
Covered Call ETFs im Crash – Was passiert dann? Ich bin ein Fan von Covered Call ETFs. JEPG, JEPE, die Global X Produkte – die gehören für mich dazu. Monatliche Ausschüttungen, geringere Volatilität, planbarer Cashflow. Für Einkommensinvestoren sind das echte Werkzeuge.
Aber eine Frage beschäftigt mich seit einer Weile – und ich höre sie auch immer öfter in den Kommentaren: Was passiert mit diesen ETFs wenn der Markt wirklich crasht?
Die ehrliche Antwort: Wir wissen es nicht genau. Und das ist kein Fehler in meiner Analyse – das ist die Realität.
Kurze Richtigstellung
Bevor wir anfangen – im dazugehörigen Video hatte ich CC-ETFs in einen Zusammenhang mit Zertifikaten und Optionsscheinen gestellt. Das war ungenau und ich stelle es hier richtig: CC-ETFs sind UCITS-Sondervermögen. Kein Emittentenrisiko, kein Zertifikat, kein Optionsschein. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Was ich eigentlich sagen wollte: Die Covered Calls werden OTC gekauft – also außerbörslich, bilateral mit einer Gegenpartei. Der ETF selbst ist reguliert und sicher – aber er ist Teil eines größeren Systems. Dazu gleich mehr.
Der einzige historische Datenpunkt
Es gibt weltweit genau einen Covered Call ETF der die Finanzkrise 2008 erlebt hat. Den Invesco S&P 500 BuyWrite ETF – kurz PBP. Aufgelegt im Dezember 2007 – drei Monate vor dem schlimmsten Börsencrash seit Jahrzehnten.
Was passierte? Im Crash selbst hat er tatsächlich weniger verloren als der S&P 500 – die Optionsprämien haben einen Teil der Verluste abgefedert. Soweit so gut.
Aber dann kam die Erholung. Historisch steigt der Markt nach einem Bärenmarkt-Tief oft 30-40% in einem Jahr. Wer im CC-ETF saß hat davon nur die Hälfte mitgemacht – weil die Optionen die Upside gekappt haben.
Im Crash: weniger Verlust. In der Erholung: deutlich weniger Gewinn. Das ist das Grundprinzip.
Was die Zahlen sagen
Morningstar hat ausgerechnet: Seit 2020 haben S&P 500 Covered Call ETFs im Median nur 60% der Gewinne des Index mitgemacht – aber 72% der Verluste erlitten.
Sie schützen weniger als viele denken – und verpassen mehr als viele wahrhaben wollen.
Und langfristig? Es gibt einen vielzitierten Backtest über 15 Jahre – Startkapital 1 Million Euro, monatliche Entnahmen von 5.000 Euro. Kein akademisches Paper aber die Ergebnisse sind bemerkenswert:
Klassisches Portfolio: 853.000 € 60/40-Portfolio: 320.000 € CC-ETF Portfolio: 186.000 €
(Quelle: Optimized Portfolio, Backtest 2008-2022, PBP-Daten)
Der Zinseszinseffekt arbeitet gegen sie wenn Märkte langfristig steigen. Das sollte jeder wissen der diese Produkte kauft.
Das große Fragezeichen – anhaltender Bärenmarkt
Fast alle CC-ETFs die wir kennen – JEPG, JEPI, QYLD – wurden nach 2009 aufgelegt. Sie haben noch nie einen jahrelangen Bärenmarkt erlebt.
Was würde passieren? Meine Erwartung: Optionsprämien sinken weil die Nachfrage nach Call-Optionen einbricht. Ausschüttungen brechen ein. Der NAV erodiert – ohne schnelle Erholung.
Das ist kein Szenario das ich herbeisehne. Aber es ist eines das man durchdenken sollte bevor man CC-ETFs zur Hauptposition macht.
846 Billionen Dollar – und warum das relevant ist
Ein Punkt den kaum jemand anspricht.
Der globale OTC-Derivatemarkt erreichte im Juni 2025 einen Nominalwert von 846 Billionen Dollar – ein Plus von 16% in einem Jahr, der größte Jahresanstieg seit 2008. Bank for International Settlements
Zum Vergleich: Das globale BIP liegt bei etwa 117 Billionen Dollar.
Warren Buffett nannte Derivate bereits 2002 in seinem Aktionärsbrief „finanzielle Zeitbomben“ – und warnte dass ihre Gefahren damals noch latent aber potenziell tödlich seien. Heute ist der Markt um ein Vielfaches größer.
CC-ETFs sind ein winziger, regulierter, transparenter Teil dieses Systems – sie sind nicht das Problem. Aber sie sind Teil eines Systems das größer und verflochtener ist als je zuvor. Das ist kein Grund zur Panik – aber ein Grund zur Demut gegenüber dem was wir nicht vorhersagen können.
Meine Linie
Ich mag Covered Call ETFs. Ich bin selbst investiert. Für Einkommensinvestoren, Rentner, Menschen die monatlichen Cashflow wollen – können sie ein echtes Werkzeug sein.
Aber drei Dinge sollte jeder wissen:
Kein vollständiger Schutz im Crash. Ausschüttungen können stark einbrechen. Langjähriger Bärenmarkt – unbekanntes Terrain.
Meine persönliche Linie: Beimischung ja – Hauptposition nein. Ein solides Portfolio braucht mehr als CC-ETFs. Diversifikation ist der einzige Free Lunch den der Markt uns gibt.
Keine Anlageberatung, keine Handlungsempfehlung. Alle Inhalte spiegeln meine persönliche Meinung wider. Mit * gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links.
▶️ Das komplette Video mit allen Details gibt es hier:
Sind Covered Call ETFs sicher im Crash?
Covered Call ETFs verlieren im Crash tendenziell weniger als der reine Index – die Optionsprämien federn Verluste ab. Dafür nehmen sie an der anschließenden Erholung nur eingeschränkt teil. Ein vollständiger Schutz sind sie nicht.
Für wen eignen sich Covered Call ETFs?
Für Einkommensinvestoren die monatliche Ausschüttungen und reduziertere Volatilität einem maximalen Wertzuwachs vorziehen. Als Hauptposition für langfristigen Vermögensaufbau sind sie aufgrund des gedeckelten Upside-Potenzials weniger geeignet.
Warum schütten Covered Call ETFs so viel aus?
CC-ETFs verkaufen regelmäßig Call-Optionen auf ihre gehaltenen Aktien und kassieren dafür Prämien – diese Prämien werden als Ausschüttung weitergegeben. Die hohe Ausschüttungsrendite ist also kein Geschenk sondern ein Tausch: Du verzichtest auf einen Teil der Kurssteigerungen und bekommst dafür regelmäßige Einnahmen. Das Gesamtrendite-Potenzial ist gedeckelt.