Wer in ETFs, Aktien oder andere internationale Anlagen investiert begegnet früher oder später dem Währungsrisiko. Die meisten ignorieren es. Dabei kann es einen erheblichen Einfluss auf die tatsächliche Rendite haben – positiv wie negativ.

Was ist Währungsrisiko überhaupt?

Stell dir vor du kaufst einen US-ETF für 10.000 Euro. Der ETF steigt um 10% – dein Investment ist jetzt 11.000 Dollar wert. Klingt gut. Aber wenn der Dollar in dieser Zeit gegenüber dem Euro um 10% gefallen ist bekommst du beim Umrechnen wieder 10.000 Euro. Deine Rendite in Dollar war real – in Euro war sie null.

Das ist Währungsrisiko. Die Rendite deines Investments wird nicht nur von der Kursentwicklung bestimmt sondern auch vom Wechselkurs zwischen der Handelswährung und deiner Heimatwährung.

MSCI World in Dollar – betrifft mich das wirklich?

Das ist die Frage die am häufigsten falsch beantwortet wird.

Der MSCI World ETF wird in Euro gehandelt und in Euro notiert – viele denken deshalb sie haben kein Währungsrisiko. Das stimmt nicht.

Der ETF hält Aktien von Apple, Microsoft, Nestlé, Toyota – Unternehmen die in Dollar, Franken, Yen wirtschaften. Wenn der Dollar gegenüber dem Euro fällt sinkt der Wert dieser Positionen in Euro – auch wenn der ETF selbst in Euro notiert ist. Die Handelswährung des ETFs ist irrelevant. Entscheidend ist die Währung in der die enthaltenen Unternehmen wirtschaften.

Bei einem MSCI World sind das grob 65% US-Dollar-Exposure. Das ist kein verstecktes Risiko – es ist ein strukturelles Merkmal das man kennen sollte.

Chancen und Risiken – zwei Seiten einer Medaille

Währungsrisiko klingt negativ. Aber es ist neutral – es kann für dich oder gegen dich arbeiten.

Beispiel Dollar/Euro: Von 2000 bis 2008 wertete der Dollar massiv ab – wer damals US-Aktien hielt verlor trotz guter Börsenperformance in Euro gerechnet einen erheblichen Teil der Rendite.

Von 2014 bis 2022 wertete der Dollar auf – wer US-Aktien hielt bekam einen zusätzlichen Rendite-Boost durch die Währungsentwicklung.

Langfristig gleichen sich diese Effekte oft aus. Kurzfristig können sie erheblich sein.

Für Dividendeninvestoren besonders relevant: Wer monatliche Ausschüttungen in Dollar bekommt – wie beim PDI oder amerikanischen Dividendenaktien – sieht seinen Euro-Gegenwert schwanken obwohl die Dollar-Ausschüttung konstant bleibt. 220 Dollar Dividende sind bei 1,05 EUR/USD rund 210 Euro – bei 1,20 EUR/USD nur noch 183 Euro. Gleiche Dividende, andere Kaufkraft.

Yen-Carry-Trade – ein unterschätztes Systemrisiko

Im August 2024 hat der japanische Yen innerhalb weniger Tage massiv aufgewertet. Das hat an den globalen Märkten für einen kurzen aber heftigen Crash gesorgt – nicht wegen schlechter Unternehmensgewinne sondern wegen Währungsbewegungen.

Der Grund: Der sogenannte Carry Trade. Investoren leihen sich Geld in Yen zu niedrigen Zinsen und investieren es in höherrentierliche Assets weltweit. Wenn der Yen steigt müssen sie ihre Positionen auflösen – und das passiert schnell und gleichzeitig.

Das zeigt wie Währungsbewegungen systemische Auswirkungen haben können die weit über das eigene Portfolio hinausgehen.

Hedging – lohnt sich das?

Es gibt ETFs die ihr Währungsrisiko absichern – sogenannte währungsgesicherte oder „hedged“ ETFs. Ein MSCI World EUR Hedged sichert das Dollar-Risiko ab und du bekommst die reine Aktienmarktrendite ohne Währungseinfluss.

Klingt sinnvoll – hat aber einen Preis. Hedging kostet Geld, meist 0,5 bis 1,5% pro Jahr zusätzlich. Langfristig frisst das einen erheblichen Teil der Rendite.

Außerdem verlierst du die positive Seite des Währungsrisikos. Wenn der Dollar aufwertet profitierst du nicht.

Meine Meinung: Für langfristige ETF-Investoren mit Zeithorizont von 15 Jahren und mehr ist Hedging in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Die Kosten überwiegen den Nutzen und langfristig gleichen sich Währungseffekte weitgehend aus. Für kurzfristige Anlagen oder sehr große Positionen kann es anders aussehen.

Der Euro selbst ist kein sicherer Hafen

Das wird gerne vergessen. Wer alles in Euro hält und denkt er habe kein Währungsrisiko sitzt einem Irrtum auf.

Der Euro ist eine Gemeinschaftswährung von 20 Ländern mit sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Stärken. Er hat in seiner noch kurzen Geschichte bereits erhebliche Schwankungen erlebt. Wer sein gesamtes Vermögen in Euro-Anlagen hält ist nicht ohne Währungsrisiko – er ist einfach ausschließlich dem Euro ausgesetzt.

Diversifikation über Währungen ist deshalb keine Spekulation sondern vernünftiges Risikomanagement. Ein Portfolio das US-Dollar, Schweizer Franken und Euro enthält ist stabiler als eines das nur Euro kennt.

Das ist übrigens einer der Gründe warum ein Schweizer Konto oder ein US-Depot nicht nur steuerliche sondern auch währungstechnische Vorteile haben kann.

Was das für dein Portfolio bedeutet

Du musst Währungsrisiko nicht eliminieren – das ist weder möglich noch sinnvoll. Aber du solltest es kennen und bewusst damit umgehen.

Ein globaler ETF wie der MSCI World bringt automatisch Währungsdiversifikation mit sich – das ist ein Vorteil. Wer zusätzlich in Schweizer Franken, japanischen Yen oder anderen Währungen investiert erhöht die Diversifikation weiter.

Wer sehr große Positionen in einer einzigen Fremdwährung hält sollte das bewusst tun und wissen was passiert wenn diese Währung sich bewegt.

Und wer von Dividenden oder Ausschüttungen in Fremdwährung lebt sollte eine kleine Reserve in der eigenen Währung halten – damit ein temporär schwacher Dollar nicht zum Problem im Alltag wird.


Keine Anlageberatung. Alle Inhalte spiegeln meine persönliche Meinung wider. Alle Angaben ohne Gewähr.

Was ist Währungsrisiko bei ETFs?

Währungsrisiko bedeutet dass die Rendite deines Investments nicht nur von der Kursentwicklung abhängt sondern auch vom Wechselkurs zwischen der Währung des Investments und deiner Heimatwährung. Selbst ein in Euro notierter ETF hat Währungsrisiko wenn die enthaltenen Unternehmen in anderen Währungen wirtschaften.

Hat ein MSCI World ETF Währungsrisiko?

Ja – obwohl er in Euro gehandelt wird. Rund 65% der enthaltenen Unternehmen wirtschaften in US-Dollar. Wenn der Dollar gegenüber dem Euro fällt sinkt der Euro-Wert dieser Positionen. Die Handelswährung des ETFs ist irrelevant – entscheidend ist die Währung der enthaltenen Unternehmen.

Sollte ich einen währungsgesicherten ETF kaufen?

Für langfristige Anleger mit Horizont von 15 Jahren und mehr ist Hedging in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Die Kosten von 0,5 bis 1,5% pro Jahr fressen langfristig erhebliche Rendite und du verlierst die positive Seite von Währungsbewegungen.

Ist der Euro eine sichere Währung?

Nicht automatisch. Der Euro ist eine Gemeinschaftswährung von 20 Ländern und hat in seiner Geschichte erhebliche Schwankungen erlebt. Wer alles in Euro hält hat kein Währungsrisiko eliminiert sondern ist ausschließlich dem Euro ausgesetzt. Diversifikation über Währungen ist vernünftiges Risikomanagement.