
Ich höre diese Frage regelmäßig – von Followern, von Bekannten, zuletzt von der Frau meines Vaters: „Philipp, ich bin schon 50. Hat das denn noch Sinn?“
Meine Antwort: Ja. Und zwar eindeutig.
Aber ich will ehrlich mit dir sein – es gibt ein paar Dinge die du mit 50 anders angehen solltest als mit 30. Nicht weil die Zeit knapp wird, sondern weil deine Situation eine andere ist.
Mit 50 hast du mehr Zeit als du denkst
Der größte Denkfehler: Viele glauben mit 50 sei die Rente quasi morgen. Dabei hast du – bei einer Lebenserwartung von 80+ Jahren – noch gut 30 Jahre vor dir. Davon vielleicht 15 Jahre Ansparphase und danach nochmal 15+ Jahre Entnahmephase.
Und hier liegt der zweite Denkfehler: Auch in der Entnahmephase hört das Investieren nicht auf. Wer mit 65 in Rente geht und monatlich Dividenden oder ETF-Anteile entnimmt, hat sein Geld immer noch investiert – es arbeitet weiter.
Der Klassiker: „Ich lege jetzt alles in sichere Anleihen“
Viele Menschen mit 50 denken: Je näher die Rente, desto sicherer muss ich anlegen. Anleihen, Festgeld, Tagesgeld.
Das klingt vernünftig – ist es aber nur bedingt.
Klassische Anleihen haben inflationsbereinigt über lange Zeiträume kaum Rendite gebracht. In der Nullzinsphase von 2010 bis 2022 waren reale Renditen sogar negativ – wer in Bundesanleihen saß hat real Geld verloren, auch wenn nominell alles stabil aussah.
Meine Meinung: Einen kleinen Teil fürs Risikomanagement – okay. Aber den Großteil des Portfolios in Anleihen zu stecken weil man 50 ist? Ich halte das für einen teuren Fehler.
Was ich stattdessen empfehle – und was die Frau meines Vaters gemacht hatDie Frau meines Vaters hatte bisher kaum privat vorgesorgt. Als ich ihr vom Investieren erzählt habe hatte sie – verständlicherweise – Angst. Sie wollte einen Ansprechpartner, jemanden der mit ihr redet.
Am Ende hat sie eine Betriebliche Altersvorsorge (bAV) abgeschlossen. Ich habe mir das Angebot angeschaut – die Steuervorteile und Arbeitgeberzuschüsse machten es in ihrer Situation sinnvoll.
Hätte ich freie Hand gehabt, hätte ich ihr wahrscheinlich einen simplen ETF-Sparplan empfohlen.Aber manchmal ist die zweitbeste Lösung die man wirklich durchzieht besser als die beste Lösung die man nicht angeht.
Was du mit 50 konkret tun kannst
Bestandsaufnahme – Was hast du bereits? Rentenansprüche, Immobilien, Ersparnisse?
Ziel definieren – Willst du Vermögen aufbauen oder monatliches Einkommen durch Dividenden?
Einfach starten – Ein breit gestreuter ETF-Sparplan ist für die meisten der beste Einstieg
Kosten minimieren – Je weniger Gebühren du zahlst, desto mehr bleibt für dich
Dranbleiben – Nicht beim ersten Crash verkaufen
Fazit
Mit 50 anzufangen ist nicht ideal – aber es ist verdammt nochmal besser als gar nicht anzufangen. Die Zeit die du hast reicht für echten Vermögensaufbau. Und wer clever vorgeht kann auch in der Entnahmephase weiter von den Märkten profitieren.
Der beste Zeitpunkt zum Investieren war vor 20 Jahren. Der zweitbeste ist heute.
Dieser Artikel spiegelt meine persönliche Meinung wider und stellt keine Anlageberatung dar.