnen diese Tür ab dem ersten Cent.

Die Dividenden: Warum sie so hoch sind und was dahintersteckt

BDCs verdienen ihr Geld hauptsächlich durch Zinsen auf die vergebenen Kredite sowie durch Gewinne aus Eigenkapitalbeteiligungen wenn Unternehmen erfolgreich wachsen.

Typische Dividendenrenditen liegen zwischen 8% und 15% pro Jahr, quartalsweise oder monatlich ausgeschüttet.

Eine wichtige Kennzahl die man verstehen muss ist das Net Investment Income, kurz NII. Das ist vereinfacht gesagt der Gewinn einer BDC nach Abzug aller Betriebskosten, also die Zinseinnahmen und sonstigen Erträge minus die eigenen Finanzierungskosten und laufenden Ausgaben. Das NII ist die Basis aus der die Dividende bezahlt wird.

Die Dividend Coverage zeigt ob die Dividende durch das NII gedeckt ist. Liegt das Verhältnis von NII zu Dividende über 1 ist die Ausschüttung gedeckt. Fällt es darunter kommt die Dividende aus der Substanz, also aus dem Kapital der Anleger. Das ist ein Warnsignal.

Die Risiken die man kennen muss

Hier wird es wichtig, und ich will das nicht kleinreden.

Zinssensitivität: BDCs reagieren sensibel auf Zinsänderungen, aber anders als REITs. Steigende Zinsen sind zunächst positiv weil die meisten Kredite variabel verzinst sind und höhere Zinsen mehr Zinserträge bedeuten. Fallen die Zinsen sinken die Erträge. Das erklärt warum BDCs in der Hochzinsphase 2022 bis 2024 gut performt haben und jetzt unter Druck geraten.

Kreditausfallrisiko: Die Unternehmen denen BDCs Geld leihen sind riskanter als Investment-Grade-Schuldner. In einem wirtschaftlichen Abschwung steigen Ausfälle was die Dividenden unter Druck setzt. Der Anteil sogenannter Non-Accruals, also Kredite bei denen Zahlungen ausfallen, ist ein kritischer Indikator für die Portfoliogesundheit.

Marktvolatilität: BDCs sind börsennotiert und reagieren massiv auf Marktschwankungen. In echten Krisen fallen sie dramatisch. Der VanEck BDC Income ETF verlor in der Corona-Krise 2020 innerhalb eines Monats knapp 67%. Wer das nicht aushält hat in dieser Anlageklasse nichts zu suchen.

Leverage: BDCs dürfen Fremdkapital einsetzen um ihre Renditen zu hebeln. Das verstärkt Gewinne in guten Zeiten und Verluste in schlechten.

PIK-Anteil: Ein wachsender Anteil der Zinsen wird nicht bar bezahlt sondern als sogenanntes Payment-in-Kind, also als zusätzliche Schulden verbucht. Rund 18% der beobachteten BDCs haben einen PIK-Anteil von über 10%, was kritisch zu bewerten ist.

Die aktuelle Warnung: Private Credit unter Druck

Das ist der Teil den andere Artikel weglassen.

EZB, BaFin, FSB und IMF haben in den letzten Monaten explizit vor Risiken im Private Credit Markt gewarnt. Die EZB-Bankenaufsicht warnt vor zunehmender Verflechtung zwischen Banken und Private-Credit-Fonds. Die BaFin sieht Ansteckungsgefahren auf das klassische Bankensystem.

Blue Owl Capital musste Anfang 2025 Auszahlungen begrenzen als Anleger massiv Kapital abziehen wollten. Kurz darauf folgten Blackstone, Ares und Apollo mit ähnlichen Einschränkungen. Jamie Dimon formulierte es im Oktober 2025 so: „Wenn man eine Kakerlake sieht gibt es wahrscheinlich noch mehr.“

Das betrifft primär nicht-börsennotierte Private Credit Fonds, nicht direkt BDCs. Aber der Kontext ist relevant: Der Private Credit Markt ist groß geworden, unübersichtlich und eng mit dem klassischen Bankensystem verflochten. Ein systemisches Ereignis würde auch BDCs nicht verschonen.

Die andere Seite der Medaille

Nach allem was ich oben geschrieben habe klingt das vielleicht nach einem klaren Nein. Das ist es nicht.

Wenn es an den Märkten wirklich crasht und die Zentralbanken wieder zur Druckerpresse greifen wie nach 2008 und 2020 könnten BDCs massiv davon profitieren. Günstige Refinanzierungskosten, steigende Unternehmensbewertungen, wachsendes Kreditvolumen. Das ist jedoch keine Garantie für Erfolg sondern eine Wette mit erheblichem Risiko auf beiden Seiten.

Sollte der Markt stärker korrigieren würde ich über den Aufbau weiterer BDC-Positionen nachdenken. Aber mit dem klaren Bewusstsein dass BDCs in echten Krisen massiv leiden können und eine Erholung Monate bis Jahre dauern kann.

BDCs die 2008 überlebt haben

Die meisten BDCs die heute gehandelt werden existierten 2008 noch nicht. Das macht eine Beurteilung ihrer Krisenfestigkeit schwierig. Eine der wenigen Ausnahmen ist Ares Capital, börsennotiert seit Oktober 2004 und damit eine der ältesten noch aktiven BDCs. ARCC hat die Finanzkrise 2008, die COVID-19-Krise und die Zinswende 2022 durchgestanden und dabei stets Dividenden gezahlt. Das ist im BDC-Universum bemerkenswert.

Vier bekannte BDCs im Kurzüberblick

Ares Capital (ARCC): Der unangefochtene Marktführer. Portfolio von über 550 Beteiligungen, fairer Marktwert von 26,8 Milliarden USD. Börsennotiert seit 2004, hat mehrere Krisen überlebt. Dividendenrendite aktuell rund 9%. Gilt als der Goldstandard unter den BDCs.

Main Street Capital (MAIN): Gegründet 1997, börsennotiert seit 2007. Besonderheit: intern gemanagt was Interessenkonflikte reduziert. Zahlt monatliche Dividenden und dazu regelmäßige Sonderdividenden. Fokus auf kleinere Unternehmen mit starker Begleitfunktion. Gilt als einer der qualitativ hochwertigsten BDCs überhaupt.

Blue Owl Capital (OBDC): Einer der größten und am schnellsten gewachsenen BDCs. Fokus auf Senior Secured Loans, also besicherte erstrangige Kredite, was das Risikoprofil defensiver macht. Aktuell rund 10% Dividendenrendite. Moody’s hat OBDC Anfang 2026 auf Baa2 hochgestuft.

Hercules Capital (HTGC): Spezialist für Technologie- und Life-Science-Unternehmen, also Wachstumsunternehmen und Startups in frühen Phasen. Höheres Risiko als ARCC oder MAIN, aber auch höhere potenzielle Upside wenn die Beteiligungen erfolgreich wachsen und Anteile gewinnbringend verkauft werden können. Im Community Depot mit einer kleinen Position vertreten.

Meine persönlichen Erfahrungen mit BDCs

Aus Transparenzgründen kurz meine eigene Geschichte mit dieser Anlageklasse.

Ich hatte in der Vergangenheit kleine Positionen in Ares Capital und Main Street Capital. Beide gute Unternehmen, beide solide Dividendenzahler. Trotzdem bin ich irgendwann ausgestiegen, weil mir das Gesamtbild zu heiß wurde. Der Private Credit Markt wuchs schneller als mir lieb war, die Bewertungen stiegen und das Risiko schien mir nicht mehr ausreichend vergütet.

Hätte ich gehalten wären es bis heute noch immer ordentliche Positionen gewesen. Aber ich bin Investor und kein Trader. Ich muss nachts schlafen können und BDCs sind meiner Meinung nach, aktuell sportlich bewertet.

Aktuell halte ich im Community Depot eine winzige Position in Hercules Capital, bewusst klein. Wenn sich wirklich interessante Einstiegsmöglichkeiten bieten, zum Beispiel nach einer deutlichen Korrektur, würde ich wieder gezielt in BDCs investieren. Aber bewusst spekulativ, mit klarem Risikobewusstsein und niemals mehr als 5% meines Gesamtportfolios in dieser Anlageklasse.

BDC ETFs: Eine Alternative?

Wer nicht einzelne BDCs auswählen will kann über ETFs in die Anlageklasse investieren. Allerdings ist die Auswahl für europäische Anleger sehr begrenzt. Soweit ich weiß gibt es aktuell nur einen BDC-ETF der auf dem europäischen Markt handelbar ist: den iShares Listed Private Equity UCITS ETF, den wir auf dem Blog bereits analysiert haben. Er bietet breite Diversifikation aber auch alle Risiken des Sektors in einem Produkt. Wichtig zu wissen: Dieser ETF fiel 2008 von rund 20 Euro auf 3,50 Euro beim Tief im März 2009, hat danach aber über Jahre den MSCI World outperformed. In letzter Zeit schwächelt er allerdings mit rund minus 20% auf Jahressicht.

Wer mehr Auswahl sucht und auch US-ETFs direkt kaufen will findet im Artikel „US-ETFs als Deutscher kaufen“ alle relevanten Informationen dazu.

Philipp Schilke
Philipp Schilke
Mechaniker · Finanzanlagefachmann (IHK) · Gründer Bullish TV

Mein Weg zum Investieren begann nicht mit einem Börsenbuch – sondern mit Frust. Als ich anfing, die Empfehlungen meines Bankberaters zu hinterfragen, merkte ich: Es geht deutlich besser. Ich komme aus der Werkstatt, nicht aus dem Finanzumfeld – und ich weiß wie es ist, mit einem normalen Gehalt langfristig Vermögen aufzubauen. Hier teile ich was ich gelernt habe.


Keine Anlage- oder Steuerberatung. Keine Handlungsempfehlung. Alle Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr. Das ist meine persönliche Meinung.

Quellen:
sharedeals.de/wissen/dividenden/bdc-aktien
de.investing.com/academy/stocks/bdcs-erklaert-dividenden-risiken
captrader.com/analyse/bdcs-dividendendeckung-und-die-zinswende
alleaktien.com/aktienanalysen/grosse-ares-capital-aktienanalyse
ad-hoc-news.de/wirtschaft/private-credit-markt-bafin-warnt-vor-ansteckungsgefahr
business-punk.com/anlagepunk/private-credit-die-ezb-warnt-vor-der-schattenbank-bombe
robeco.com/de-de/einblicke/2026/04/private-credit-zwischen-renditeversprechen-und-liquiditaetsfalle

Was sind BDCs einfach erklärt?

BDCs, kurz für Business Development Companies, sind börsennotierte Investmentgesellschaften die Kapital in private kleine und mittelständische Unternehmen investieren, hauptsächlich über besicherte Kredite. Sie sind gesetzlich verpflichtet mindestens 90% ihres steuerpflichtigen Gewinns als Dividende auszuschütten und zahlen selbst kaum Körperschaftsteuer. Das Ergebnis sind überdurchschnittlich hohe Dividendenrenditen von typisch 8 bis 15 Prozent pro Jahr.

Warum sind BDC Dividenden so hoch?

BDCs verdienen ihr Geld durch Zinsen auf Kredite an risikoreiche Unternehmen die keinen Bankkredit bekommen. Diese höheren Zinsen plus die gesetzliche Ausschüttungspflicht von mindestens 90% des Gewinns führen zu den ungewöhnlich hohen Dividendenrenditen. Hinzu kommen Gewinne aus Eigenkapitalbeteiligungen wenn Unternehmen erfolgreich wachsen und Anteile gewinnbringend verkauft werden.

Wie sicher sind BDC Dividenden?

BDC Dividenden sind nicht garantiert. Die entscheidende Kennzahl ist die Dividend Coverage, also das Verhältnis von Net Investment Income zur ausgezahlten Dividende. Liegt sie unter 1 kommt die Dividende aus der Substanz. In Krisenzeiten fallen BDC-Kurse massiv und Dividenden können gekürzt werden. Der Sektor verlor in der Corona-Krise 2020 innerhalb eines Monats bis zu 67%.

Können Deutsche BDCs kaufen?

Ja, BDCs sind börsengehandelt wie normale Aktien und bei den meisten gängigen Brokern handelbar. Da es sich um US-amerikanische Wertpapiere handelt fällt auf Dividenden eine US-Quellensteuer von 30% an, die mit einem ausgefüllten W-8BEN auf 15% reduziert werden kann.

Was ist der Unterschied zwischen BDCs und REITs?

Beide sind zur Ausschüttung von mindestens 90% des Gewinns verpflichtet und zahlen selbst kaum Steuern. REITs investieren in Immobilien, BDCs investieren in Unternehmenskredite und Beteiligungen an privaten Unternehmen. BDCs reagieren anders auf Zinsen: Steigende Zinsen sind für BDCs zunächst positiv weil ihre Kredite meist variabel verzinst sind, für REITs dagegen oft negativ weil ihre Finanzierungskosten steigen.